Morgenstunde (318. Blog-Notat)

Ich kam mir heute wie ein Mauerblümchen vor – immer an der Wand lang. Es ließ sich nicht vermeiden, aber ich musste ins Labor zum Blutabnehmen. Mit Maske versteht sich. Doch die Birkenpollen lassen mich augenblicklich schon nicht gut atmen, unter der Maske (ich habe die dünnste gewählt, die ich habe) ging noch schlechter, hochrot und Schnappatmung. Echt Schei…benhonig. Im Labor auf Abstand Blutzapfen geht auch nicht, also war die Schwester vollverhüllt wie auf der Intensivstation. Die Arme, den ganzen Tag so, selbst für einen gesunden Menschen stelle ich mir das echt herausfordernd vor. Überhaupt ist das Hineingehen in so eine Arztpraxis beunruhigend geworden. Alle schauen gestresst, ängstlich und übertemperiert unter ihren Tüchern und Masken. Sprechen ist schwierig, man will hier einfach nur schnell wieder raus und nicht wissen, was sich hier so alles versammelt hat. Die meisten verlassen vollkommen grußlos den Ort, die Kommunikation reduziert auf das notwendigste. Kein „Danke“, kein „Tschüss“. Das Leben hat derzeit wirklich absurde Episoden zu bieten.

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