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	<title>Leseprobe &#8211; SCHORFHEIDEWALD</title>
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	<title>Leseprobe &#8211; SCHORFHEIDEWALD</title>
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		<title>Lesekostprobe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Elsner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Jan 2025 12:06:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märchen & Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentliches Schreiben einer Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[„Mein Papagei frisst keine harten Eier“]]></category>
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					<description><![CDATA[Die ersten 10 Klausurtage sind vergangen. Die Novelle wächst. Im zweiten Teil der Klausur, werden eine Handvoll Kurzgeschichten entstehen. Gestern hatte ich dafür eine Geschichtenidee, die ich Euch zu diesem Wochenende als Lesekostprobe servieren möchte… bis demnächst wieder 😊 Das Grammophon in der Nacht Er wohnte in dem Eckhaus mit dem besonderen vietnamesischen Spezialitätenladen. Dort, &#8230; <a href="https://www.schorfheidewald.de/marchen-geschichten/lesekostprobe/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Lesekostprobe“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
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<p>Die ersten 10 Klausurtage sind vergangen. Die Novelle wächst. Im zweiten Teil der Klausur, werden eine Handvoll Kurzgeschichten entstehen. Gestern hatte ich dafür eine Geschichtenidee, die ich Euch zu diesem Wochenende als Lesekostprobe servieren möchte… bis demnächst wieder 😊</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2025/01/Klausur2025-Kopie-scaled.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" width="840" height="427" data-attachment-id="19016" data-permalink="https://www.schorfheidewald.de/marchen-geschichten/lesekostprobe/attachment/klausur2025-kopie/" data-orig-file="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2025/01/Klausur2025-Kopie-scaled.jpg?fit=2560%2C1299&amp;ssl=1" data-orig-size="2560,1299" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="Klausur2025 Kopie" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2025/01/Klausur2025-Kopie-scaled.jpg?fit=840%2C427&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2025/01/Klausur2025-Kopie.jpg?resize=840%2C427&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-19016" srcset="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2025/01/Klausur2025-Kopie-scaled.jpg?resize=1024%2C520&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2025/01/Klausur2025-Kopie-scaled.jpg?resize=300%2C152&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2025/01/Klausur2025-Kopie-scaled.jpg?resize=768%2C390&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2025/01/Klausur2025-Kopie-scaled.jpg?resize=1536%2C780&amp;ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2025/01/Klausur2025-Kopie-scaled.jpg?resize=2048%2C1039&amp;ssl=1 2048w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2025/01/Klausur2025-Kopie-scaled.jpg?resize=1200%2C609&amp;ssl=1 1200w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2025/01/Klausur2025-Kopie-scaled.jpg?w=1680&amp;ssl=1 1680w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2025/01/Klausur2025-Kopie-scaled.jpg?w=2520&amp;ssl=1 2520w" sizes="(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px" /></a></figure>



<p><strong>Das Grammophon in der Nacht</strong><br /><br /></p>



<p>Er wohnte in dem Eckhaus mit dem besonderen vietnamesischen Spezialitätenladen. Dort, im vierten Stock, hatte er sein Versteck, ein Labyrinth aus Büchern und schönen, alten Dingen. Niemand durfte es betreten, denn wäre zufällig ein Statiker dort hineingekommen, es hätte ihn der Schlag getroffen. Es war die Zeit, in der so mancher sich einen Whirlpool in das frischsanierte Bad stellte und damit rasch mal eine Etage tiefer landete. Im Prenzlauer Berg herrschte vor den Grundsanierungen der Hausschwamm im Gebälk. Weil einst die Leute aus jedem Bau-Container das entsorgte Holz klauten, um sich daraus vielleicht ein Hochbett zu bauen. Der Schwamm durfte also auch in den Dielen von Karl Wunderlich stecken, doch der Mann hielt die Gefahr geheim. Schon immer verführte den Herrn Wunderlich dieser Hang zum Sammeln in eine leise Zeit. Zwischen all den Bücherstapeln bis unter die Gründerzeitdecke, tickte die Uhr langsamer als draußen vor der Tür. Ein Ort der Stille, an dem alles noch seinen Wert hatte, weil er die Dinge schätzte.</p>



<p>Der Wohn-Kietz war im Umbruch und plötzlich bemerkte Karl Wunderlich, dass alle seine Bekannten verzogen waren, selbst seine alte Stammkneipe hatte geschlossen. Er fühlte sich inzwischen sehr allein. Nun trug es sich zu, dass auch besagtes Eckhaus eine Nobelsanierung bekommen sollte. Man forderte den Mieter nicht nur einmal auf, den Umzug vorzubereiten. Aber Karl Wunderlich versteckte sich und öffnete niemandem.<br />In einer warmen Mainacht öffnete er seine Balkontür und stellte sein Grammophon unter den freien Himmel. Es war weit nach Mitternacht als er die erste Schellackplatte auflegte: Heinz Rühmann und Hans Alberts knisterten mit „Jawohl, meine Herr’n“ über die Balkonbrüstung. „Ich hab dich und du hast mich“ trällerte und pfiff Ilse Werner anschließend und plötzlich tanzte ein Pärchen auf der Straßenkreuzung. Die Nostalgie der Töne lockte Nachtschwärmer herbei. Junge Menschen, die regelrecht verzückt waren von der schrulligen Stimmung. „Bitte leg noch was auf!“ riefen sie dem Mann auf dem Balkon zu. Karl Wunderlich lächelte, winkte scheu den Leuten zu und kaum später leierte Lale Andersens „Lilli Marleen“ durch die Nachtluft. Unterdessen rollte eine Polizeistreife heran. Karl Wunderlich hob den Tonarm von der Platte und schloss seine Balkontür. Die Tänzer drehten sich in einen Kuss und tummelten sich dann, als wäre nichts gewesen.</p>



<p>In der nächsten Nacht rief eine kleine Menschentraube nach ihm: „Hallo, Grammophon-DJ, leg uns ne Scheibe auf! Bitte!“ Warum nicht, dachte Karl und zog seine Kiste mit den 20er Jahre-Platten auf den Balkon. Diesmal tönte frecher Schlager-Swing über die Brüstung. „Wer hat nur den Käse zum Bahnhof gerollt“, dann „Mein Papagei frisst keine harten Eier“. Die Magie der Geräusche lud Passanten ein, zu verweilen. Das ging einige Nächte so weiter und endete immer damit, dass eine Polizeistreife heranrollte. Ganz langsam, damit die Szene Zeit hatte, sich zu zerstreuen. Niemand hatte sie gerufen, aber auch die Uniformierten waren verzückt von diesem hübsch altmodischen Flashmob.</p>



