Morgenstunde (1130. Blog-Notat)

Ich spüre, wie ich langsam in diesen Prozess rutsche, der meine Kreativität wieder fließen lässt. Das ist wie ein Sog, der einfängt, was gebraucht wird: Erinnerungen, Bilder, sinnstiftende Worte… Sie bilden das Gerüst. Im Augenblick bin ich bei den Bildern, einer Formensuche zum Thema: Die Seherin. Das Erste ist gestern entstanden, aber es wird nicht das Letzte sein… Habt ein schönes Wochenende alle miteinander!

Morgenstunde (1129. Blog-Notat)

Seit zwei Tagen räume ich auf und schmeiße weg. Drei rammelvolle Papierkörbe sind es schon geworden. So kommt Luft in die Ablage. Lange habe ich wirklich jeden Zettel, Honorarverträge, Visitenkarten… zu Ausstellungen, Lesungen… aufgehoben. Jetzt schmeiße ich weg. Wer braucht schon noch die Vorabsprachen und Raumskizzen zu einstigen Veranstaltungen? Keiner. Berge von Notizzetteln, Gedankenstützen, gesammelte Infos, vollgeschriebene Blöcke, Fehldrucke… landen in der Papiertonne… ich fühle mich etwas erleichtert, aber gewiss ist da noch Luft nach oben 😊. Das Aufräumen ist eine gute Vorbereitung auf die kommende Winterklausur: Sichten und Versenken. Platz für Neues.

Morgenstunde (1128. Blog-Notat)

Die Verabredung gestern Abend hieß: Ausschlafen. Und obgleich es heute Nacht schneite, ließ ich den Liebsten schlummern, bis er von selbst auftauchte. Früher hätte ich mir währenddessen längst die Jacke übergeworfen und mir den Schneeschieber gegriffen… was heute mit einem Lungenvolumen von 26 Prozent nicht mehr möglich ist.  Wir führen neuerdings um diese aufgegebenen Hausarbeiten kleine Kämpfe. Ungut und vermeidbar. Also saß ich heute Morgen am Computer und suchte nach Akku-Schneefräsen, denn auch der Liebste wird älter, wenn auch einwenig später. Ich wählte den Testsieger (von dem wir schon die Akkus und die Ladestation für den Rasenmäher haben, das spart 100 €), suchte dazu ein Vorführvideo und einen Preisvergleich… Nach dem Frühstück bat ich zur Präsentation. Der Imkergatte nickte anerkennend und meinte abschließend: Und wie oft haben wir Schnee? Wer kann das schon wissen. Währenddessen hat der Nachbar unser Gehwegstückchen mitgeschoben, was mir doch einigermaßen peinlich ist (Danke Jürgen, Du hast ein Honigpöttchen bei uns gut😊!!!).
Es ist eben für mich nicht so einfach Verrichtungen abzugeben… über die Schneefräse ist noch nicht das letzte Wort gesprochen…

Morgenstunde (1127. Blog-Notat)

Die lauteste Nacht des Jahres ist vorbei, Gott sei Dank!  Silvester ist einfach nicht meins… Tag 3 im neuen Jahr: Die Feinstaubschwaden haben sich verzogen und ein Hauch von Schnee überzuckert das Land. Im Morgengrauen heult ein Hund, ein Wolf? Es ist der 42. Todestag meiner Mutter. Ich werde dieses Jahr 20 Jahre länger leben als sie an Jahren hatte. Erstaunlich. Die Frauen in meiner Familie wurden nie richtig alt. Mein Sohn hat mit seiner Freundin nach dem Essen in Kurtschlag seinen Rucksack gepackt und wird heute auf Phuket ankommen und von dort einige thailändische Inseln bereisen. Aus dem Dämmerland ins helle Warme. Ich gönne es ihm, er arbeitet hart. Fernreisen – die haben sich für mich nicht ergeben, es waren eher die Kurztrips nach Norden, die mich lockten und mir möglich waren. Auf die Insel Fanø beispielsweise. Na gut, heute freue ich mich schon über gute Tage an sich…

