Es ist Sonntagmorgen und ich hocke mit meinem Kaffee irgendwie erschöpft von der Heizungsreparatur zum Jahresstart. Das waren wirklich zehn unbehagliche Tage und die gilt es irgendwie abzustreifen. Man mag es kaum glauben, da habe ich gestern Abend, getrieben von dem Wunsch nach Behaglichkeit, mit dem Entwurf meines nächsten virtuellen Adventskalenders angefangen. Und heute werde ich dazu Zeichnen. Nicht am Stück 24 Bildchen, das würde mein Klausur-Projekt Ende Januar durcheinanderbringen, aber ein paar Tage und übers Jahr immer mal wieder. So wird das Schaustück „Weihnachtsgeister“ (nicht von Dickens) für die Adventszeit 2026 wachsen. Habt einen feinen Sonntag alle miteinander 😊…
Zum Heiligen Abend kommt meine Weihnachtsgeschichte für das Jahr 2025, verbunden mit dem Wunsch für alle Blog-Leser: Habt alle eine friedliche Weihnacht und ein gutes Leben, Eure Petra!
Das Weihnachtserbe
Es sind die einfachen Worte, die unter die Haut gehen. Das wusste Henning und dachte berührt an seinen Vater, der aus der Erinnerung brummte: „Mach keine Schnörkelsprüche. Immer schön geradeaus: Ho, ho, ho … Eine frohe Weihnacht wünsche ich euch allen! So einfach geht das, und auf gar keinen Fall bitte: himmlisch ruhige – engelschöne – kalorienbombige – oder rentierstarke… Weihnachten! Verstehst du? Das Echte ist immer schlicht.“
Henning nickte mit feuchten Augen und wusste: Feste feiern heißt auch Traditionen zu pflegen. Er hatte im Herbst die rote Robe des Vaters geerbt. Nun stand er tief atmend vor dem großen Spiegelschrank und zupfte unpässlich an sich herum. Vielleicht wird er irgendwann hineinwachsen, jetzt aber war ihm die Robe viel zu groß. Er sah aus wie reingeborgt. Ein windiger Ersatzmann, eine gemästete Fahrradspeiche; so geht das nicht. Er griff nach einem breiten Gürtel und schnürte sich ein pralles Kopfkissen vor den dürren Leib. Jetzt saß der Mantel gleich viel besser. Aber was hilft gegen das furchtbare Lampenfieber?
Schon als Kind geriet Henning Krause ins Stammeln, sobald er zur Tafel kommen musste, um ein Gedicht vorzutragen. Dabei schlotterten ihm die Knie, und seinen Körper erfasste ein großes Zittern. Im Älterwerden ist er das nie losgeworden, deshalb vermied er irgendwelche Auftritte. Aber nun kam da etwas auf ihn zu. Eine Hauptrolle sozusagen. Manch einer riet ihm, ein Schnäpschen würde ihn bestimmt mutiger machen, doch das lähmte nur die Zunge. Der junge Mann setzte die strenge Maske mit den buschigen Brauen und dem Rauschebart auf und hoffte, erkennen würde ihn so niemand, und ein richtiger Weihnachtsmann verhaspelt sich auch nicht. Aber hach, warum hatte er dem Vater nur seine Nachfolge versprochen?
Die Zeit schritt voran, es half kein Hadern mehr, er musste aufbrechen. Er griff nach dem Geschenkesack und stecke sich noch ein Schnupftuch in die Manteltasche, dabei spürte er ein Papierknäuel, den er hervorzog und vorsichtig öffnete. Ein hellblau gestreifter Stein kam zum Vorschein, und auf dem knittrigen Zettel stand:
„Mein lieber Henning, fürchte dich nicht, dieser Chalcedon-Edelstein wird dich stärken. Auch ich hatte einst ganz große Auftrittsangst, bis ich diesen Stein fand. Es ist ein Rednerstein, und du wirst sehen, in die Hand genommen wird jedwede Angst gebannt sein und deine Stimme wohlklingen. Er wird dir Leichtigkeit schenken. Dein Vater.“ Henning lächelte irgendwie erleichtert. Es war, als wäre eine große Last von ihm abgefallen. Als Weihnachtsmann ging er nun in dieser Nacht im Kiez von Tür zu Tür und spendierte den Menschen Glück und Freude. Und im Wohlklang seiner Stimme tanzten die weisen väterlichen Worte zum Fest.
Gestern, am vierten Advent, schenkten Akteure des Kurtschlager Sportvereins dem Dorf dieses lebensfrohe Beisammensein am Feuer. Auf dem kleinen Weihnachtsmarkt am Döllnfließ stand man in Grüppchen beieinander, nippte an den Getränken und plauderte über die Befindlichkeiten. Ich stand da unter all den Vertrauten wie ein rohes Ei… vorsichtig, weil noch nicht gut standfest und geschwächt von der Liegezeit und den Narkosen. Aber doch, ich hab es genossen unter Euch zu sein… das Leben zu spüren. Habt Dank dafür!
Nun, es wird, hoffe ich. Ein paar Honigverkostungen und Atelierbesuche hatten und haben wir die Tage noch. Heitere Momente. Die Weihnachtspost ist versandt, der Wildschweinbraten beim Jäger gekauft, das Suppenhuhn im Topf, die letzten Festbriefe gehen nächste Woche direkt von Hand zu Hand. Wo wir gerade sind, lassen wir Tütchen wandern – kleine Geschenke für die Fleischerin vom Markt, die Hausärzte, die Stationsschwestern… es ist die Zeit, großzügig und dankbar zu sein. Die Stimmung heben, können wir nur selbst und die Weihnachtsfreude wecken auch…
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