Morgenstunde (2)

Weise Raben und Engel. Letzterer hat seinen Spruch auf dem Rücken.

Ein Grautag im August, da mag frau kaum gegen die morgendliche Bettschwere ankämpfen. Es ist zu früh für große, kreative Würfe. Aber auf meinem Zeichenplatz wartet ja noch eine Handvoll Sprücheengel, die für das Berliner Fest an der Panke (9./10. September) bemalt werden will. Die kleinen Glücksbringer habe ich mir für die diesjährige Adventszeit ausgedacht. Die Stanzform fertigte mir die Thüringische Firma Delitt. Die Farbe kommt immer dann auf die Rohlinge, wenn mein Kopf noch Pause braucht – stille Manufaktur eben. Andere Leute gehen zur Entspannung oder zum Erwachen joggen, ich bepinsele Raben und Engel. Die Sprüchevögel hatte ich mir ursprünglich als kleine mediale Falter für den Lesegarten ausgedacht – die weisen Vögel, die Märchenvögel und die lyrischen Vögel. 40 Stück zum Entdecken an Büschen und in der Brombeerlaube. Etliche Besucher fragten, ob sie nicht solche Teile kaufen könnten. Nein, das wollte ich ganz und gar nicht, denn ich wollte nicht diese einfache, aber aufwändige Bemalerei anbieten, für die sich kein guter Preis finden lässt. Daraufhin wurden mir die Teile im Garten einfach geklaut … und ich habe mich schlussendlich den Wünschen ergeben. Immer mehr Gäste suchen nur die kleine Aufmerksamkeit. Ich bin mir nicht sicher, ob sie alle schwer haushalten müssen oder einfach nur sparsam sind. Auf jeden Fall aber haben sich die Wünsche in den letzten zehn Jahren komplett geändert. Es sind nur noch wenige, die noch nach einem Original suchen. Die meisten sparen für große Reisen und hängen sich dann  ihre Erinnerungen an die Wand. Das Handyfoto aus dem Heimdrucker und gut is‘. Ich bin ein Auslaufmodell …

Aufrufe: 965

5 Gedanken zu „Morgenstunde (2)“

  1. Nein, bist Du nicht! Diese Leute wirst Du sicher nicht bekehren, schwer ist es nur die anderen zu finden. Aber die sind es wert nicht aufzugeben. Habe ich gerade erst in den letzten zwei Jahren einerseits leidvoll und dann doch freudig erfahren. Schwierig ist das Durchhalten und nicht resignieren. Aber Qualität setzt sich immer noch durch. Und, baue doch einfach vor, damit Dir keiner einfach was klauen kann und die geliebten Stücke somit unerreichbar werden, außer man gibt den Gegenwert für diese feine künstlerische Arbeit dann der Künstlerin 😉 😀

    1. Ach, lieber Frank, ich hoffe, Du hast recht. Aber mir begegnen immer mehr Situationen, in denen ich denke – so geht es nicht weiter. Die kassische Ausstellung zum Beispiel, die Du und ich so haben. Die Leute zieht das nicht mehr vom Hocker. Sie suchen die bewegten Bilder, die virtuellen, den Lichtrausch, das Mittendrinsein im Bild. Etwas gebannt auf Papier oder Leinwand – uninteressant und eine Vernissage mit Laudatio, Wein und feierlicher Musik – zu altbacken. Ich habe die Frage einer jungen Frau noch in den Ohren: “Ach, Sie produzieren noch selbst?” Ja, Frank, es ist nicht nur eine Frage des Alters – der Quantenstrung in die Zeit der Digitalisierung sucht nach anderen künstlerischen Ausdrucksforen, als jede, die wir beherrschen…

  2. Ich denke es gibt Ebenen wo gerade das “selbstproduzierte” geschätzt wird, denn etwas automatisch anfertigen lassen oder “Made in China” haben doch so langsam viele satt. Ich höre das in Gesprächen immer wieder dass es schön gefunden wird wenn man Material, ob Papier oder Leinwand, Holz oder Glas, in die Hand nehmen kann, drüber streichen, es fühlen. Es gibt so viele Trends, zurück zur Natur, zu den Ursprüngen, Natur erleben und erfühlen. Geschichten möchten wieder gelesen oder erzählt werden, Bilder erlebt, und eben dasn nicht virtuell sondern anfassbar. Klar, es werden wohl immer mehr Nischen entstehen und wie schon gesagt, es ist nicht leicht die Leute zu finden die sich dafür interessieren. Ein Thema, zu umfangreich für ein paar Sätze, eher für längere Gespräche. Aber wenn ich nicht davon überzeugt wäre würde ich wohl aufhören.

  3. Sehr gerne, bin immer für ein Gespräch da, seit ich mit meiner Angelika zusammen bin auch wieder auf dem Damm und es macht alles wieder Spaß. Und das obwohl ich dachte, nun ist alles vorbei, Depressionen meinen Tag ausmachten. Nichts ist leicht, heute weniger als vor zehn, zwanzig Jahren, zumindest für uns “Alte” 😉 aber es ist noch so viel machbar. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.