Sagenhafter Barnim (19)

Die Schätze im Teufelsberg:

Die Schätze im Teufelsberg Zeichnung: Petra Elsner
Die Schätze im Teufelsberg
Zeichnung: Petra Elsner

Zwischen Liepe und Oderberg liegen der Blocksberg, der Teufelsberg und der Schlossberg. Man munkelt, in der Schlucht zwischen den beiden letzten geschehen unheimliche Dinge. Dort kam eines Abends ein Fischer von Niederfinow vorbeigeschippert und wollte am Teufelsberg ein wenig verschnaufen. Als er seinen Kahn sicher an Land hatte, kam hastig ein schwarz gekleideter Mann den abschüssigen Pfand hinunter gelaufen. „Komm mit, du kannst dir Geld holen“, rief er ihm zu. Der Fischer schwankte zwischen Vorsicht und Versuchung, folgte aber schließlich neugierig dem Fremden. Der führte ihn geradewegs in die Schlucht. Der Fischer staunte, als er plötzlich vor vielen mit Gold gefüllten Fässern stand. Der Fremde sagte zu ihm: „Nimm dir eines“ und verschwand augenblicklich im grünen Dickicht. Der Fischer rieb sich erfreut die Hände und packte zu. Als er mit der Tonne beim Kahn angelangt war, dachte er bei sich: Der seltsame Mann ist verschwunden, da kann ich mir ja noch eine zweite Tonne holen. Getrieben von Gier rannte er los. Als er schnaufend mit der zweiten Tonne eintraf, war die erste Tonne fort. Herrje, was für ein Spuk, dachte der Fischer, wollte aber die erste Tonne nicht verschmerzen und holte sich noch eine dritte. Zurück am Ufer, war auch die zweite Tonne verschwunden. Da sprang den Fischer die Angst an und er sah, dass er davon kam. Wie er jedoch von Land abstieß, hockte der schwarze Mann mit stechendem Blick in der Bootsspitze. Der Fischer ruderte so schnell er konnte heimwärts. Kurz vor dem Eintreffen drehte er den Kahn, so dass die Spitze mit dem schwarzen Mann vom Land weg in Wasser zeigte. Der Fischer sprang auf das rettende Land und der Dunkelmann wetterte: „Das war dein Glück, dass du mich nicht zuerst an Land gelassen hast. Du wärst mit Fass und Kahn versunken. Weil du aber so habgierig warst, hast du nun statt Gold oder Silber, was in den ersten beiden Tonnen steckte, nur noch Kupfer in deiner Tonne.“ Und was er sagte, wurde wahr.
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Sagenhafter Barnim (15)

Das Knäuel des Graumännchens:

Zeichnung: Petra Elsner
Zeichnung: Petra Elsner

Unweit von Oderberg, dort, wo einst Wilddiebe den Förster Ewald erschlagen hatten, sammelte an einem späten Herbsttag eine Frau barfuß Brennholz. Sie fror erbärmlich im kalten Wind, als ihr just bei Ewalds Hügel eine seltsame Gestalt begegnete. Die war vom Kopf bis zu den Sohlen vollkommen grau. Der Frau war das nicht geheuer und so hielt lieber Abstand. Doch das wunderliche Graumännchen zog grüßend den Hut und fragte freundlich, doch höchst erstaunt. „Weshalb bist du ohne Strümpfe unterwegs?“
Die Frau schluchzte: „Ach, entschuldige, dass ich so unbekleidet bin. Aber ich bin arm und habe keine Strümpfe und auch kein Garn.“
Das Graumännlein hatte ein gutes Herz und wohl auch Zauberhände. Es schenkte der frierenden Frau ein kleines Garnknäuel und meinte dazu: „Verberge das Knäuel vor aller Augen in einem kleinen Kasten, und forsche selbst niemals nach seinem Ende. Hältst du dich daran, wird es mehr als nur ein paar Stümpfe davon geben.“
Viele Jahre strickte die Frau von diesem endlosen Garn und hatte fortan immer genug wärmende Kleidung. Aber eines Tages erlag sie ihrer zwickenden Neugier. Sie öffnete vorsichtig den Kasten, da war schlagartig der Faden zu Ende.
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