Das Immerwiederkehrende

Alltag 9, Juli 2019:

Die „Dinge des Alltags – das Immerwiederkehrende“ – ist das Jahresprojekt der Bloggerin Ulli Gau, an dem ich mich beteilige und 12 Monate lang immer am  1. Monatswochenende etwas aus meinem Alltag vorstelle …

Diesmal: Im Garten

Jeden Morgen, gleich welches Wetter, gehe ich diese Schritte durch den Garten. Seit 11 Jahren beackere ich dieses einst blanke Wiesenland zu einem Landschaftsgarten mit mehreren Gartenzimmern. Der Weg bis zum Waldrand ist 140 Meter lang, dass schaffe ich auch, wenn ich mal einen schlechten Atem-Tag habe. Er beginnt vor der Haustür, die noch aus dem Jahre 1889 stammt, auf dem gepflasterten Hof, der ist in diesen Tagen wie ein Backofen. Die Steine langen schon, als wir hier einzogen, aber das werde ich irgendwann, so nach und nach, noch ändern und Wiesenstreifen anlegen, um das Klima hier zu verbessern. Weiter geht es durch das Rosenportal, vorbei am Nebengelass und der schönen Kopfweide zum Blumenmond, in dem ich gelegentlich für Gäste lese. Die mütterliche Linde beschirmt ihn halbseitig und den dahinterliegenden Tiefsitz und Staudenbeete. Rechts gegenüber befindet sich ein kleiner Teich mit Seerosen. Hier und da gibt es hölzerne Skulpturen und Wurzelgnome. Dieses Arial bildet meinen sogenannten Lesegarten, in den ich zu Festen Märchenstelen herrichte, die danach wieder abgehängt werden. Nur die Lattenrahmen bleiben dann zurück und ein leeres Lesepult. Immer da sind ein paar wetterfeste Alu-Verbundplatten, die im grünen Zaun ein paar Märchen tragen. Ebenso wie auf den Lyrikbooten Gedichte als Segel flattern. Weiter führt der Weg in den Mittelgarten mit drei Kopfweiden, Buchsbüschen und naturbelassener Wiese, auf der sich an den Rändern „Vogellaube“ mit Bank und 3 Schwebekörbchen auf Wilddrahtzaun, Gemüsehochbeet, Beeren- und Ziersträuchern befinden. Hinter dem Haselnussbusch öffnet sich das nächste Gartenzimmer: mein Kräutergärtchen, mit Spirale, Kleinteich und Tomatenhäuschen und einem l-förmigen Beet für Bohnen und Heilkräuter, wie Beinwell, Wasserdost, Winter- und Etagen-Zwiebeln, Rucola usw. und natürlich wieder einer Bank. Beschirmt wird dieses Arial von zwei Vogelbeerbäumen und einer weiteren Kopfweide. Dahinter folgt die Streuobst-Wiese mit Kompostecke und einer Randbepflanzung aus Büschen, Blaubeer- und Monatserdbeeren. Leider erntet man hier nie besonders viel, weil uns Spätfröste meistens die Blüte schädigen. Dahinter liegt ein kleiner spiritueller Garten mit „Schwarmbeobachtungsplatz“ im Schatten eines Weidenzauns. Von hier schaut man auf einen prächtigen Hortensienbusch, Bienentränke, Weidenbögen mit Apothekerrose und Wunschbaumbirke, unter der ein Familiengrabstein zur Erinnerung steht, ohne Urnen versteht sich. In den Zweigen hängen kleinen Glocken, die bei Wind leise läuten. Die Birke teilt gewissermaßen diesen Ort in den wilden Bienengarten, dreiseitig gesäumt von Hecken und einen schmale Wiesenauffahrt mit Himbeeren am Zaun. Hier endet das Grundstück und beginnt der Wald.  Auf dem Rückweg nehme ich mir meist Kräuter zum Kochen mit ins Häuschen. Aber davor liegt meine Schreib- oder Zeichenzeit. Draußen arbeite ich, täglich etwa eine Stunde, man wird eh nie fertig, denn der Garten ist Weg und Wandel.

Die Bilder stammen aus allen möglichen Jahreszeiten
 
      
 
     
 
  
 
 
  
  
 
 

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Vaters Bademantel (Kurzgeschichte für Erwachsene – Teil 4)

Zwei Tage später rollte die Turban-Frau mit ihrem Bett zurück in das Einzelzimmer. Sie schien zu schlafen, während die Schwestern ihr Krankenlager hin und her rangierten. Vera streichelte im Vorbeigehen den hastig atmenden Bademantelstreifen, der sich moosgrün beulte: „Na, Bademäusel, bist du wieder eingezogen und hältst Wache? Das ist gut. Du hast vorgestern der Frau das Leben gerettet, ich bin dir sehr dankbar dafür.“ Vera entschwebte und die blaue Maus grinste breit und glücklich.
„Du hast mir das Leben gerettet – Bademäusel, echt, wie?“, stöhnte die Turban-Frau aus ihren Kissen.
„Ich hab‘ nur den roten Klingelknopf betätigt, mehr nicht!“
„Das war wohl zur rechten Zeit, ich danke dir.“
„Keine Ursache.“
„Wie kommst du denn zu dem schönen Namen Bademäusel? Genauso nannte mich mein Vater in den Ostseeferien?“

Die Verwandlung. Zeichung Petra Elsner

Das war die richtige Frage für den kleinen Nager, die ihm noch niemand gestellt hatte. Endlich konnte er jemand in sein großes Geheimnis einweihen. Und so erzählte er ihr aus dem Dunkel der Tasche die seltsame Verwandlungsgeschichte vom Gummibademäusel zur lebendigen, blauen Maus. Die Turban-Frau lauschte interessiert.
„Geht es dir besser?“, fragte die Maus und schaute dazu wieder aus der Flachmanntasche.
„Ja, der Kopf brummt noch ein bisschen, dafür sind die Armbrüche jetzt gut verschraubt. Aber sie würden schneller heilen, wenn ich mein Knochenkraut hätte.“
„Was für ein Knochenkraut?“, fragte die blaue Maus hellhörig.
„Beinwell.“
„Oh, das ist aber sehr, sehr lange her, dass die Badefrauen diese rauen Blätter zum Heilen benutzten“, sinnierte die blaue Maus. Ich wüsste gar nicht, wo man die heute noch herbekäme.“
„Aus meinem Garten“, antwortete die Turban-Frau tonlos. Sie war inzwischen schon wieder sehr schlapp-müde, als sich die Tür öffnete und ein riesiger Mann, gepresst in lack-schwarzes Leder, in den Raum schaute: „Biker-Tine, hallo, lebst du noch?“
„Gerade so.“

© Petra Elsner
8. März 2019

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Kommentare von FB:

Anja Llom Oh, wie schön! Das alte Beinwell-Wissen! Es macht mir viel Spaß, die Geschichte zu lesen und ich bin immer neugierig, wie es dann weitergeht. (8. März 2019)

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