<p>Doch die Zeit drängte. Karl Wunderlich musste raus aus der Wohnung und sich kümmern. Nachts reagierte er nicht mehr auf die Rufer. Er packte völlig verstört Kartons, als es an der Wohnungstür klingelte. Zaghaft öffnete er. „Herr Wunderlich, wollen Sie mit Ihrem Grammophon zu unserem Hoffest kommen? Es wäre uns eine Freude.“ Karls Augen leuchteten, aber er winkte zugleich ab. „Es geht nicht. Ich muss morgen umziehen und weiß gar nicht, wie das gehen soll.“ „Wieso?“ fragte der junge Mann. Der Sammler gestattete ihm einen kleinen Einblick. „Ach herrje, das ist wirklich viel! Aber was solls, bestellen Sie ruhig den Transporter, ich besorge Leute, die das runtertragen und auch wieder rein in das neue Quartier, wenn Sie nächsten Samstag zu uns kommen.“ Karl Wunderlich nickte aufgeregt und sehr erleichtert.<br />Es kam, wie versprochen. Wunderlichs gigantischer Umzug wurde vollbracht. Zu seiner Freude, denn das Ausweichquartier entpuppte sich als Ladenwohnung, aus der Herr Wunderlich nach ein paar Wochen ein magisches Antiquariat der Bücher und Töne zauberte. Mit rotem Canapé und Messingteetischchen im Fenster. Ein Geheimtipp und ein Ort, an dem manche Nacht ein Käse zum Bahnhof gerollt wird.</p>



<p>©Petra Elsner</p>
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		<title>Fotoprojekt „Vier Jahreszeiten“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Elsner]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 May 2023 12:54:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Fotoprojekt "Vier Jahreszeiten"]]></category>
		<category><![CDATA[„Der Schatz der Baumriesen“]]></category>
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		<category><![CDATA[Mai-Kopfweide]]></category>
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<p><strong>Bild 5: Kopfweide im MAI 2023</strong><strong><br /></strong>Meine Beteiligung am  <a href="https://royusch-unterwegs.com/2023/01/02/fotoprojekt-2023-die-vier-jahreszeiten/">Projekt von Royusch</a><br /><br />Das Fotoprojekt „Vier Jahreszeiten“ betrachtet fotografisch immer das gleiche Motiv im Jahresverlauf. Allein die Verwandlung durch die Zeit ändert es. Ich habe mich für meine Kopfweide entschieden. Sie ist der erste Blickfang in unserem 140 Meter langen Landschaftsgarten.<br />Anfang Mai treibt die Kopfweide wieder neu, aber dieses Jahr war es lange im April zu kalt, da war der Baum offenbar noch ein bisschen vorsichtig und deshalb poste ich mein Mai-Bild etwas später, damit man den schönen Austrieb auch erkennen kann. Ein Köpfchen treibt allerdings nicht. Es waren Ameisen in sein Holz eingezogen, mal sehen, ob er noch zu Leben erweckt werden kann.<br /><a href="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2022/07/Tag-Nacht.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" data-attachment-id="15342" data-permalink="https://www.schorfheidewald.de/marchen-geschichten/die-stimme-auf-ihrer-schulter/attachment/tag-nacht-2/" data-orig-file="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2022/07/Tag-Nacht.jpg?fit=962%2C953&amp;ssl=1" data-orig-size="962,953" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Tag-Nacht" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2022/07/Tag-Nacht.jpg?fit=840%2C832&amp;ssl=1" class="alignnone  wp-image-15342 aligncenter" src="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2022/07/Tag-Nacht.jpg?resize=60%2C59&#038;ssl=1" alt="" width="60" height="59" srcset="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2022/07/Tag-Nacht.jpg?resize=300%2C297&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2022/07/Tag-Nacht.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2022/07/Tag-Nacht.jpg?resize=768%2C761&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2022/07/Tag-Nacht.jpg?w=962&amp;ssl=1 962w" sizes="(max-width: 60px) 85vw, 60px" /></a>Das Weidenthema hat mich oft in meiner Geschichtenwerkstatt berührt. Diesmal ist die Leseprobe ein Ausschnitt aus meiner Fantasy-Geschichte „Der Schatz der Baumriesen“:<br />… <em>Der Läufer kam nur mühsam voran. Ohne den Hirsch versank er knietief im Schnee, und war sehr bald erschöpft. Er hatte keinen Dörrfisch mehr, er musste unbedingt Nahrung finden. Nur wo? Ihn umgab das schier endlose Weiß. Aber dort vorn, bei den Weidenbäumen, da könnte ein Flusslauf sein, hoffte der Suchende und lenkte seine Schritte dorthin. Es schneite wieder und der Blick versank im endlosen Nichts. Melchor zählte jetzt die Schritte, damit er wusste, wie weit er vorwärtskam. Hundert Meter, zweihundert. Dann endlich tauchte schemenhaft die Baumzeile vor ihm auf. Wirklich erleichtert, fand Melchor hier ein schnelles Wasser, in dem Forellen sprangen. Mit den Händen war der junge Mann flink genug, bald eine zu erhaschen. Er schnitt ein Weidenbündel und baute sich ein trockenes Lager. Darauf hockte er nun und briet sich den Fisch. In seinem Bündel suchte Melchor nach einem Salzbeutel, dabei erfasste er die Kugel und hielt sie ins Licht. Sie strahlte wie ein Sonnenball zur Abendstunde, und ganz langsam taute der Schnee von den Weiden und sein Lagerplatz war beinahe grün. Melchor sah sich verwundert um. Dort, wo die Kugel das Licht traf, ging der Winter, langsam, aber er verschwand. Als der Morgen kam, fand der Läufer eine grüne Gasse vor, über die er wie auf einen Teppich schritt. Die Kugel brauchte Zeit und Licht, um sich zu entfalten. So bahnte sie für den Laufenden nur eine schmale Gasse. Aber im Land der Baumriesen eingetroffen, vertrieb die Feuerkugel sogleich Eisas messerscharfe Winde, und das Eis schmolz….</em></p>
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		<title>Morgenstunde (582. Blog-Notat)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Elsner]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Nov 2021 13:03:54 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Die Zeit der weißen Wälder]]></category>
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<p>Es ist schaurig-schön vor der Tür. Der Wind ist ruppig unterwegs und singt sein Novemberlied. Eine gute Zeit, wieder schreibend abzutauchen&#8230; Hier kommt der nächste Auszug aus meinem aktuellen Roman-Projekt &#8222;Die Zeit der weißen Wälder&#8220;:</p>
<p><em> &#8230;.Liebe Frau Bach,</em><br /><em>bitte entschuldigen Sie meinen unangekündigten Besuch. Ich wollte nicht übergriffig sein, aber ich brauche Sie dringend im Institut. Die Studie über die Zukunft von städtischen Großraumsiedlungen kommt ohne Sie nicht zum Abschluss. Wir brauchen Ihren sozialen Scharfsinn dafür. Bitte melden Sie sich …</em><br /><em>Emilia las nicht weiter. Sie verschob die Mail in den virtuellen Papierkorb. Herzog störte. Aber die Frau wusste inzwischen, ohne den Verlustschmerz zuzulassen, würde sich ihre Trauer nicht legen. Deshalb verweigerte sie sich dem gewohnten Leben. Stattdessen holte sie sich aus dem Schuppen die nächsten Kisten und es war ihr, als würde sie in all der Fülle förmlich ertrinken. Die ungelesenen Bücher und Manuskripte der Mutter – unaufgeräumte Herzstiche.</em></p>
<p style="text-align: center;"><em>*</em></p>
