Morgenstunde (441. Blog-Notat)

Dass Viren mutieren wissen wir. Unzählige Mutationen des SARS Coronavirus 2 hat die Wissenschaft inzwischen entdeckt. Ich weiß nicht, ob die Abriegelung Großbritanniens da wirklich etwas bringen wird, denn natürlich ist auch die hochansteckende Variante schon unterwegs in Europa. Deshalb glaube ich, Panik bringt uns kein Stück weiter, sie führt nur ins Chaos. Denn so sehr viele Menschen sich auch vorsehen, selbst isolieren – der Postbote geht von Haus zu Haus, die Handwerker auch, zum Arzt müssen wir, in den Supermarkt und zur Apotheke. Und natürlich erwartet die Familie Hilfe und Zuspruch. Die Corona-Zeit hält inzwischen einfach zu lange an. Wir können uns nicht monatelang einander entziehen. Der Liebste ist zurück aus dem Erzgebirge und zugleich schwappt dieser dumpfe Gedanke ins Hirn: Hat er sich irgendwo infiziert?  Solche Befürchtungen tun nicht gut. Deshalb denke ich, wir können uns nicht vollkommen schützen, nur ein bisschen. Als ich gestern die Vorhänge zuzog, um mich ungestört in ein kompliziertes Buch zu versenken, klopfe es kaum später an die Scheibe. „Fenstern“ ist auch so etwas, dass die Neuzeit wiederentdeckt. Sandra stand da im Schein der Laterne und reichte mir einen Wichtelgruß durch den offenen Spalt (der Fensterflügel lässt sich nur ein wenig öffnen, weil er dann gleich an meine Arbeitsplatte stößt). Sie sah mich überrascht. Ich danke Dir sehr, Du gute Seele! Ja, will sagen, wir müssen uns wohl mit den Umständen in dieser Zeit arrangieren, denn sie wird andauern…

 

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Morgenstunde (292. Blog-Notat)

„Die Lage ist ernst“ haben wir gestern von Minister Spahn gehört und immer noch winken viele ab: Panikmache und leben so weiter wie eh und je. Betrifft ja nur die Alten, die Hochbetagten und die Kranken. Welche Rücksichtslosigkeit etlichen Mitmenschen eigen ist, konnte man exemplarisch am Vorabend der Sperrung des italienischen Nordens sehen. Mir geht dieses TV-Bild einer auf der Treppe drängelnden, durchgehuschten jungen Frau mit Mundschutz nicht aus dem Sinn, die zum letzten Zug gen Süden hastet. Zu Mama und der handgemachten Pasta. Ich dachte dazu, solche wie die tragen das Virus jetzt in die Häuser der Alten und seit heute bestätigen meine Annahme die Nachrichten: Über Tausend neue Fälle in Süditalien. Herrje und jetzt ist ganz Italien eine Sperrzone! Die Alten – das sind Eure Mütter und Väter oder die großen Eltern der Familie, die Hochbetagten. Italien hat noch mehr Alte in der Bevölkerung als Deutschland, weil deren Kinder in ganz Europa jobben. Die meisten Alten heißt: die meisten Toten. Und selbst, wenn die Jungen nur milde Krankheitsverläufe erleben, manche deshalb nicht einmal den Arzt aufsuchen – sie sind Überträger. Chefvirologe der Charité Prof. Dorsten meinte gestern u.a. in der täglichen PK: … „Die Großeltern gehören geschützt.“ Heißt, auf unnötige Besuche ein kleines Weilchen zu verzichten, das muss doch möglich sein. Man muss seine Infekte (auch andere) nicht immer quer durch die Landschaft tragen und andere mitreißen. Man kann mit dem Hintern auch mal ganz entspannt zuhause bleiben und ein gutes Buch lesen, einen oder zwei lange Briefe schreiben, den Frühjahrsputz vorverlegen oder was auch immer – Kontakteverzicht auf Zeit ist durchaus auszuhalten.

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