Morgenstunde (1214. Blog-Notat)

Von drei Jahren hatte ich einen Augenscan, der hochauflösende Schichtbilder der Netzhaut und des Sehnervs produzierte. Kostenpflichtig, aber es ging ja darum, möglichst früh zu erkennen, wann der Sehnerv durch meinen erhöhten Augendruck geschädigt werden würde. Optische Kohärenztomographie (OCT) nennt sich das. Bei der Auswertung saß ein Arzt vor mir, der der deutschen Sprache nicht mächtig war. Ich verstand nur „dünne Gefäße“, was mich nicht sonderlich beunruhigte. Gestern meinte ein anderer Augenarzt, wir müssten nachsehen, wie weit die Schädigung vorangeschritten ist. Eigentlich wollte ich „nur“ einen OP-Termin wegen meines Grauen Stars verabreden. Ich sah ihn ungläubig an. Er scrollte meine virtuelle Akte durch und zeigte auf das damalige Testergebnis: Glaukom (Grüner Star). Ich hatte keine Ahnung. Dieser Arzt hatte auch keinen deutschen Pass, aber er sprach unsere Sprache verständlich. Draußen vor der Tür war ich nur noch fassungslos. Durch ein Sprachhandikap war ich jahrelang im Unklaren und hoffte immer noch, dass der Grüne Star nicht ausbrechen würde. Geht irgendwie gar nicht.