Morgenstunde (1161. Blog-Notat)

Diese schönen Sonnenstunden nutzen wir seit Tagen und so kommen die Verrichtungen im Garten Schritt für Schritt voran. Es hilft ja nicht zu klagen, was alles nicht mehr geht. Damit etwas für mich geht, setzte heute der Liebste zwei Pflanzwannen ein „Stockwerk“ höher, damit ich das Bücken vermeiden kann. Die alten Holzbalken lagen noch von der Baddacherneuerung herum…  in die Wannen kommen Cherry-Tomaten und Gurken. Vorgezogen sind sie schon, aber raus geht’s erst Mitte Mai. Die Spätfröste. Vom Gefäßrand wird Kapuzinerkresse ranken, dann sieht man auch kaum noch das improvisierte Gestell. Die Fleischtomaten wachsen wie alle Jahre im Tomatenhäuschen. In zwei Hochbeete kommen Gemüsepflanzen. Salat sprießt schon. Das dritte Hochbeet befüllen wir dieses Jahr nicht mit Erde. Gestern haben wir die 10 neuen Erdbeertöpfe auf die Laubschicht gestellt. Die sind jetzt auch hochgesetzt und so gut erreichbar für eine, die viel zu wenig Luft bekommt. Es wird schon, auch wenn die Brachen hier und da immer noch schmerzen…

Morgenstunde (1160. Blog-Notat)

Verlierer der Woche? Die arbeitende Bevölkerung. Meine Güte hat die Politik dieser Tage einen Aufreger nach dem nächsten ausgespuckt: Basisrente, Leistungskürzungen der Krankenkassen, Abschaffung der Familienmitversicherung, Eindampfen der Pflegerade, Verlängerung des Bezahlmodus in Pflegeheimen… Wir seien zu bequem geworden raunt der Kanzler. Kinner ne! Was hier dickfällig und kostentreibend geworden ist, ist das Staatswesen mit immer längeren Planungsverfahren und bürokratischen Kontrollsystemen. Arbeit ist hierzulande von Jahr zu Jahr intensiver geworden und konzentriert immer mehr Aufgaben auf eine Person. Ich habe selbst erlebt, dass mit dem Aufkommen von Bildschirmarbeit und dem digitalen Bild ganze Berufsgruppen verschwanden (Bildbearbeitung, Archiv, Buchhaltung, Sekretärin, Layout) und alle diese Arbeiten dem schreibenden Redakteur zugeschoben wurden. Bei gleicher Bezahlung. Nur ein Beispiel für Intensivierung der Arbeit. Diese Menschen sind nicht bequem. Es ist Aufgabe der Politik, die Voraussetzungen für Produktivität am Standort Deutschland zu schaffen. Mich wundert es nicht, dass die Deutschen auch das wieder mit sich machen lassen, aber so still? Warum gehen die Leute nicht auf die Straße? Wer Angst hat, stellt keine Forderungen… So zielen die Reformen nur einseitig aufs Abspecken der Existenzbedingungen der arbeitenden Bürger und nicht des Beamtenapparates. Trotz Krieg erhöhte die Ukraine zum 1. März die Renten und Versicherungsleistungen um 12,1 Prozent. Ich weiß nicht, wieviel auch dafür der deutsche Steuerzahler berappt und es wäre mir auch egal, wenn die Regierung ihre eigenen Bürger sichtbar wertschätzen würde. Den Eindruck hinterlässt sie nicht.

Morgenstunde (1159. Blog-Notat)