Morgenstunde (1126. Blog-Notat)

Glatteis und gestern das späte Weihnachtsessen mit meinem Sohn und seiner Liebsten – die Zeit zwischen den Jahren ist leis. Immer noch so gutes Essen, immer noch nur 48 Kilo. Das sechste Krisenjahr infolge neigt sich wankelmütig. Es hängen Schleier in der Zeit. Die Blasen bleiben in ihren Kreisen, man vermehrt sich nur noch innerhalb und spielt heile Welt. Sie ist nicht heil und dieses Canceln von allem was anderes meint, führt zu seltsamen Wahrnehmungen der Realität. Die Kämpfe um die Meinungshoheit im Land sind durchsichtig und verbissen geworden. Und auch die ungetüme Bereicherung der Etablierten. Es ist eher hilflos, jene zu verhindern, die die sonderbaren Auswüchse benennen. Über dem Land liegt Mehltau. Ich weiß nicht, ob es in 2026 gelingen kann, den kranken Staub abzustreifen und zu gesunden, aber ich wünsche es uns. Guten Rutsch!

Dezember

Eine Weihnachtgeschichte aus dem Fundus: Heimlichkeiten

Morgenstunde (1125. Blog-Notat)

Gestern, am vierten Advent, schenkten Akteure des Kurtschlager Sportvereins dem Dorf dieses lebensfrohe Beisammensein am Feuer. Auf dem kleinen Weihnachtsmarkt am Döllnfließ stand man in Grüppchen beieinander, nippte an den Getränken und plauderte über die Befindlichkeiten. Ich stand da unter all den Vertrauten wie ein rohes Ei… vorsichtig, weil noch nicht gut standfest und geschwächt von der Liegezeit und den Narkosen. Aber doch, ich hab es genossen unter Euch zu sein… das Leben zu spüren. Habt Dank dafür!

Morgenstunde (1123. Blog-Notat)

Alle Wege sind noch beschwerlich. Vor zwei Tagen wurden die Schläuche der Vakuum-Pumpe gezogen. Die Nacht mit ständiger Eiskühlung verbracht, verbunden mit der Hoffnung, dass die Naht nicht hochgeht… das gelang und so durfte ich gestern Mittag das Krankenhaus verlassen. Morgen zum Verbandswechsel wieder nach Gransee… noch sind die Tage sehr besetzt vom Schmerz. Aber ich bin hoffnungsvoll, dass die Heilung gelingt, sich sie Narbe nach 14 Monaten endlich schließt und mir all die schönen Dinge des Lebens wieder möglich sind. Baden zum Beispiel 😊. Noch sind die einzigen „Genussmittel“: Schmerztabletten. Währenddessen hat der Liebste die große Pyramide vom Boden geholt und aufgebaut, die Schwippbögen in die Fenster gestellt und die Lichter ausgewechselt… der Advent kann kommen 😊…

Lichterprobe

Morgenstunde (1122. Blog-Notat)

Es sind Tage, die wie Sand zerrieseln. Montag OP: Metallbeseitigung, nach der eine Drainage gelegt wurde. Mittwoch sollte die Wunde unter Narkose angesehen werden, dieser Termin fiel zwei Meter von dem OP-Raum wegen Blutdruck aus. Nüchtern bis 15:30 und ohne diese Blutdruckmedikamente (war angewiesen) explodierte der… Verschoben auf heute, war es ähnlich, aber man wagte sich heran. Ergebnis: Die Wundheilung sieht gut aus, wenn alles gut geht, wird am Montag zugenäht und ich kann Dienstag nach Hause. Schnauf, es war glücklicherweise „nur“ die Unverträglichkeit zwischen Haut und Metall. Krankenhauskommentare erspare ich mir. Das Ganze hat zumindest zu einem Geschichtenanfang geführt (siehe unten), den ich in die Winterklausur mitnehme…  Habt ein schönes Wochenende alle miteinander.