<p><em>Der erste Herbststurm riss das Goldlaub von den Bäumen und peitschte das Land. In der Dämmerstunde fiel Strom aus. Es war wie ein Zeichen für Emilia, das Sichten zu beenden. Sie räumte auf und verschloss die Kisten wieder. Nur die mütterlichen Geschichten behielt sie bei sich. Bücher, die lange in der Finsternis davon träumten, dass sie jemand aufschlug und ihren Schatz entdeckte. Es wurde dunkel als der Sturm endlich einschlief, doch der Strom fehlte weiter. Die Frau stellte gerade Kerzen auf, als es sacht an die Fensterscheibe klopfte. Emilia blickte auf und sah den Kasper hinter dem Glas, der ihr vorsichtig zuwinkte. Na sowas, der Puppenspieler, dachte sie und öffnete die Tür mit klopfendem Herzen. „Ich kaufe keine Taschenspielertricks an der Haustür,“ spöttelte sie.</em><br /><em>„Na, dann lass uns doch einfach reingehen,“ antwortete der Kasper und Hans, der Täuscher grinste.</em><br /><em>„Von welchem Parkplatz hat es denn dich hierhergetrieben? Und wer hat dir verraten, wo ich lebe?“, fragte Emilia distanziert.</em><br /><em>„Die Wirtin deines Ferienzimmers, war so frei. Ist zwar nicht datenschutzkonform, aber du weißt ja, ich habe bei ihr einen zeitweiligen Stellplatz.“ Hans, der Täuscher legte ein Foto in den Kerzenschein auf dem Küchentisch. Er setzte sich und wartete, dass Emilia es ansah. Sie brachte zwei Becher Rotwein herbei und erblickte das Bild: „Meine Großmutter Ria und Harry beim Puppenspiel?“</em><br /><em>Hans nickte: „Ja, sie musste ihn im ersten Nachkriegssommer über die Dörfer begleiten, sollte erst einmal irgendetwas lernen. Aber sie hat nicht durchgehalten. Der alte Harry nahm es mit der Hygiene nicht so genau, wenn er Überland reiste. Er stank einfach entsetzlich in der Sommerhitze. Da ist sie auf und davon und Fredi war sauer.“ </em><br /><em>Emilia schüttelte ungläubig den Kopf: „Für mich war Ria eine Kabarettistin auf irgendwelchen Arbeiterbühnen. Nebenberuflich nur, weil auch Fredi, genau wie seine Eltern, von ihr verlangte, einen anständigen Beruf zu ergreifen. Sie lernte schließlich Stenotypistin, wurde Sekretärin. Weil so viele Männer im Krieg geblieben waren, gab es in den 50er und 60er Jahren eine bemerkenswerte Frauenförderung. Ria kam so zu einem Fernstudium: Regie und Journalistik. Danach wurde sie Aufnahmeleiterin beim Rundfunk und schrieb später für eine Radiosendung sehr durchschnittlichen Sketsche. Sie war nicht glücklich in alledem und deshalb kam wohl der Krebs. Großmutter hatte nur einen Bruchteil von Fredis Talenten geerbt, doch nie konsequent daran gearbeitet. Aber Talent ohne Training ist nichts. Ria war einfach eine leichtfüßige Lebefrau. Von ihrem Ausflug ins Puppenspiel hatte sie nie erzählt. Es muss sie abgeschreckt haben.“</em><br /><em>„Na ja, es waren ihre Sturm-und-Drang-Jahre. Sei nicht so streng. Wir alle sind Kinder unserer Zeit. Damals herrschte der feucht-fröhliche Überschwang, eine feierwütige Freude, weil man am Leben geblieben war. In diesem Taumel ging sie nach Ostberlin und spürte ihren Chancen nach. Man sah sich danach nur noch selten und wurde sich schließlich fremd.“</em><br /><em>Emilia nickte nachdenklich: „Als ich zwölf war, ist sie gestorben.“</em><br /><em>„Ich weiß“, flüsterte der Mann, „danach riss die Freundschaft. Wir haben einfach nichts mehr von den Berlinern gehört. Aber es gab dieses Band zwischen unseren Sippen.“</em><br /><em>Sie tranken den Wein in großen Zügen. Emilia schenkte nach und schmierte ein paar Schmalzbrote. Hans sah sich inzwischen in dem Raum um. „Sehr aufgeräumt.“</em><br /><em>„Hättest ein paar Stunden früher kommen müssen. Totales Chaos. Da hockte ich noch inmitten des mütterlichen Nachlasses. Völlig versunken in der verschwommenen Vergangenheit. Tagelang. Ein wirres, schmerzhaftes Suchen war das.“</em><br /><em>„Und, bist du fündig geworden?“</em><br /><em>„Ich weiß nicht, vielleicht. Meine innere Stimme sagt mir: ‚Steig aus dem Hamsterrad! Folge deinen Talenten!‘, aber ich fürchte mich.“</em><br /><em>„Wovor?“</em><br /><em>„Zu scheitern.“&#8230;</em></p>
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		<title>Morgenstunde (573. Blog-Notat)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Elsner]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 Oct 2021 08:32:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Morgenstunde - Blogkolumne]]></category>
		<category><![CDATA["Die Zeit der weißen Wälder"]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
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<p>Zum Wochenende gibt es hier einfach mal wieder eine Leseprobe aus meinem Roman-Projekt &#8222;Die Zeit der weißen Wälder&#8220;.</p>
<p><em>&#8230; Bei solchen Gedanken stellte sich Emilia vor, das Kunst zu schaffen, ein Schöpfungsakt sei, der beseelt. Nicht nur das Werk, auch den Künstler. Sie öffnete eine Schachtel nach der anderen und fühlte den Stich im Herzen. Sie, die Mutter, war ihr der wichtigste Mensch gewesen. Nicht wegen der sogenannten Mutterliebe, sie war die Einzige, die sie präzise verstand. Sie hätte auch ihre Reichenbacher Strukturzeichnungen verstanden. Die mäandernden Lebenslinien im Stein, den Versuch den Schimmer von Zeit einzufangen. Jetzt war es Emilia, als kämen aus der Stille der Kisten flüsternde Worte: „Schau‘ genau hin, das sind wir.“<br /><br />Sie nahm einen Stoß dieser Kisten mit hinüber ins Haus. Dort legte sie die Zeichnungen aus. Ein Bilderteppich wuchs, der alles überzog. Emilia hockte mit einer Tasse heißer Schokolade inmitten dieser Fülle. Tränen stiegen in ihr auf und ihre Atmung zitterte. Sie hatte sich damals keine Auszeit für eine Trauer gestattet, wollte einfach weiter funktionieren, den Ansprüchen gerecht werden. Damit ihr das möglich wurde, hatte sie sich emotional gepanzert und diese glatte Emilia-Wohnwelt geschaffen. Berührungslos, bedeutungslos. Jetzt platzte mit jedem Blick diese Schutzhülle auf.  Splitter aus Schmerz. Eingehüllt in die mütterliche Stimme, die aus jeder Linie aufstieg, saß sie da, sanftmütig, verletzlich und versunken. Tagelang? Sie spürte die Zeit nicht mehr. Sie aß nicht, trank nur diese Kakaomilch, schlief inmitten des Bilder-Caos‘, erschöpft vom Schauen und Erinnern auf dem Boden, nur in eine Decke gehüllt.</em><br /><em>Es klingelte. Wenig später klopfte es an die Terrassentür. Herzog griff nach der Klinke und stand plötzlich in dieser überbordenden Bilderwelt. Seine Stadtplanerin blickte ihn aus verquollenen Augen an. Irgendwie entrückt, vernachlässigt. Der mächtige Zweimetermann sah, dass hier kein Platz war für ihn und sein Anliegen. „Wollen wir ein paar Schritte gehen?“ Emilia Bach schüttelte ihren Kopf, „Ich habe Ihnen nichts zu sagen, und ich will auch nicht mit Ihnen durch die Heide spazieren.“ Er nickte und ging langsam hinaus, die Dorfstraße hinunter bis zur Brücke über das Döllnfließ. Herzog lehnte sich auf das blaue Geländer und sah dem Lauf des Wassers zu. Den hatte er auch schon spritziger gesehen. In der Hitze der letzten Sommer war aus dem Fließ in dünnes Rinnsal geworden.  