Gestern hörte ich im Erwachen aus meinem Mittagsschlaf, erst das Klappen des Briefkastendeckels und danach mehrere fehlgeschlagene Startversuche der Postkutsche. Ich dachte nur: Ach herrje, da verreckt gerade einer. Während ich aufstand, rauschte nebenan das Wasser in die Kaffeekanne und der Liebste sprach durchs Fenster mit jemandem im Hof. Logisch: Der Postbote brauchte zwingend ein Festnetzt-Telefon (wir stecken im Funkloch) und nun hatte er Zeit bis zum Abschleppen. Der schlanke Mann rauchte und sah interessiert den Flugkämpen der gehörnten Mauerbienen um unseren Gartentisch zu. Sie sind nur im Sonnenlicht aktiv. Der Kaffee schmeckte und er war sichtlich froh über die freundliche Aufnahme. Es war für ihn offenbar ein gebrauchter Tag, an dem bisher alles schiefging. Die Verladerampe war ausgefallen, was bedeutete, sie mussten alles per Hand heran und in die Autos schleppen und nun das kaputte Auto. Der Postmann erzählte von seinen Paketlasten, sogar Brennholz habe er schon in dieses Walddorf geliefert. Da staunten wir wirklich, denn schließlich schlägt hier jeder Dritte sein Holz selbst… Wir schmunzelten zusammen, aber der Kaffee war ausgetrunken und nun hatte er Hummeln im Hintern und wollte doch lieber noch zu Fuß zu den Briefkästen vor dem Wald. Kaum später klingelte er noch einmal: „Hab ich hier meine Zigarettenfilter verloren?“ Hatte er nicht, es war wirklich nicht sein Tag…

Morgenstunde (1158. Blog-Notat)


Der Freisitz unter unserem Glasdach ist zurzeit ein Kampfplatz kleiner Wildbienen. Gestern sind etwa 20 geschlüpft. Sie kamen aus allen Ritzen und Bohrungen unseres Gartentisches. Es begann vor Jahren mit einer Wildbiene, aber ihr Nachwuchs muss inzwischen um die wenigen Brutplätze im Tisch und in der Hausdeko ringen. Jeder Spalt ist willkommen.  Zuweilen geht es da ganz schön zur Sache und die Ruhe ist für uns dahin, weil wir ihnen in der Flugbahn stehen oder sitzen 😊. Nur ein paar Tage, dann ist die Sache klar, wer bleibt und wer sich was Neues suchen muss, denn diese Bienen leben als Einsiedler (solitär) und bilden kein Volk. Wir lassen sie und verschließen auch nicht ihre Nester, auch, wenn es mehr werden.
Mein Reha-Antrag wurde übrigens abgelehnt. Ich habe widersprochen und gefragt, ob sie mir beim Sterben zusehen wollen und außerdem gebeten, mir den Weg zum Sozialgericht zu ersparen. Ich schlage ungerne so scharfe Töne an, aber es muss wohl sein…

Morgenstunde (1157. Blog-Notat)

Das sind so Abschiede, die einem Feuchte in die Augen treiben. Abschiede vom Kraft gefluteten Leben. Als wir am Gründonnerstag die Pflanzen aus dem Hügel aushoben und in Töpfe setzten, habe ich schon die ganze Zeit geheult. Es steckte so viel Liebe in diesem Ort und er war von mir gebaut fürs Leben. Aber als mein Sohn mich heute nach meinem Befinden fragte, bevor er mit dem Rückbau von Kräuterhügel und Bachlauf begann (mein Liebster war natürlich auch dabei), schwammen meine Augen. Das legte sich sofort, als ich vehement um einen Themenwechsel bat.  Aber mein Befinden ist schlecht und schwach. Er sorgt sich, ich bin seine Familie. Bin froh, dass Jan eine Verlobte hat und sie Heiratspläne schmieden. Sommer 27, ob ich das erlebe, keine Ahnung, ich hege Zweifel, weil es jetzt so schnell mit den Einschränkungen geht. Das passt wohl zum K-Freitag, ich bin schon gläubig, pantheistisch, aber nicht religiös. Dieser Glaube aber kann nur mir helfen…

Und so sah es hier einmal aus…

Morgenstunde (1156. Blog-Notat)

