Morgenstunde (1159. Blog-Notat)

Gestern hörte ich im Erwachen aus meinem Mittagsschlaf, erst das Klappen des Briefkastendeckels und danach mehrere fehlgeschlagene Startversuche der Postkutsche. Ich dachte nur: Ach herrje, da verreckt gerade einer. Während ich aufstand, rauschte nebenan das Wasser in die Kaffeekanne und der Liebste sprach durchs Fenster mit jemandem im Hof. Logisch: Der Postbote brauchte zwingend ein Festnetzt-Telefon (wir stecken im Funkloch) und nun hatte er Zeit bis zum Abschleppen. Der schlanke Mann rauchte und sah interessiert den Flugkämpen der gehörnten Mauerbienen um unseren Gartentisch zu. Sie sind nur im Sonnenlicht aktiv. Der Kaffee schmeckte und er war sichtlich froh über die freundliche Aufnahme. Es war für ihn offenbar ein gebrauchter Tag, an dem bisher alles schiefging. Die Verladerampe war ausgefallen, was bedeutete, sie mussten alles per Hand heran und in die Autos schleppen und nun das kaputte Auto. Der Postmann erzählte von seine Paketlasten, sogar Brennholz habe er schon in dieses Walddorf geliefert. Da staunten wir wirklich, denn schließlich schlägt hier jeder Dritte sein Holz selbst… Wir schmunzelten zusammen, aber der Kaffee war ausgetrunken und nun hatte er Hummeln im Hintern und wollte doch lieber noch zu Fuß zu den Briefkästen vor dem Wald. Kaum später klingelte er noch einmal: „Hab ich hier meine Zigarettenfilter verloren?“ Hatte er nicht, es war wirklich nicht sein Tag…