Morgenstunde (1196. Blog-Notat)

Der Morgen trägt Dämmerung. Eine Schwere legt sich auf die Schultern, als wollte sie sagen: Setz dich, ruh dich aus! Durch die Fenster fließt kühle Luft ins Haus. Wir können Durchatmen, bevor die nächsten Sommerspitzen kommen. Auf dem Handy ploppt eine Nachricht von Jana auf, sie teilt einen Auszug aus der Rede von Navid Kermani (deutsch-iranischer Schriftsteller) vom 20. Juli beim feierlichen Rekrutengelöbnis im Bendlerblock. Auf seinen Worten kaue ich schon die ganze Woche drauf rum. Das Gelöbnis im Gedenken an den Deutschen Widerstand will die Tugend des Neinsagens den Rekruten nahebringen. Aber was am Montag Kermani nun mit aktuellen Bezügen auftischte, ließ Gesichter entgleisen. Der Kölner sprach darüber, dass der Bundeskanzler „…es sich zu Gewohnheit gemacht hat, das Völkerecht klein und Völkerrechtsverstöße schönzureden, wo es ihm politisch opportun erscheint… Sollte eine künftige Bundesregierung Sie in einen Krieg führen wollen, der so offenkundig völkerrechtswidrig und politisch desaströs ist, wie der jüngste Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran, dann wird es Ihre Pflicht sein, den Befehl zu verweigern. Aber die Drohung, eine gesamte Zivilisation auszulöschen oder der erklärte Angriff auf die zivile Infrastruktur eines Landes, sind ein so offenkundiges Unrecht, dass man weder Jurist sein, noch das eigene Gewissen befragen muss, um das zu erkennen…nein, die Relativierung des Völkerrechts von höchster Stelle ist ein fatales Signal für unsere Demokratie. Denn wenn die Herrschaft des Rechts in unseren Außenbeziehungen erodiert, wird es nicht lange dauern, bis sie auch im Innern verächtlich gemacht wird…“
Da hat einer die Gunst der Stunde couragiert genutzt, um die Realität unter die Käseglocke zu fegen und nun ist es ausgesprochen und in der Welt. Ich danke dafür, weil gesagt werden muss, was ist.
Den Ausschnitt findet Ihr hier

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.