Zeichen der Dürre, dachte der Mann, der im Frühling gerne mit der Naturwacht durch die Schorfheide wanderte. Fremde Augen beobachteten sein Ungeschick. Er spürte die fragenden Blicke hinter den Gardinen in seinem Rücken. Jemanden ungebeten zu besuchen, war ein unerwünschtes Eindringen. Er hätte sich ankündigen müssen. Aber konnte er ahnen, in welchem Zustand sich diese Kollegin befand? Und warum jetzt, fragte sich Herzog, warum hatte sie jetzt die Trauer geweckt? Nach so vielen Jahren? Er verstand es nicht und auch nicht den Rückzug der Bach in diese entlegene Gegend. Ja, sie hatte dieses Mutterhaus geerbt und gewiss war es schlau, es nicht gleich zu verkaufen. Häuser sind in diesen Zeiten wachsende Bankkonten und sie werden mit der globalen Völkerwanderung immer wertvoller. Aber muss sich die Frau gleich in dieser Einöde vergraben und sich den Jahreszeiten aussetzen? Das Leben in den Städten war doch viel smarter. Was war los mit dieser Emilia Bach. Sinnkrise? Sich ärgerlich gedacht, stieg der Mann in seinen schwarzen BMW und fuhr unverrichteter Dinge davon. So etwas war er nicht gewohnt, er würde ihr schreiben müssen&#8230;&#8220;</em></p>
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		<title>Morgenstunde (547. Blog-Notat)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Elsner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Aug 2021 13:35:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Morgenstunde - Blogkolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Morgenstunde 547]]></category>
		<category><![CDATA[Roman-Projekt]]></category>
		<category><![CDATA[Verwehte Lieben]]></category>
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<p>Der Vormittag gehörte dem wöchentlichen Beutezug. Ich habe das erste fette Suppenhuhn für diese Herbstsaison erstanden. Acht bis zehn Liter feine Hühnersuppe wird es ergeben. Gut die Hälfte friere ich. Das Tropfenwetter kommt mir auch gelegen, da kann ich mich verkriechen und schreiben. Habt ein schönes Wochenende allerseits!</p>
<p>Eine weitere Leseprobe aus <strong>“Die Zeit der weißen Wälder”</strong>, mein aktuelles Roman-Projekt:</p>
<p><em>&#8230;Es dämmerte als sie ihr Fremdenzimmer aufschloss. Flackerndes Licht zuckte darin. Die Frau trat ans Fenster und sah den Puppenspieler am Feuer hocken. In Jeans und Holzfällerjacke wirkte er nicht so klapprig wie in seinen dünnen Kostümen. Emilia zog sich einen dicken Pullover über und ging in den Hof. Sie wunderte sich ein bisschen, als sie an der Seitenmauer das Wanderhäuschen erblickte.</em><br /><em>„Du hier, wie kommts?“</em><br /><em>„Gelegentlich habe ich hier einen Stellplatz.“</em><br /><em>„Aha. Und, morgen wieder ein Parkplatzspiel bei Helga?“</em><br /><em>Er nickte und steckte wortlos eine zweite Kartoffel auf einen Holzspieß und legte sie in die Glut.</em><br /><em>Sie saßen im Feuerschein hingen ihren Gedanken nach. Als die Kartoffeln gar waren, reichte er ihr einen Spieß, ein Küchenmesser und eine Schale voll Kräuterquark. Während sie ihre Kartoffel pellte sagte sie: „Ich reise morgen ab.“</em><br /><em>Hans, der Täuscher sah verdutzt auf: „Schon alles gefunden, wonach du gesucht hast?“</em><br /><em>„Nein, aber die Steine sprechen nicht mit mir.“</em><br /><em>„Warum versuchst du es nicht mit den Menschen?“</em><br /><em>Sie blickte auf und ihre großen, traurigen Augen schauten ihn ganz ruhig an. Der Puppenspieler war vielleicht sechs, sieben Jahre älter als sie, aber ebenso ausgemergelt. Dieses Magere gab ihr einen speziellen Hinweis: „Manche Menschen verbrauchen sich schneller als andere. Sie brennen an zwei Enden und zerbrechen früh. Meist hinterlassen sie viel Liebe, aber auch einen elenden Schmerz, der nicht weichen will. Solange die Toten reden, sprechen die Lebenden nicht.“</em><br /><em>Dass hatte der Mann am Feuer nicht erwartet. „Deine Toten reden auch?“</em><br /><em>„Ja, manchmal.“</em><br /><em>Emilia stand auf und holte die Flasche Rotwein, die sie noch in Reichenbach gekauft hatte und die beiden Glasbecher. „Die hast du am Samstagmorgen vergessen.“</em><br /><em>„Nein, ich habe sie dir hinterlassen. Solche Becher haben Fredi und Harry auch geschliffen. Ich habe noch einige davon.“</em><br /><em>Emilia dankte, goss den Wein ein und reichte ihm einen Becher, dabei fiel sein Blick auf ihre Hand und er dachte bei ihrem Anblick: Noch fest, aber schon samtig. Das Leuchten der Haut bevor sie welkt. Er umschloss das Glas und ihre Hand mit seinen beiden Händen. Es war wie eine stille Bitte nach Nähe und Emilia wartete gerührt, bis er seine Hände wieder öffnete. Sie hatte es geahnt, dass dieser Mann ihr etwas bedeuten könnte. Vielleicht. Die beiden tranken und schauten schweigsam dem lodernden Feuer zu. Man wird vorsichtig nach verlebten, verwehten Lieben…</em></p>
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		<title>Morgenstunde (535. Blog-Notat)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Elsner]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Aug 2021 16:09:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Morgenstunde - Blogkolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Ateliergäste]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Morgenstunde 535 Romanprojekt]]></category>
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<p>Circa 20 Berliner Besucher kamen heute für eine Nachmittagsstunde ins Quartier. Alles Geimpfte. Dennoch bat ich die Gruppe, sich zu teilen, damit sich nicht zu viele in den Räumlichkeiten aufhalten. Während die einen schauten und blätterten, sahen sich die anderen derweil im Garten um. Die Stippvisite war schön gewesen und eine Handvoll meiner Bücher zog mit den Gästen davon. Bin zufrieden. Die kommende Woche wird wieder leiser und ich komme dazu, weiter zu schreiben.</p>
<p><strong>Hier mal wieder eine Leseprobe aus meinem aktuellen Romanprojekt:</strong></p>
<p><em>&#8230; Das Land stieg jetzt langsam zum Oberlausitzer Bergland an. Unweit entdeckte sie auf einem dieser langgezogenen Bergrücken den Puppenspielerwagen. Es gab wohl kein treffliches Abbild für die totale Einsamkeit. Sie bog auf den nächsten den Sommerweg ab und lenkte das Auto, wie bei einer Crossfahrt, um tiefe Löcher in der Lehmpiste. Auf der Kuppe angelangt, lief Emilia schnurstracks auf den Wohnwagen zu. „Tach! Ich wollte nur fragen, ob du diesen Mann kanntest?“ Sie hielt ihm demonstrativ das kleine Gauklerfoto vor die Nase und wartete.</em><br /><em>Hans, der Täuscher setzte sich eine alte Nickelbrille auf die schmale Hakennase, fingerte nach dem Foto und starrte es an. „Hm, Fredi, der Spezi von meinen Urgroßvater. Doch, ich kannte ihn.“</em><br /><em>„Ach, wirklich?“</em><br /><em>„Ja, wer nicht? Ein Unikum wird man nicht im Stillen.“ Er nahm die Brille wieder ab, steckte sie ganz bedächtig zurück in die abgegriffene Schutzhülle: „Und Sie, wonach suchen Sie mit diesem alten Foto?“</em><br /><em>„Wenn ich das so genau wüsste.“</em><br /><em>„Aha. Ein guter Grund um zu Reisen.“ Er sah nach diesem Satz so aus, als thronte plötzlich ein schwerfälliger Gedanke über seinem Dutt-Haupt, der ihn fortnahm, weit weg von der fragenden Frau ihm gegenüber. Er horchte in sich hinein und verstummte.</em><br /><em>Emilia ging grußlos. Ja, sie war auf Reisen und nun ein Mensch mit Zeit. Sie hatte diese Zäsur selbst gesetzt, war ihr nicht ausgeliefert, wie andere Leute, deren Lebensbrüche durch Krieg und Vertreibung, durch die Wende oder durch Naturkatastrophen herrührten. Sie war aufgebrochen, um die Spur des Gauklers aufzunehmen. &#8230;</em></p>
