Morgenstunde (494. Blog-Notat)

Wer hat da gleich nach Pfingsten schon wieder das Licht ausgeknipst? Keiner hält sich mehr an Regeln, nicht mal das Wetter. Apropos Regeln, zu viele neue sind unverdaulich, haben wie alle nach der letzten Rechtschreibungsreform erlebt. Und da fange ich gar nicht erst an mit den Sternchen und den Sprechpausen, denn sie zerstören die Schönheit der Deutschen Sprache, finde ich. Mir wäre es lieber, man täte etwas gegen den Zerfall. Von was? Von Kultur, von Bindungen, von Umgangsformen… Dieses Sich-in-Rage-Reden, dieses enthemmte Wutschnauben, das uns immer mehr begegnet – ist kaum auszuhalten. Diese Verwandlungen waren auch ein Thema, dass wir gestern mit Andre Jahr zerlegten. Unser Pfingstfest-Besucher sah sich nicht nur in Haus und Garten um, vornehmlich ging es ihm und uns ums Sprechen, den Austausch über das Zeitgeschehen und seine merkwürdigen Folgen – den Mangel an Kultur und die Entgleisungen. Tat gut, wieder einmal laut nachzudenken. Miteinander. Man ist ungeübt geworden in der kontaktlosen Zeit. Aus solchen Gesprächen wächst natürlich nicht sogleich der große, alles richtende Plan, aber vielleicht der nächste Schritt – ein Arbeitsthema und das ist ja auch schon mal was in der Zeit der großen Ratlosigkeit. Ich bin nicht mehr eine, die auf Demos rennt. Erstens fände ich keine, die zu mir passen würde und zweitens ist das nicht mehr mein „Tatort“. Mir fehlt ja schon der Atem, um vier Treppen zu steigen, deshalb wird man mich auch nicht mehr auf Konferenzen antreffen. Mein Tatort ist inzwischen ausschließlich der Schreibtisch. Da geht noch was, solange Leben in mir ist…

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