Morgenstunde (1127. Blog-Notat)

Die lauteste Nacht des Jahres ist vorbei, Gott sei Dank!  Silvester ist einfach nicht meins… Tag 3 im neuen Jahr: Die Feinstaubschwaden haben sich verzogen und ein Hauch von Schnee überzuckert das Land. Im Morgengrauen heult ein Hund, ein Wolf? Es ist der 42. Todestag meiner Mutter. Ich werde dieses Jahr 20 Jahre länger leben als sie an Jahren hatte. Erstaunlich. Die Frauen in meiner Familie wurden nie richtig alt. Mein Sohn hat mit seiner Freundin nach dem Essen in Kurtschlag seinen Rucksack gepackt und wird heute auf Phuket ankommen und von dort einige thailändische Inseln bereisen. Aus dem Dämmerland ins helle Warme. Ich gönne es ihm, er arbeitet hart. Fernreisen – die haben sich für mich nicht ergeben, es waren eher die Kurztrips nach Norden, die mich lockten und mir möglich waren. Auf die Insel Fanø beispielsweise. Na gut, heute freue ich mich schon über gute Tage an sich…

Morgenstunde (1126. Blog-Notat)

Glatteis und gestern das späte Weihnachtsessen mit meinem Sohn und seiner Liebsten – die Zeit zwischen den Jahren ist leis. Immer noch so gutes Essen, immer noch nur 48 Kilo. Das sechste Krisenjahr infolge neigt sich wankelmütig. Es hängen Schleier in der Zeit. Die Blasen bleiben in ihren Kreisen, man vermehrt sich nur noch innerhalb und spielt heile Welt. Sie ist nicht heil und dieses Canceln von allem was anderes meint, führt zu seltsamen Wahrnehmungen der Realität. Die Kämpfe um die Meinungshoheit im Land sind durchsichtig und verbissen geworden. Und auch die ungetüme Bereicherung der Etablierten. Es ist eher hilflos, jene zu verhindern, die die sonderbaren Auswüchse benennen. Über dem Land liegt Mehltau. Ich weiß nicht, ob es in 2026 gelingen kann, den kranken Staub abzustreifen und zu gesunden, aber ich wünsche es uns. Guten Rutsch!

Dezember

Eine Weihnachtgeschichte aus dem Fundus: Heimlichkeiten

Morgenstunde (1125. Blog-Notat)

Gestern, am vierten Advent, schenkten Akteure des Kurtschlager Sportvereins dem Dorf dieses lebensfrohe Beisammensein am Feuer. Auf dem kleinen Weihnachtsmarkt am Döllnfließ stand man in Grüppchen beieinander, nippte an den Getränken und plauderte über die Befindlichkeiten. Ich stand da unter all den Vertrauten wie ein rohes Ei… vorsichtig, weil noch nicht gut standfest und geschwächt von der Liegezeit und den Narkosen. Aber doch, ich hab es genossen unter Euch zu sein… das Leben zu spüren. Habt Dank dafür!

Morgenstunde (1123. Blog-Notat)

Alle Wege sind noch beschwerlich. Vor zwei Tagen wurden die Schläuche der Vakuum-Pumpe gezogen. Die Nacht mit ständiger Eiskühlung verbracht, verbunden mit der Hoffnung, dass die Naht nicht hochgeht… das gelang und so durfte ich gestern Mittag das Krankenhaus verlassen. Morgen zum Verbandswechsel wieder nach Gransee… noch sind die Tage sehr besetzt vom Schmerz. Aber ich bin hoffnungsvoll, dass die Heilung gelingt, sich sie Narbe nach 14 Monaten endlich schließt und mir all die schönen Dinge des Lebens wieder möglich sind. Baden zum Beispiel 😊. Noch sind die einzigen „Genussmittel“: Schmerztabletten. Währenddessen hat der Liebste die große Pyramide vom Boden geholt und aufgebaut, die Schwippbögen in die Fenster gestellt und die Lichter ausgewechselt… der Advent kann kommen 😊…

Lichterprobe

Morgenstunde (1122. Blog-Notat)