<p> </p>
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		<title>Nachtblau</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Elsner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Mar 2016 07:32:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märchen & Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Nachtbau]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Regen pladderte auf dem Fensterblech ein Rondo. Doch diese Wetterpoesie ließ keine Leichtigkeit wachsen, sie nervte nur noch. Der Sommer war einfach zu grau, zu kalt, zu einsam. Leonie fröstelte. In der Pfanne brutzelten Bratkartoffeln, sie hatte Hunger wie im Winter. Der Duft aus der Pfanne legte eine Gedankenspur in eine Zeit, als die &#8230; <a href="https://www.schorfheidewald.de/marchen-geschichten/nachtblau/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Nachtblau“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><figure id="attachment_3856" aria-describedby="caption-attachment-3856" style="width: 451px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/03/Zu-Nachtblau.jpg" rel="attachment wp-att-3856"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="3856" data-permalink="https://www.schorfheidewald.de/marchen-geschichten/nachtblau/attachment/zu-nachtblau/" data-orig-file="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/03/Zu-Nachtblau.jpg?fit=3282%2C1170&amp;ssl=1" data-orig-size="3282,1170" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Zu Nachtblau" data-image-description="" data-image-caption="&lt;p&gt;Zeichnung: Petra Elsner&lt;/p&gt;
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<p>Der Regen pladderte auf dem Fensterblech ein Rondo. Doch diese Wetterpoesie ließ keine Leichtigkeit wachsen, sie nervte nur noch. Der Sommer war einfach zu grau, zu kalt, zu einsam. Leonie fröstelte. In der Pfanne brutzelten Bratkartoffeln, sie hatte Hunger wie im Winter. Der Duft aus der Pfanne legte eine Gedankenspur in eine Zeit, als die Sommer noch Leichtigkeit waren oder schienen. Damals unterm weiten uckermärkischen Himmel – sonnabendnachts:<br />
Schwerer Rosenduft hing in den Gartenterrassen am See. Die Rockband hatte eingepackt, denn die übliche Lokalschlacht hatte sie schnell übertönt, und sie wollte nicht in die Keilerei hineingezogen werden. Es brauchte nie viel, um die Hitzköpfe der Dörfer in Position zu bringen. Jeder gegen jeden und jede Sonnabendnacht. Die Mädchen huschten in eine sichere Distanz und sorgten sich um ihren Favoriten. Chancenlos schrie der Wirt: „Raus, schlagt Euch draußen!“<br />
Da flogen schon die ersten Stühle, Holz und Scheiben barsten. Die Minuten dehnten sich. Niemand hätte später genau sagen können, wie lange die Prügelei dauerte. Nur der Dorfpolizist, der allein im Schatten seiner Amtsbarracke, die gleich gegenüber dem Rosengarten stand, wartete, hatte ein sicheres Gespür dafür, wann er nach dem großen Finale, die angeschlagenen Raufbolde gefahrlos trennen konnte. Dann schrieb er die Namen und die Schäden auf, stieg wieder auf sein Fahrrad und fuhr nach Hause. Er wurde hier nicht mehr gebraucht.<br />
Es war die Zeit, als man meist gefahrlos nachts von den ländlichen Tanzböden auf Waldwegen heim lief oder radelte. Die Zeit roch nach Bier, Club-Cola-Wodka, Rummel und schlechtem Deo.<br />
Nichts konnte Leonie damals davon abhalten, ihre Lust in süßer Sorglosigkeit auszuleben, bis sie abermals in einer schwülen Sommernacht auf einer Bank am gleichen See schlaflos auf die Morgenfrische wartete. Ihr Leib beulte sich und pochte. Wenn die Fischer nach ihren Reusen sehen, wird sie heimgehen, in der Hoffnung auf Schlaf in der Kühle des Morgens. Aber noch war es nicht so weit. Himmel und See ergossen sich noch in ein tiefes Nachtblau, das kaum einen Horizont kannte.<br />
Irgendwo tapste und hechelt etwas. Leonie zog die Schultern gerade nach hinten und späte nach dem Geräusch. Es kam schnell näher und dann lief er auf sie zu. Ein großer Schäferhund, der sich vor sie setzte und herzzerreißend jaulte.<br />
„Lass das, Bero, du weckst noch alle Hühner auf!“, flogen die Worte dem Hund hinterher. Ein Mann tauchte aus dem Dunkelblau, nicht alt, nicht jung, in schwarzen Lederhosen und grünem Parker. Er rauchte Zigarre und brummte: „Sitzen Sie ganz alleine hier rum?“<br />
„Sehen Sie doch oder?“ antwortete Leonie kühl.<br />
„Ist aber nicht gut, allein in der Nacht mit dem gefülltem Bauch. Gibt es keinen Beschützer?“<br />
„Gibt es nicht und wird auch nicht gebraucht.“<br />
„Aha“, brummte der Mann, zog an seiner Zigarre und paffte Kringel in die Luft. „Es ist sauschwül, keiner kann schlafen, nicht mal der Hund.“ Er hockte sich zu Leonie auf die Bank und tippte ihr sacht auf den Bauch und sprach gutmütig: „1972 wird ein guter Jahrgang.“<br />
Sie lächelte verklemmt.<br />
„Und, wie wird das Alleinstehend so werden?“, fragte der Mann und kraulte dabei seinen Hund.<br />
Leonie zog die Schultern hoch: „Mein Vater hat mir vorgerechnet, dass man mit 385 Mark Jungfacharbeiterlohn nicht klarkommt. Das merke ich gerade.“<br />
„Und, wenn er das herausgefunden hat, unterstützt er Sie?“<br />
„Leonie schwieg.<br />
„Echt nicht?“, raunte der Mann.<br />
„Er meinte nur, für solche wie mich, haben sie den Abtreibungsparagrafen gemacht, und wenn ich das nicht schnalle, dann solle ich mich auch allein kümmern“, erzählte sie tonlos.<br />
„Aha“, brummte der Mann wieder und schwieg in das Morgengrauen.<br />
Die Fischer zogen auf ihren Booten vorbei und Leonie streckte sich: „Ich geh dann mal.“<br />
Der Mann nuschelte: „Wird ja auch Zeit. Ich bring Sie noch durch den Rosengarten.“<br />
Der Hund sprang ihren gemächlichen Schritten voran, plötzlich stand und scharrte er. Als die Zwei bei ihm waren, sahen sie ein silbernes Fünfmarkstück. Und während der Mann sich bückte, es aufhob und es in Leonies Hand legte, scharrte Bero erneut und wieder brachte er ein Silberstück hervor und noch eines, bis zur Straße waren es neun. Leonie traute ihren Augen kaum, als der Mann sprach: „Reicht das für die nächsten Tage?“<br />
Die Frau war dem Mann mit dem Hund nie wieder begegnet, aber sie wusste seither: Das Glück muss einem unterwegs begegnen und nicht erst am Ende des Tunnels.<br />