Gründonnerstag und ich warte auf ein Wunder. Denn das alte Handy war wohl doch noch nicht zu alt: Wenn man sich so stumm im Funkloch räkelt, bekommt man eben nicht mit, dass Otelo meine mitgenommene Telefonnummer auf die ursprünglich im Vertrag vorgesehene zurückgesetzt hat. Monatelang habe ich mit meiner alten Nummer telefoniert und wurde auch angerufen. Zuletzt im Krankenhaus im November. Ich stutzte nur, dass ich an mein PayPal-Konto nicht kam und immer wieder Identitätsnachweise von mir verlangt wurden, die aber ins Leere liefen. Als ich letzten Montag das neue iPhone bekam, sagte mir die Verkäuferin, dass dieses Handy eine ganz andere Nummer hätte. Ich staunte Bauklötzer. Zuhause suchte ich den Vertrag und sah, es ist exakt die Numme, die durch meine mitgenommene Nummer ersetzt wurde. Hoppla, welche KI hat hier Hand angelegt??? Habe Kontakt mit Otelo aufgenommen, die Sache ist in der Bearbeitung. Kinner ne, was alles geschieht und wieviel Ärger das bringt…

Morgenstunde (1155. Blog-Notat)

Die Verschlechterung kam letzte Woche aus dem Nichts. Keine Erkältung, keine Lungenentzündung – ich nenne es mal einen „stillen“ Schub. Heißt, nach deutlich weniger Bewegung, kommt schon die Flatteratmung, begleitet von einem Ziehen im Brustkorb und dem Abfall der Sauerstoffsättigung auf 80er Werte. Das fühlt sich bescheiden an, es zieht eine Müdigkeit ins Herz. Vorgestern war es schlagartig wieder etwas leichter. Nicht gleich Japsen und Hinsetzen nach ein paar Schritten. Die Schwankungen sind nur minimal, aber dieses Müh fühlt sich deutlich besser an. Alles nimmt Einfluss: Wetterwechsel, Stress, Stimmungen und natürlich die tunlichst zu vermeidenden Infekte… Gestern schlug das Pendel wieder zurück, als ob da was unter den Rippen sitzt und sticht. Es sollte wärmer werden…
Heute scrolle ich mich durch die Kräuterportale und bestelle ich Königskerzenblüten, Lindenblüten und Isländisches Moos. Schafgarbe habe ich noch vorrätig. Aus diesen vier Ingredienzien mische ich nach Dr. P.N. zu gleichen Teilen einen Infektanflugstee. Einen Teelöffel auf eine Tasse, 10 Minuten abgedeckt ziehen lassen. Eine Tasse am Tag trinken, wenn man glaubt, da kommt was, vermeidet so manchen Ausbruch. Wenn die Nase schön läuft, ist der Tee für die Katz.
Mit dem Rest Königskerzenblüten werde ich jetzt Dampfbäder probieren. Das ist Schleimlösend, ich kaufe lieber das Original statt teure Wundertropfen… Der Tee gegen nervösen Blutdruck aus der Klosterkunde schlägt ja auch gut an (nicht geeignet, wenn man Antidepressiva nimmt). Für die Psyche ist es natürlich wärmend, wenn man sich um sich kümmert. So steige ich in meine Versuche und denke, besser als nur schlapp Abzuhängen, wenn draußen der Wind weht und das Atmen beschwerlich. Es gibt diese Tage, da ist die COPD sehr präsent und lässt sich nicht von einer schönen Idee aus dem Hirn vertreiben. Diese Tage muss man hinnehmen lernen…

Morgenstunde (1154. Blog-Notat)

Die letzte Zeit hat doch einigermaßen genervt. Zuerst wurde meine t-online-Mailadresse gehackt. Es brauchte professionelle Hilfe, darauf zu reagieren und die Sache mit neuen Passwörtern einzurichten in Ein- und Ausgängen. Gestern verlangte mein Smartphone einen Identitätsnachweis, was mir nicht gelang, weil mich der Code nicht erreichte. Wir wohnen im Funkloch… Unser Computerservice in Zehdenick hilft älteren Menschen technische Probleme zu lösen, die haben mir das zu heute neu eingerichtet. Aber als man mir ein paar Apps anmelden wollte, kamen die Sicherheitscodes nicht auf dem Handy an. Fragezeichengesichter. Schlussendlich war das Handy zu alt, es wurden einfach etliche Funktionen nicht mehr unterstützt. Also brauchte ein jüngeres Modell und sie hatten für mich ein iphone 13 für angemessenes Geld, dass sie mir gerade einrichten… Die Ausgaben summieren sich. Und heute nun das Fake-Profil auf Facebook. Ehrlich, das ist für ein spätes Mädchen im zarten von 72 Jahren doch etwas zu viel von modernen Ereignissen. Die kosten Nerven. Fazit: Die Woche war für die Tonne, es kann nur besser werden…