Es sind Tage, die wie Sand zerrieseln. Montag OP: Metallbeseitigung, nach der eine Drainage gelegt wurde. Mittwoch sollte die Wunde unter Narkose angesehen werden, dieser Termin fiel zwei Meter von dem OP-Raum wegen Blutdruck aus. Nüchtern bis 15:30 und ohne diese Blutdruckmedikamente (war angewiesen) explodierte der… Verschoben auf heute, war es ähnlich, aber man wagte sich heran. Ergebnis: Die Wundheilung sieht gut aus, wenn alles gut geht, wird am Montag zugenäht und ich kann Dienstag nach Hause. Schnauf, es war glücklicherweise „nur“ die Unverträglichkeit zwischen Haut und Metall. Krankenhauskommentare erspare ich mir. Das Ganze hat zumindest zu einem Geschichtenanfang geführt (siehe unten), den ich in die Winterklausur mitnehme…  Habt ein schönes Wochenende alle miteinander.

Krankenzimmerausblick

Flüsterton

Er begann ihr etwas zuzuflüstern. So leise, dass sie es kaum verstand: „Du musst aus der Tiefe schöpfen.“ 
„Was?“, fragte Jana mit einem Räuspern. Die Stille brach und das Gesagte verschwand, indem Hannes eilig den Wartebereich der Notaufnahme verließ. Die vier wartenden Personen sahen einander an, als hätten sie diesen Moment wie Verschworene erlebt. Doch außer Jana, dachten die anderen nur – einer weniger, wie lange noch? Sie saßen schon fünf Stunden in diesem offenen Raum, aus dem sich Gänge – ins Labor, zum Röntgen, zur Intensivstation… schicksalhaft hinaus wanden. Draußen vor der Tür tönte die Welt sprachlos gegen das Entgleiten, wie die letzten Worte bei der Narkose von Oskar, dem frischen Unfallopfer.
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Morgenstunde (1121. Blog-Notat)

Wie zum Trost, fand ich gestern zur Heimkehr meine Sternenbestellung im Briefkasten vor. 24 Holzteile in Rot, Weiß und Grau für den Innenhof. Ich schmücke trotzdem weiter, bis Sonntagabend ist dafür noch Zeit. Montag um 7 Uhr morgens muss ich einrücken zur OP.  Der gestrige Tag hieß WARTEN, fünfeinhalb Stunden lang. Es gibt in Gransee nur einen Chirurgen für alles. Vom Blinddarm bis zum Beinbruch. Da verlangt die Notaufnahme immer wieder Auszeiten in der ambulanten Sprechstunde. Der Blutdruck steigt im Halbstundentakt, obwohl man weiß, es ist ohne Absicht. Aber das Warten hat sich gelohnt, ich bekam schlussendlich eine gute Zuwendung für das Notwendige. Die Metallschiene am verheilten Beinbruch macht Probleme und entzündet die Haut. Ich hoffe, dass es nicht mehr wird… Gewissheit gibt es erst während des Eingriffs. Geduld ist nicht meine starke Saite, also werde ich mich beschäftigen…
Die Einladung zum 1. Advent ins Kunst- und Honighäuschen muss ich absagen. Ich mag nicht rumhumpelnd Gäste empfangen. Wer später im Advent zu uns kommen möchte, um Honig zu holen und/oder sich im Atelier umzusehen, kann nach dem 2. Advent bis Heilig Abend gerne kommen. Danke Euch.

Morgenstunde (1120. Blog-Notat)

Von Christoph Hein las ich unlängst: „Denn es sind zwei sich ausschließende Dinge: gut zu schlafen und sich gut zu erinnern.“ Bekanntlich schlafe ich in Schreibphasen, die alte Zeit ausgraben, ebenfalls schlecht. Aber auch, wenn eine OP mit Verletzungen ins Haus steht.
Letzte Nacht träumte ich von einem, der nebeneinander an zwei Tischen operierte. Ein Blutgemetzel wie einst in manchem Kreissaal. Herrje! Ich bin aufgestanden und habe an meinem 5. FLYER-KUNST-BUCH gearbeitet. Brauchte etwas Schönes…, beruhigt hat es mich nicht.
Angst ist der Treiber dieser Träume. Du gehst mit einem Bedenken ins Bett und die Angst übernimmt das Steuer durch wilde Nachtfahrten. Bilder flackern wie Bahnhöfe im Neonlicht auf. Mal sind es wahre Reflektionen, mal eine wirre Fantasie…
Nachmittags hab ich ein altes Ritual benutzt: symbolisch eine rote Kugel von mir geworfen und dazu gerufen „Ich werfe die Angst weg!“ Obs hilft? Einen Moment vielleicht. Morgen werde ich erfahren, wann sich die Anspannung legen kann.

