Sommermorgen

Foto: pe

Blaue Luft durchströmt den Morgen,
weiße Segel ziehn im Wind,
nehmen mit, die öden Sorgen,
aus der Ferne klingt ein Lied.

Flieg nicht weiter blauer Vogel,
lieblich wie ein kleines Kind,
halt das Glück nicht mehr verborgen,
weil die Tage endlich sind.

© Petra Elsner
August 2018
1003. Blog-Beitrag

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Die Hitze unterm Sonnenhut – Sommerlochgeschichte (4. Passage)

… Niemand würde ihn noch einmal aufhalten oder doch? Wovon würde er zukünftig  leben (?), hämmerte es unter seinem Sonnenhut. Ja, er hatte einen Notgroschen gespart, aber der würde nicht lange reichen. Was dann? Während er Kilometer strampelte, sorgte er sich uferlos.
In der Dämmerung kam Wahlberg bei seinem alten Katen an. Der Ausbau vor Stegelitz lag gleich neben dem Radweg und bei einer Bushaltestelle. Doch als er die quietschende Gartenpforte geöffnet hatte, sah der müde Mann: Das Gemäuer erstickte förmlich im Grün. Aus dem Dach wuchsen kleine Birken und wilder Wein hatte das Häuschen vollkommen umschlungen. Unheimlich wild mutete es an, wer statt seiner wohl darin inzwischen lebte? Die Nacht verbrachte er lieber in seiner Hängematte unter dem Blätterdach der beiden Walnussbäume, die er vor gut zwanzig Jahren nach seinem Hauskauf gepflanzt hatte. Der Vogel tapste in dieser milden Mondnacht vom Hemdkragen in den Sonnenhut, der sich ruhig mit jedem Atemzug auf Wahlbergs Bauch auf- und niedersenkte.

Zeichnug: Petra Elsner

Das Haus lebte mit allerlei Getier. Blindschleichen, Mäuse, Ameisen, Spatzen, selbst ein Fuchs schien hier ab und zu Quartier zu nehmen. Tagelang hatte Wahlberg damit zu tun, es auszufegen und zu putzen, das Dach zu dichten und die Wände weiß zu kalken. Die Hauswasserversorgung lief wieder, und auf sein Pappschild an der Gartenpforte: „Ich pflege für Sie Ihren Computer!“, hatte bereits der erste Kunde reagiert. Wahlberg war mit seinem Start zufrieden. Der Vogel schlief weiter nachts in seinem Sonnenhut, tagsüber brauchte ihn sein Kahkopf, um darunter die Gedanken zu sortieren…

© Petra Elsner
Juli 2018

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Hitze unterm Sonnenhut – eine Sommerlochgeschichte (3. Passage)

… Auf der Wellenschaukel, einem waldgesäumten Asphaltband, das über die Sander der Schorfheide sprang, kam der Mann das erste Mal so richtig ins Schnaufen. Aber dann, er glaubte kaum seinen Augen, schoss er in der Abfahrt auf zwei Hirschkühe zu. Sie sahen ihn kommen und rührten sich nicht. Wahlberg bremste scharf, dass es hinter ihm staubte, dann standen sie sich Auge in Auge gegenüber. Sekundenlang. Die Hitze wölbte sich unter seinem Sonnenhut, als die Tiere zu tänzeln begannen und schließlich davonsprangen. Der heller lichte Tag sah den Mann hochrot und sprachlos, dass hätte er in Berlin nie erlebt.
In Eichhorst gönnte er sich am Werbellinkanal eine Pause, holte sich dazu ein Fischbrötchen und sah von einer Parkbank aus dem ruhigen Schleusenbetrieb zu. Der Vogel auf seiner Schulter schien in seiner Angststarre zu verharren, bis zu jenem Augenblick, als Wahlberg ihm ein paar Brötchenkrümel vor den Schnabel hielt. Gierig hackte der Vogel zu und tschilpte leise, blieb aber fest am Hemdkragen hocken. Offenbar hatte er einen Begleiter bekommen, aber noch rund 50 Kilometer lagen vor ihnen.
Auf dem Berlin-Usedom-Radfernweg überholten den Mann mit dem blauen Vogel sogar die ältesten Rentner mit ihren schicken e-bikes. Sein Drahtesel stammte noch aus dem Land, das keine Sollbruchstellen kannte. Es hatte jahrelang im Keller auf diese große Ausfahrt gewartet und trug seinen Besitzer langsam, aber immer weiter in den Norden in das Land der 590 Seen und seiner Träume. Lange hatte sich der Mann nach ihm gesehnt, jetzt war er zu sich selbst aufgebrochen…

 

© Petra Elsner
Juli 2018

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Die Hitze unter dem Sonnenhut – Sommerlochgeschichte (2. Passage)

Zeichnung: Petra Elsner

… Alexander Wahlberg trat zornig in die Pedale und wunderte sich unterschwellig, seit er auf das Rad gestiegen war, war ihm kein Mensch begegnet. Wirklich keiner, das war seltsam, denn längst müssten die Pendler unterwegs sein. Aber als er die lange Gerade auf der Strecke erreicht hatte, war schnell klar weshalb er hier so mutterseelenallein radelte. In der Ferne sah Wahlberg dicken Rauch aufsteigen und ein Blaulichtgewitter davor. Der Wald brannte lichterloh, er würde dort nicht durchkommen. Und nun? Er stand und sinnierte einen Augenblick. Dann entdeckte er, der Rauchfahne flog etwas voran. Wahlberg fixierte diesen Punkt, der als kleiner, blauer Vogel auf seiner Schulter landete. Der Mann hielt den Atem an und rührte keine Wimper. Er spürte das Herzrasen des Federballs, die blanke Angst und deshalb murmelte er ihm ganz ruhig zu: Ist ja gut, du kannst da hocken bleiben und verschnaufen. Das tat er dann auch. Der blaue Vogel krallte sich in seinen Hemdstoff und blieb dicht beim seinem Kragen hocken, auch als Wahlberg sein Rad wendete und zurück nach Groß Schönebeck aufbrach. Von dort könnte er über die Wellenschaukel und Eichhorst den Brand umfahren. Doch irgendetwas sagte ihm, gleich würde er auf Abwege geraten…

 

 

© Petra Elsner
Juli 2018

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