Der Grufti

Der Grufti unter den Immergrünen ist der Efeu. Manch’ überwuchertes Haus im brandenburger Wind scheint nur noch von jenem Klettergrün zusammengehalten. Verwunschen schön, verlassen traurig, verfallen morbide. Viele mögen sie nicht, diese Grabpflanze, und auch ich habe mir den Efeu erst im Älterwerden schön geguckt. Vielleicht, weil man sich mit dem Jahren eben dem Friedhof nähert, wo der sich Licht fliehend über die Schlafstätten unserer Ahnen windet. Aber Efeu kann mehr als malerische Fassaden und blickdichte Zäune zaubern. Obgleich er seit der Romantik als Sinnbild des ewigen Lebens gilt, sogt er in der Pflanzenheilkunde eher für das Gegenteil, denn in starker Dosierung bläst Efeu schlichtweg den Menschen den Gar aus. Also besser: Finger weg von innerlichen Selbstversuchen, die mit der wieder erwachten Kräuter-Neugier oft einhergehen. Äußerliche Behandlungen hingegen sind unbedenklich. Zum Beispiel macht diese alte Rezeptur meiner Großmutter aus einem von Hühneraugen geplagten Bewegungsmuffel einen tapferen Waldläufer:
Anwendung:
Efeublätter (unter die Wandersohlen).
Man nehme ein frisches Efeublatt, falte es zweimal und fixiere das Blatt mit einem Pflaster direkt über der schmerzenden Druckstelle. Drei Tage lang sollte der Efeu auf die Stelle wirken (täglich mit einem neuen Blatt), dann müsste sich das Hühnerauge abheben lassen.
© Petra Elsner

Efeublätter, gezeichnet  von Petra Elsner
Efeublätter, gezeichnet
von Petra Elsner

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