<em>Petra Elsner</em></p>
<p><em>Mit dieser Geschichte möchte ich nochmals auf meine Lesung am 6. März, 15 Uhr, im Jagdschloss Groß Schönebeck (Schorfheide) aufmerksam machen. Ich lese dort aus meinem Buch &#8222;Vom Duft der warmen Zeit&#8220;</em></p>
<p><a href="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2020/04/Hut.jpg?ssl=1"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="10648" data-permalink="https://www.schorfheidewald.de/video-lesezeiten/lesezeit-15/attachment/hut/" data-orig-file="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2020/04/Hut.jpg?fit=984%2C944&amp;ssl=1" data-orig-size="984,944" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Hut" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2020/04/Hut.jpg?fit=840%2C806&amp;ssl=1" class="wp-image-10648 alignright" src="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2020/04/Hut.jpg?resize=136%2C131&#038;ssl=1" alt="" width="136" height="131" srcset="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2020/04/Hut.jpg?resize=300%2C288&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2020/04/Hut.jpg?resize=768%2C737&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2020/04/Hut.jpg?w=984&amp;ssl=1 984w" sizes="auto, (max-width: 136px) 85vw, 136px" /></a>Spende? Gerne!<br />
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		<title>Delle in der Zeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Elsner]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Feb 2016 19:46:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Vom Duft der warmen Zeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Lesekostprobe zur Lesung am 6. März 2016, 15 Uhr,  im Jagdschloss Groß Schönebeck (Schorfheide): Immer, wenn Ina sich entspannt für einen Termin entscheidet – irgendjemandem zum Geburtstagsbrunch zusagt oder zu einem literarisch-musikalischen Abend, kommt irgendwer daher und schiebt sich exakt mit seiner wichtigen Veranstaltung auf dieses freundliche oder festliche Datum. Am 4. wird Freundin &#8230; <a href="https://www.schorfheidewald.de/allgemeines/delle-in-der-zeit/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Delle in der Zeit“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Eine Lesekostprobe zur Lesung am 6. März 2016, 15 Uhr,  im Jagdschloss Groß Schönebeck (Schorfheide):</strong></p>
<p><figure id="attachment_3552" aria-describedby="caption-attachment-3552" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><a href="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/02/zu-delle-in-der-zeit.jpg" rel="attachment wp-att-3552"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="3552" data-permalink="https://www.schorfheidewald.de/allgemeines/delle-in-der-zeit/attachment/zu-delle-in-der-zeit/" data-orig-file="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/02/zu-delle-in-der-zeit.jpg?fit=3296%2C1106&amp;ssl=1" data-orig-size="3296,1106" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Zu &amp;#8211; Delle in der Zeit" data-image-description="&lt;p&gt;Zeichnung: Petra Elsner&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;Zeichnung: Petra Elsner&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/02/zu-delle-in-der-zeit.jpg?fit=840%2C282&amp;ssl=1" class="size-medium wp-image-3552" src="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/02/zu-delle-in-der-zeit.jpg?resize=300%2C101" alt="Zeichnung: Petra Elsner" width="300" height="101" srcset="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/02/zu-delle-in-der-zeit.jpg?w=3296&amp;ssl=1 3296w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/02/zu-delle-in-der-zeit.jpg?resize=300%2C101&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/02/zu-delle-in-der-zeit.jpg?resize=768%2C258&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/02/zu-delle-in-der-zeit.jpg?resize=1024%2C344&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/02/zu-delle-in-der-zeit.jpg?resize=1200%2C403&amp;ssl=1 1200w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/02/zu-delle-in-der-zeit.jpg?w=1680&amp;ssl=1 1680w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/02/zu-delle-in-der-zeit.jpg?w=2520&amp;ssl=1 2520w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a><figcaption id="caption-attachment-3552" class="wp-caption-text">Zeichnung: Petra Elsner</figcaption></figure></p>
<p>Immer, wenn Ina sich entspannt für einen Termin entscheidet – irgendjemandem zum Geburtstagsbrunch zusagt oder zu einem literarisch-musikalischen Abend, kommt irgendwer daher und schiebt sich exakt mit seiner wichtigen Veranstaltung auf dieses freundliche oder festliche Datum. Am 4. wird Freundin Sabine 40 Jahre alt und nun trötet der Briefkasten gehässig: „Ätsch, ich hab‘ hier noch eine Einladung des örtlichen Kulturvereins, genau zum 4. – mit einem großen, unausgesprochenen, aber gut fühlbaren MUSS versiegelt.“ Der Tag hat plötzlich eine Delle, ein blaues Auge, und Ina mag gar nicht mehr in diese sommerliche Kalenderzeile schauen, denn die suggeriert jetzt Stress. Sie ist schlicht sauer, dass jemand es wagt, in ihren Kalender zu spucken. Ihr mit seiner kurzentschlossenen Wichtigkeit ein schlechtes Gewissen zu impfen, denn nun muss sich Ina neu entscheiden, zwischen Fest und Notwendigkeit. Und die Zeit als unbekannte Dimension tickt augenblicklich schneller, und schneller und schon ist es geschehen: Die gehetzte Variante von Ina erscheint.<br />
Und weil die Zeit sich nicht verdoppelt und Ina immer vom Ernst des Lebens überrannt wird, kommt sie kaum noch zum Feiern. Das geschieht selbst in dem stillen Land, obgleich es doch den Stempel der gedehnten Zeit trägt. Und was ist mit Sex? Die gehetzte Variante von Ina hat keinen, denn Stress macht lustlos.</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Die zierliche Kindfrau balancierte lange auf extrem hohen High Heels von Termin zu Termin, um körperlich auf Augenhöhe jener Kerle zu sein, die die Verträge vergeben. Sie arbeitete eigentlich immer. Die Gedanken streng bei der Sache, strategisch und effizient in allem, was die gut gestylte PR-Frau auch tat. Erst nach dem zweiten oder dritten Weinschoppen konnte sie am Abend ihre fixierten Gedanken loslassen und vielleicht in die Weite schweifen. Aber für Sex war sie jetzt einfach viel zu müde, zumal es keinen festen Mann in dem Leben der Zarten gab, nur diese Sommerliaison mit Micha.</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Der Physiker war wie sie zeitlos unterwegs. Aber wenn der Sommer zur Hochzeit anstimmte, packte Micha seine Badehose ein und fuhr für drei Wochen aufs Land zu Tante Beate. Er hackte und stapelte ihr in dieser Zeit das Holz für den Winter, und sie verköstigte ihn dafür.<br />