Morgenstunde (1153. Blog-Notat)

Ist ja immer was. In der Novelle FLÜSTERTON fehlen an drei Stellen Leerzeilen zwischen den Kapiteln, was einer Leserin aufgefallen ist… Nun habe ich Korrekturzettel für die schon gefertigten Hefte getippt und geschnitten und in diese neun Ausgaben gelegt.  Manche Verlagsproduktionen hatten früher auch schon Korrekturzettel 😊… Ab der Nummer 24 ist die Sache bereinigt.
Dieser Tage kam eine Anfrage aus Słubice von der Leiterin der Bibliothek des Collegium Polonicum: Sie bereiten eine kleine biographische Ausstellung über den Übersetzer und Schriftsteller Henryk Bereska zu seinem 100. Geburtstag vor und fanden in seinen Unterlagen eine Vignette vom einstigen Burgschreiber zu Beeskow – von mir unterzeichnet… Ich habe damals als ich freie Redakteurin des Märkischen Marktes Beeskow gearbeitet und einige Burgschreiber redaktionell betreut. Für jeden hatte ich eine kleine Zeichnung gefertigt. Die von Bereska soll auf eine Ausstellungstafel und sie brauchten meine Freigabe. Allerdings hatten sie nur eine ganz schwache Kopie und ich dachte, irgendwo hast du noch einen besseren Laser-Druck. Das Original ist offenbar in Bereskas Familie verschollen. Kinner ne – einmal durch 25 Jahre Ablage… das vorletzte Blatt in der allerletzten Sammel-Mappe war es dann. Wenigstens war die Sucherei nicht umsonst, in Słubice hat man sich gefreut.  Ach, sowas ist doch herrlich 😊 nicht wahr?
Übrigens habe ich die meisten Vignetten für den Märkischen Markt (Das Blatt gibt es nicht mehr) in der Regionalbahn R1 gezeichnet. Gleich hinter Erkner ging es schnurgerade eine halbe Stunde durch die Märkische Provinz in Richtung Oder. Der Zug glitt geradezu ohne Wackler voran, da konnte ich nicht nur Skizzieren, sondern auch Ausführen. Und manchmal stand der Zugbegleiter hinter mir und sah mir beim Zeichnen zu 😊 …

Hier geht es zu den Lesekostproben:

Flüsterton (1)
https://www.schorfheidewald.de/oeffentliches-schreiben-an-einer-geschichte/flusterton-1/
Flüsterton (2)
https://www.schorfheidewald.de/oeffentliches-schreiben-an-einer-geschichte/klausur-woche-iii-2/

Zu den anderen Heften der EDITION.

Morgenstunde (1152. Blog-Notat)

Festgefahren. Ich sehe in diesem Land keine Idee für eine zukunftsträchtige Entfaltung der Republik. Es ist, als halten alle nur noch ihre Felle fest, die Machtzipfel, die Genusswinkel, die großartigen Bezüge. Es gibt kein neues, mitreißendes Denken, nur ein Verharren und Abdriften. Aber sie feiern ihre mageren Siege, als wären sie unschlagbar und beschwören alte Formeln. Ich sitze dann kopfschüttelnd von der Glotze und denke: Mann, nun rappelt Euch doch mal endlich! Tragt frischen Wind in Eure Amtsstuben. Schickt überflüssiges Personal in die Umschulung und weiter dorthin, wo es gebraucht wird. Streicht das überbordende Gesetzbuch zusammen und alles, was Entwicklung hemmt. Das Beamtentum wird sich nicht selbst regulieren, es braucht auch hier mutige Einschnitte. Und wieso eigentlich leistet sich der Staat immer noch einen zweiten Amtssitz in Bonn? Und wieso eigentlich zahlen die Krankenversicherten, Gesundheitsleistungen für Leute, die nie eingezahlt haben? Da greift der Staat in Taschen, die ihm nicht gehören und treib indem die Krankenkassen-Beiträge in die Höhe. Und, und, und… überall Schwermut.