Das 5. UNIKATE-BUCH ist fertig.

Morgenstunde (1119. Blog-Notat)

Da steht mir nächstens was bevor: Die Narbe vom Beinbruch will nicht heilen. Seit 14 Monaten! Als sich am Freitagnachmittag wieder einmal Schorf löste, sah ich darunter blankes Metall. Ich gebe zu, da ist in mir Panik aufgestiegen. Heute bekam ich die Gewissheit, es muss operiert werden, die Metallschiene muss nun doch raus und krankes Gewebe entfernt werden. Das ärztliche Vorgespräch wird Donnerstag sein. Schreck lass nach.
Der schöne Winterliche Scheunenmarkt in Annenwalde am 22. November fällt also für mich aus, dass ist wirklich schade. Aber wer kann, sollte sich das Einstimmen auf den Advent gönnen. Die letzten Tage haben wir im Bilderspeicher fast alles abgehängt, bis zum Wochenende wird das Obergeschoss und sein Fensterlicht geschlossen sein. Dann beginnt für mich der Winter, die Dunkelzeit. Die grüne Girlande über der Haustür ist schon gebunden, jeden Tag kommt jetzt Winterschmuck dazu, wir hoffen, am 1. Advent unsere Gäste empfangen zu können, wird schon… es könnte knapp werden.

Morgenstunde (1118. Blog-Notat)

Wir sind immer noch beim Weinrückschnitt, aber heute kommen wir zum Finale, ist ja nur noch die Heizhausecke zu beschnippeln… Man schafft im Älterwerden kräftemäßig nicht mehr so viel. Und damit es uns nicht entmutigt, lade ich den Imkergatten immer mal zum Spielen ein (man kann es auch Gestalten nennen😊). Zum Beispiel seine lustigen Kopfweidenschnitte als drei Könige im Efeufenster zu platzieren. Spaß muss sein. Und weil nun die letzte Futterquelle der Vögel im Hof versiegt ist, hab ich alternativ für die Amsel ein Apfelnest aus Birkenzweigen in den Weinstock gehängt. So vertut sich die Zeit….

Morgenstunde (1117. Blog-Notat)

Wann hat das eigentlich angefangen, dass viele Medien so staatstragend und gleichgeschaltet agieren? Es begann schon vor Corona. Für mich als Ostdeutsche gefühlt seit der Wende, als Westdeutsche die Chefetagen der regionalen Medien übernahmen. Von da an erklärten vorzugsweise Westdeutsche medial, die neuen Normen und was die Sonderspezies Ostdeutsch zu denken hat. Sie haben in der schwierigsten Umbruchphase Ostdeutschlands gerne noch den Jammerossis in den Arsch getreten, statt lebensnah und wahrhaftig zu berichten. Intern hörte ich als freie Journalistin zur Orientierung: „Wir sind ein Tendenzunternehmen“- gemeint war eine politische Nähe zu Schwarz, Braun oder Rot. Also nicht so frei und unabhängig. Aber so instrumentalisiert, wie seit der Coronazeit, so deutlich Ideologie lastig, mit dem Hang zur Schönfärberei und damit an der Realität vorbei, so etwas kannten die Ostdeutschen nur aus der späten DDR. Und eben deshalb reagiert man hierzulande wesentlich sensibler, wenn sich die politische Ebene inklusive „vierte Macht“ aus lauter Ratlosigkeit „Wie weiter?“ einbunkert.
Am 4. November 1989 verlangten auf dem Alexanderplatz über eine Million Menschen nicht nur Reisefreiheit, sondern auch MEINUNGSFREIHEIT und man erlebte sie in einem kleinen Zeitfenster (1990) nach dem Mauerfall in neuen freien Medien. Die natürlich wie alles andere nicht überlebten, als westdeutsche Strukturen die neuen Bundesländer übernahmen. Man sollte in den Osten reinhören, denn hier weiß man, wie ein verkrustetes Land sich anfühlt…

Ein Wendemagazin