Abends schaukelte Micha mit seinen Gedanken in der Hängematte zwischen zwei Bäumen. Er döste sich im Nachtblau von Stern zu Stern und dann hinein in die Sommermilchstraße von Gasnebel zu Sternenhaufen, als wäre er der Held in Douglas Adams Zukunftsrausch „Per Anhalter durch die Galaxis“. Er liebte dessen Spruch: „Keine Panik!“ und scharfe Getränke im Bademantel. Am dritten, vierten Ferientag zog es Micha ins Templiner Kino, dort traf er sie ­ ­– magisch von ihr angezogen.<br />
Wenn Micha auftauchte, nahm Ina spontan eine Auszeit. Sie schlief in den Tag, pflegte sich und perlte erwartungsvoll die verführerische Variante von Ina hervor, für die pure Lust im Heu oder in Beates Rosenbettwäsche. Seit fünf Jahren ging das schon so. Micha und Ina trafen sich sonnabends auf der Terrasse zum Jazz wie ein Tanzpaar für ein paar Sommerwochen, stolz und schön, ohne irgendein Versprechen. Sie zehrten beide davon das ganze nächste Jahr – zwei Rastlose auf dem Weg zum Workaholic-Dasein. Doch etwas war anders in diesem Sommer.</p>
<p><span id="more-3545"></span></p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Ihre biologische Uhr tickte nicht nur, sie schlug fünf vor zwölf. Inas ganze Energie steckte in ihrer Karriere. Sie hat anderer Leute Unternehmen mit klugen Konzepten stark aussehen lassen, aber sie selbst? Die Frau Mitte 30 weichte an diesem Nachmittag in der Badewanne und grübelte. Wo war ihr privates Glück? Was ist Glück, und wie sollte es aussehen? Kind oder Hund? Eine kleine oder eine große Familie? Der einzige Mann, der ihr bisher guttat, war dieser Physiker, der von Elementarteilchen schwärmte wie von den spektakulären Entladungen eines Vierseiten-Gewitters. Er war ein Poet der dunklen Materie, ein Feingeist der Gravitationswellen und -felder. Aber Familie mit Micha? Er würde sie auslachen und es mit so einem Spruch wie „Sisyphusse heiraten nicht.“ abtun. Doch einen anderen Mann konnte sie sich nicht in ihrem Leben vorstellen – im Sommer. Doch wer war dieser Micha im Winter? Mochte er Weihnachten? Hält er Winterschlaf, oder feiert er närrisch Fastnacht? Und würde es dieser geschliffene Stadtmensch überhaupt in einem ländlichen Winterhaus aushalten? Sie wusste es nicht. Sie kannte nur den entspannten Sommer-Micha. Als er sie letztes Jahr ein Stück mit in den Stadtherbst nahm, einfach so, übergangslos, hatte sie gekniffen. Sie mag die Großstadt nicht und: Letzten Sommer war Micha mehr in sie verliebt, als sie in ihn. Das wechselte von Jahr zu Jahr. Jeden Sommer war ein anderer von ihnen beiden mehr entflammt. Es traf sich nie, dass sie beide zugleich dieses starke Gefühl in sich spürten, für den weniger Engagierten war es einfach nur guter Sex.</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>„Na, du Job-Junkie, hast du die Reißleine gezogen“, spöttelte Ina, als sie Micha an diesem Abend traf. Sie sagte das, als hätten sie sich nur ein paar Tage nicht gesehen. Der sportliche Mann Ende 40 sprang auf, fasste nach ihren Händen und lächelte sie offen an: „Hi, meine schöne Sommerfrau.“ Nein, sie hatte sich kaum verändert. Er legte seinen Arm um sie und führte sie von der Terrasse zum Steilhang. Von dort hatten sie einen wundervollen Blick auf den Templiner See und auf das Blinken und Gleißen des Abendlichtes in den Wellen.<br />
„Gibt es etwas Neues in deinem Leben“, fragte Ina vorsichtig, denn es hätte ja sein können, dass der Wintermann eine Ganzjahresfrau gefunden hat.<br />
„Nö, alles beim Alten, die Elementarteilchen haben mich erst nach Hamburg, dann nach Zürich verschlagen, überall fremd geblieben, nirgends angedockt und du?“, fragte er lauernd zurück.<br />
„Och, auch wie immer – keine Zeit für nix. Aber jetzt, wo du da bist, mache ich natürlich frei“, zirpte sie vielsagend.<br />
Er lächelte und zog sie an seine Lippen, Vorfreude kribbelte in ihnen, noch während die Band ihr Equipment aufbaute, verschwanden die Zwei in der aufsteigenden Sommernacht. Sie liebten sich weich und geschmeidig bis ins Morgengrauen. Und im Einschlafen flüsterte sie ihm wie ein Hauch ins Ohr: „Ich wäre auch gern deine Winterfrau“, aber der Mann war eingeschlafen. Oder tat er nur so?</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Beate schepperte die große Kuhglocke im Hof und brüllte „Frühstück!“ dazu. Auch für sie standen frohe Tage ins Haus. Die Frau Mitte 60 empfand es einfach als schön, zusehen zu können, wie die Zwei jedes Jahr aufs Neue aufblühten. Und dazu gehörte ihr opulentes Frühstück mit Eiern im Glas, knackigen Brötchen, Ziegenkäse mit Kirschtomaten, Honig, Erdbeeren und Kaffee. Beate wünschte sich insgeheim, dass die beiden endlich auch den Alltag miteinander verbringen würden, hier auf ihrem schönen Fachwerkhof. Platz wäre genug. Ina könnte ihre kleine Mietwohnung aufgebe, und Micha käme an den Wochenenden heim. Eine leise Hoffnung der Landfrau, die vor Jahren ihrer sterbenden Schwester versprach, sich um Micha zu kümmern, was sie auch gehalten hatte. Sie war sichtbar stolz auf den Neffen, aus dem ein angesagter Grundlagenforscher geworden war, nur halt ein viel zu einsamer, bis auf die Sommerwochen mit Ina. Aber auch dieser Sommer verging, wie jeder andere in den letzten fünf Jahren: verschwenderisch, sinnlich, vergnüglich und unverbindlich. Ina aber fasste still einen Entschluss.</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Monate später. Am Freitag vor Pfingsten kam ein Anruf aus der Uckermark: Beate hatte sich das linke Bein gebrochen und brauchte kurzweilig Hilfe. Micha kaufte großzügig für die Feiertage ein und fuhr hinaus aus den heißen Stadtsteinen. Der Frühsommer verströmte wundervoll milde Wärme und den schweren Duft von Flieder. Die Natur leuchtete und stimmte den Mann am Steuer froh. Auf dem Weg würde er bei Ina kurz halten, vielleicht hatte sie Zeit und würde ihm seinen Aufenthalt bei Berta in Annenwalde versüßen. Noch nie waren sie Pfingsten miteinander unterwegs. Aber als er Inas Klingelschild in der Bahnhofstraße suchte, war es nicht aufzufinden. Er stand einigermaßen ratlos vor der verschnörkelten Tür des sanierten Gründerzeithauses, als eine Frau ins Freie trat und ihn fragend ansah.<br />
„Guten Morgen. Können Sie mir verraten, was mit Ina Meyer ist“, fragte er höflich.<br />
Die Frau war in Eile und antwortete nur kurz: „Ist im Januar weggezogen, ich weiß nicht, wohin, in irgendein Dorf in der Nähe.“<br />
Sie huschte an ihm vorbei, und Micha schaute ihr einen Moment verdutzt nach. Weggezogen? Hätte Ina ihm das nicht verraten, fragte er sich in Gedanken. Wohl nicht, im Winter gab es keine Nachrichten von ihr, aber vielleicht wusste ja Beate Genaueres. Er bestieg seinen Wagen und kurvte sich an den unzähligen Baustellen am Altstadtmarkt vorbei.<br />