Krankenzimmerausblick

Flüsterton

Er begann ihr etwas zuzuflüstern. So leise, dass sie es kaum verstand: „Du musst aus der Tiefe schöpfen.“ 
„Was?“, fragte Jana mit einem Räuspern. Die Stille brach und das Gesagte verschwand, indem Hannes eilig den Wartebereich der Notaufnahme verließ. Die vier wartenden Personen sahen einander an, als hätten sie diesen Moment wie Verschworene erlebt. Doch außer Jana, dachten die anderen nur – einer weniger, wie lange noch? Sie saßen schon fünf Stunden in diesem offenen Raum, aus dem sich Gänge – ins Labor, zum Röntgen, zur Intensivstation… schicksalhaft hinaus wanden. Draußen vor der Tür tönte die Welt sprachlos gegen das Entgleiten, wie die letzten Worte bei der Narkose von Oskar, dem frischen Unfallopfer.
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Morgenstunde (1121. Blog-Notat)

Wie zum Trost, fand ich gestern zur Heimkehr meine Sternenbestellung im Briefkasten vor. 24 Holzteile in Rot, Weiß und Grau für den Innenhof. Ich schmücke trotzdem weiter, bis Sonntagabend ist dafür noch Zeit. Montag um 7 Uhr morgens muss ich einrücken zur OP.  Der gestrige Tag hieß WARTEN, fünfeinhalb Stunden lang. Es gibt in Gransee nur einen Chirurgen für alles. Vom Blinddarm bis zum Beinbruch. Da verlangt die Notaufnahme immer wieder Auszeiten in der ambulanten Sprechstunde. Der Blutdruck steigt im Halbstundentakt, obwohl man weiß, es ist ohne Absicht. Aber das Warten hat sich gelohnt, ich bekam schlussendlich eine gute Zuwendung für das Notwendige. Die Metallschiene am verheilten Beinbruch macht Probleme und entzündet die Haut. Ich hoffe, dass es nicht mehr wird… Gewissheit gibt es erst während des Eingriffs. Geduld ist nicht meine starke Saite, also werde ich mich beschäftigen…
Die Einladung zum 1. Advent ins Kunst- und Honighäuschen muss ich absagen. Ich mag nicht rumhumpelnd Gäste empfangen. Wer später im Advent zu uns kommen möchte, um Honig zu holen und/oder sich im Atelier umzusehen, kann nach dem 2. Advent bis Heilig Abend gerne kommen. Danke Euch.

Morgenstunde (1120. Blog-Notat)

Von Christoph Hein las ich unlängst: „Denn es sind zwei sich ausschließende Dinge: gut zu schlafen und sich gut zu erinnern.“ Bekanntlich schlafe ich in Schreibphasen, die alte Zeit ausgraben, ebenfalls schlecht. Aber auch, wenn eine OP mit Verletzungen ins Haus steht.
Letzte Nacht träumte ich von einem, der nebeneinander an zwei Tischen operierte. Ein Blutgemetzel wie einst in manchem Kreissaal. Herrje! Ich bin aufgestanden und habe an meinem 5. FLYER-KUNST-BUCH gearbeitet. Brauchte etwas Schönes…, beruhigt hat es mich nicht.
Angst ist der Treiber dieser Träume. Du gehst mit einem Bedenken ins Bett und die Angst übernimmt das Steuer durch wilde Nachtfahrten. Bilder flackern wie Bahnhöfe im Neonlicht auf. Mal sind es wahre Reflektionen, mal eine wirre Fantasie…
Nachmittags hab ich ein altes Ritual benutzt: symbolisch eine rote Kugel von mir geworfen und dazu gerufen „Ich werfe die Angst weg!“ Obs hilft? Einen Moment vielleicht. Morgen werde ich erfahren, wann sich die Anspannung legen kann.

Das 5. UNIKATE-BUCH ist fertig.