Morgenstunde (465. Blog-Notat)

Frisch geimpft mit AstraZeneca, Nebenwirkungen am Tag danach – keine, außer, dass die Impfstelle sich anfühlt, als hätte sie Muskelkater. Weil ich annehme, dass die wenigsten schon eine Begegnung mit einem „Impfzentrum“ hatten, schreib ich mal auf, wie es vonstattenging:
Eine Sporthalle am Stadtrand von Prenzlau gab das Quartier. Zu 8.35 Uhr hatte ich dort einen Termin. Ausgestattet mit einem ärztlichen Attest für meine Vorerkrankungen, durfte ich mich einreihen bei den Priorisierten, viele noch weit Ü 80er, aber auch reichlich junge Menschen waren da zu sehen, die offenbar zu den Systemrelevanten gehörten. Einlass nur nach Aufforderung. Im Foyer saßen zwei Männer, die die Vollständigkeit der Unterlagen sichteten, dann ging es in die Halle, wo zuerst ein freundlicher Bundeswehrsoldat Fieber maß und mich danach zur Stuhlwartereihe vor dem AstraZeneca-Schalter begleitete. Der freigewordene Stuhl wurde umgehend desinfiziert. Ein paar Minuten später sortierte der junge Mann hinter dem Schalter mit Spuckschutz zum zweiten Mal meine Unterlagen, kopierte meine Versichertenkarte und das Attest und brachte mich in die nächste Stuhlwarteschleife. Ein Mann mit Desinfektionsflasche wartete den Bereich und zeigte streng und gewichtig immer auf denjenigen, der dran war. Da saß man/frau nun, im Blick die Kabinen 5 und 6, in denen der AstraZeneca-Impfstoff verabreicht wurde. Die Reihe 6 rückte zügig vorwärts, Reihe 5 stockte. In der ganzen Zeit von etwa 30 Minuten ging da nur ein Mensch rein. Nebenan bei Biontech und Moderna quietschten dagegen förmlich die Rollatoren, so zackig ging es bei der Uralten voran. Nun gut. Beim Einlass in die Kabine 6 wurde in der ersten Koje nochmals Fieber gemessen und der Impfausweis begutachtet. Meiner löste eine gewisse Euphorie aus: Weil offenbar von musealem Wert, auch der Impfarzt war ganz berührt so, ein zerfleddertes Teil ansehen zu können. Dann noch kurz einen Blick auf meine Medikamentenliste und zack hatte ich den Piecks. Nach zehn Minuten öffentlicher Beobachtung fragte eine freundliche Stille „Frau Elsner? Alles gut?“ Ich nickte und durfte gehen. Eine Stunde hatte der personalintensive Ablauf verbraucht. Mein Liebster hatte seinen Termin erst um 13.55 Uhr und traf es damit ganz schlecht. Neben dem Impfzentrum stand ein großes Zelt in Regen und Wind, das die angestauten Warteschlage auffing. Als er dort eintraf, holte gerade ein helfender Polizist dort die nächsten Impfkandidaten ab. Er rief sie nach ihren Terminen auf und begann mit 12.05 Uhr, 12.10… kurzum der Imkergatte musste reichlich 3 Stunden warten, bevor er überhaupt drankam, um 17.30 Uhr verließ er geimpft, aber stinksauer den Ort. Was die Ursache der Verzögerung war, erfuhr er nicht, ich vermute mal, dass eine Impfstraße nicht besetzt war, aber Termine für die volle Kapazität vergeben waren. So kanns auch gehen, muss aber nicht sein…

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