Rosenblütenblätter – ein langsames Blognotat (10)

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… Nora erinnerte sich plötzlich. Eines Morgens, als die Sonne gleich wieder im Wolkengrau unterging, stand er vor ihr: Im Frack mit einem Cellokasten in der Hand betrat er das gläserne Café am Berliner Alexanderplatz. Er setzte sich zu ihr und ihrem Morgentee und plauderte oktavenreich wie vom andern Stern in ihr dumpfes Erwachen. Als er ging, fühlte sie sich eingeladen. Aber in dieser frühen Novemberstunde war sie zu einem Abenteuer noch nicht bereit. Die Verpflichtungen zerrten sie artig weiter. Vierzig Jahre lang blieb sie auf dem dünnen Pfad der strengen Regeln. Die Wahrnehmung jenes Morgens aber, blitzte manchmal als schillernder Traumton in ihre kreisende Gedankenwelt. Jetzt, als sie nach seiner Hand fasste, hörte sie den feinen Klang klarer, lauter …
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Rosenblütenblätter (4)

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… In der Birke wippte ein alter Rabe im dürren Geäst mit dem Wind. Sie mochte den fernen, knarrenden Vogel. Immer schon. Sie schenkte ihm einen gutmütigen Blick und starrte dann abermals abwesend in ihre große Leere. Plötzlich erhob er sich der Vogel und segelte zu der müden Frau. Dicht vor ihr landete er, hüpfte noch ein paar knappe Sprünge näher, rückte seinen Kopf zweimal zur Seite und starrte sie mit einem schrägen Blick an. Ohne einen Laut. Dann sprang er zu ihr auf die Gartenbank. Ihre Hand zuckte dabei und der Schwall aus ihrer Teetasse malte einen gelben Himmel in den weißen Heidesand. Die Zwei wussten sofort, dass diese Teespur ein Himmelsbild sein könnte – ein Zeichen für ein unendliches Gesprächsthema: Das Wetter. Sie blickten sich wie Verschworene an, und der Rabe sprach auf einmal rostig: „Das Wetter fühlt sich heute mies an, es heult zu sehr.“ Nora lächelte …

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