Fortsetzung: Wallos seltsame Reise (4)

Wallo
Wallo

… Die Nacht zerrissen Sirenen und flackerndes Licht. Im Baum war es unglaublich heiß. Qualm kroch in die Höhle und stieg schließlich hinauf in den Stamm, wo Wallos Kopf auf einem Vorsprung, noch nicht ganz wach, ruhte. Seine lange Gurkennase schnupperte in alle Richtungen und im Nu schreckte Wallo auf. Was war das? Irgendwie wurde es ungemütlich. Der Grüngeist musste nachsehen, wo die Ursache lag.

Nach unten konnte er nicht. Bei dem Versuch stieg ihm beißender Rauch in die Nase und aus seinen Stielaugen tränten gelbe Bäche. Also umkehren und rasch hinauf zur blattlosen Baumkrone. Vorsichtig bahnte er sich einen Weg durch die sperrigen, trockenen Äste, bis er auf einem günstigen Ausguck angelangt war.

„Oje, ojeeeeeeehhh!“, rief Wallo entsetzt. Es war ein Aufschrei aus allerhöchster Not. Rings um Wallo brannte der ganze Park. Das Feuer züngelte schon heftig an seiner Baumbehausung. Das Holz knackte und spuckte Funken. Wallo blieb keine Zeit zum Überlegen, er musste blitzartig hinaus.

Die Feuerwehrleute hielten den Brand nur von den Straßen aus im Zaum, damit er nicht auf die Steinhäuser überspringe. Natürlich hatten sie Wallos Schrei gehört. Waren davon zusammengezuckt und spähten besorgt über das Parkgelände. Nein, sie sahen nichts mehr. Keinen Menschen, kein Tier. Aus der niedergebrannten Parklandschaft ragte nur noch der tote Walnussbaum hervor, den jetzt die Flammen vollends ergriffen. Der war ihnen kein Rettungsversuch wert. Wieso auch. Er lebte eh nicht mehr. Es wusste ja niemand, außer Ken, von dessen Bewohner. Noch einmal vernahmen die Feuerbändiger diesen Schrei, fast zeitgleich schoss ein grüner Lichtbogen in den klaren Nachthimmel und zischte über die Dächer davon. Die Leute meinten, es wäre eine vergessene Silvesterrakete gewesen und kümmerten sich nicht weiter um jene Erscheinung.

Atemlos saß Wallo rußbedeckt auf einem der unzähligen Dachgiebel. Was sollte nun werden? Wohin sollte er gehen? Wo sollte er ein neues Zuhause finden? Es war stockfinstere Nacht. Ken schlief unter einem dieser Dächer, aber Wallo wusste nicht, wo. Morgen, übermorgen und überübermorgen wird er zum verbrannten Park zurückkehren. So lange, bis er Ken dort antreffen würde. Jetzt aber brauchte er einen Schlafplatz für die Nacht. Er musste sich auf die Suche machen. Der Wind pfiff durch den Lichtgeist, dass er glaubte, in tausend Fetzen zu zerstieben. So rutschte der zerzottelte Wallo an einer Regenrinne hinunter auf die Straße und hüpfte von Laternen- zu Laternenlicht …

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