Die Fährfrau (4)

Öffentliches Arbeiten an einer Kurzgeschichte:  4. Absatz:

„Sie können mir vertrauen“, rief sie in den Wind.
Er stutzte: „Wieso sollte ich?“
„Weil ich nicht hierhin und nicht dorthin gehöre.“
„Das sagt nur – gnadenlos mittig, mehr nicht. Außerdem gibt es auch noch die Doppelzügigen und die Doppelbödigen. Ich vertraue keinem mehr.“
„Was suchen Sie am anderen Ufer, ein neues Schicksal? Sie besitzen dort das Gleiche, sie haben es nur vergraben und vergessen.“ Die Fährfrau seufzte und dachte bei sich: und verwechseln Freiheit mit Freibeuterei an Land.  Sie hatte sie alle gefahren, die das Land verhökerten und die, die es kauften. Der Trotzige dort im Wind sieht genauso heimatlos aus, wie all die anderen, die sie an das westliche Ufer  brachte. Menschen, die ihren Platz verloren haben. Manch‘ Jubel war nur Euphorie des Aufbruchs, um bald schon zur versteinerten Insel zu wachsen. Dieser dort trägt schon jetzt die Härte eines Brillanten in sich. Sie schnupperte in die Böe  – es roch plötzlich winterlich….

© Petra Elsner
18. Oktober 2019

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