In den Dörfern Röddelin und Beutel lehnte überall frisches Birkengrün an den Hoftoren. Micha schmunzelte, er mochte diese alten Bräuche. Die Birkenzweige gelten hier als Hoffnungsbündel. Beate hatte ihm den alten Pfingstbrauch „der Maien“ erklärt: Die Birke sei das Symbol für Kraft und Lebenswillen, für Trost, Licht und Heiterkeit. Das Aufstellen von Birkenzweigen soll die Freude über das Erwachen der Natur ausdrücken. Die Landleute glauben, dass bestimmte gute Kräfte der Birke auf den Menschen oder das Vieh übergehen würden. Die Kraft des ersten frischen Grüns sollte beispielsweise die Kühe veranlassen, besonders viel Milch zu geben. Alle alten Maibräuche finden zwischen dem „Säen und Mähen“ statt, also in einer bäuerlichen Atempause. Doch in dieser Zeit wohnte die ungewisse Erwartung über den Ausgang der Ernte. Micha stoppte am Waldrand und pflückte sich ein mächtiges Birkenbündel, mit dem er wenig später vor Beates Tür stand: „Hast wohl vergessen, rechtzeitig deinen Hof mit Maien auszustatten? So kannst du natürlich nicht heil bleiben!“ Micha und Beate grinsten und schlossen sich fest in die Arme.</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Beate stellte die Krücken neben die Eckbank in der Küche und ließ sich vorsichtig nieder, während Micha Kaffee ansetzte. Dann holte er seine Einkaufsschätze aus dem Auto, und die Tante zeterte: „Meine Güte, was hast du denn alles mitgebracht und die vielen teuren Gewürze!“<br />
Micha linste zu ihr und murmelte: „Wenn ich dich verwöhnen soll, brauche ich meine Utensilien, Maggikraut, Lauch und Petersilie ist mir etwas zu schlicht. Und der Braten soll natürlich auch eine schöne Besucherin an den Festtisch locken. Weißt du was von Ina?“ Er stellte Beates prächtige Sammeltassen auf den Küchentisch, goss Kaffee ein und hockte sich zu ihr. Aber die Tante zuckte nur mit den runden Schultern: „Ich hab‘ neulich mal in der Agentur beim Eulenturm reingesehen, war gerade in der Nähe, aber der Chef meinte nur, sie pausiere und sei nach Grunewald gezogen.“<br />
„Das ist ja seltsam, sie hat eigentlich nie von solchen Plänen erzählt.“ Der Mann zog bedenklich die Brauen hoch und schlürfte Kaffee vom Tassenrand. Beate blubberte leise vor sich hin: „Du weißt im Grunde gar nichts von deiner Sommerbraut.“</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Micha saß auf der kleinen Seebühne am Densowsee und fühlte mit den Fußspitzen nach dem Wasser. Es war noch eiskalt. Gedankenverloren hockte er in der Abendstille. Wieso war sie weg? Und warum dachte er eigentlich nur an Ina, wenn er bei Beate war? Sie waren doch ein Schwanenpaar. Ja, klar, unausgesprochen, aber doch eindeutig monogam. Diese seltsame Beziehung war ein Geschenk in jene Lebensjahre, die vollkommen den Jobs gehörten. Aber Arbeitsleben ist nur ein Teil und nicht DAS LEBEN an sich. Er wusste das, war aber noch nicht bereit, die Situation irgendwie zu ändern.<br />
Vom Gestüt kamen Feriengäste, die durch den Park spazierten und die bemerkenswerten Glasskulpturen des dorfansässigen Glaskünstlers betrachteten. Sie hatten alle einen Klappstuhl dabei und riefen dem Mann auf dem Steg zu: „Geben Sie heute das Ein-Stuhl-Konzert?“<br />
Micha winkte lachend mit einer Verbeugung ab und verdrückte sich. Im Park stellte indes eine Handvoll Leute Windlichter in weißen Papiertüten an den Weg, der hinunter zur Konzertwiese führte. Ein Mann im Frack mit einem Cellokasten an der Hand betrat den Sandweg und grüßte flüchtig im Vorbeigehen.<br />
Im Dorf summte der Abend. Der Wirt von der „Kleinen Schorfheide“ zündete gerade seine Feuerkörbe am Eingang zum gut besuchten Freisitz der Wirtschaft an und von der Kirche klangen helle Stimmen. Die Singgemeinschaft probte für den Pfingstgottesdienst. Nach Sonnenuntergang schwiegen endlich die unermüdlichen Rasenmäher, und von einem alten Lindenbaum flog lautlos und unbemerkt die Waldohreule auf zur nächtlichen Jagd. &#8230;</p>
<p><strong>Auszug aus &#8222;Vom Duft der warmen Zeit&#8220; </strong></p>
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		<title>Der Schatz der Baumriesen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Elsner]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 Jan 2016 08:42:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märchen & Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Buchveröffentlichungen]]></category>
		<category><![CDATA[Der Schatz der Baumriesen]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
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					<description><![CDATA[Diese Fantasy-Geschichte habe ich noch nicht als Lesekostprobe vorgestellt, was ich heute einfach mal nachholen muss: Der Schatz der Baumriesen Das tiefgrüne Land war wild und mächtig. Nur wenige tapfere Männer haben es je gesehen. Uralt war es, wie auch seine Bewohner, die Baumriesen. Niemand ahnte, dass sie heimlich wanderten. Langsam und unmerklich nahmen sich &#8230; <a href="https://www.schorfheidewald.de/marchen-geschichten/der-schatz-der-baumriesen-2/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Der Schatz der Baumriesen“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Diese Fantasy-Geschichte habe ich noch nicht als Lesekostprobe vorgestellt, was ich heute einfach mal nachholen muss:</p>
<p><figure id="attachment_3476" aria-describedby="caption-attachment-3476" style="width: 209px" class="wp-caption alignright"><a href="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/01/plakat-baumriesenlesung_bearbeitet-2.jpg" rel="attachment wp-att-3476"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="3476" data-permalink="https://www.schorfheidewald.de/marchen-geschichten/der-schatz-der-baumriesen-2/attachment/plakat-baumriesenlesung_bearbeitet-2/" data-orig-file="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/01/plakat-baumriesenlesung_bearbeitet-2.jpg?fit=1677%2C2409&amp;ssl=1" data-orig-size="1677,2409" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="Plakat Baumriesenlesung_bearbeitet-2" data-image-description="" data-image-caption="&lt;p&gt;Die erste Seite&lt;/p&gt;
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<p><em><strong>Der Schatz der Baumriesen</strong></em></p>
<p>Das tiefgrüne Land war wild und mächtig. Nur wenige tapfere Männer haben es je gesehen. Uralt war es, wie auch seine Bewohner, die Baumriesen. Niemand ahnte, dass sie heimlich wanderten. Langsam und unmerklich nahmen sich ihre Baumkinder jeden Frühling ein Stück neues Land von den Wiesen. So wuchs das Baumland zu einem mächtigen grünen Pelz der Erde heran.<br />
Natürlich hatte das Land der Baumriesen auch einen König. Hanjor, der friedfertige Seher. Und die Riesen bewahrten einen einzigartigen Schatz &#8211; die Elementekugeln: Feuer, Wasser, Luft und Erde. Hier schlug das Herz der Welt. Diese leuchtenden Kugeln hielt Loriell, die Tochter des Baumkönigs, unter ihrem Rindenkleid, in einer Asthöhle verborgen. Die gleich starken Kugeln mussten immer beieinander sein, um das Gleichgewicht der Erde zu wahren.<br />
Loriell wuchs deshalb dicht umstanden im Schutze ihrer vier Wächterbäume Robur, Benjo, Solan und Pikar heran. Schlank und schön. An einem kalten Dezembertag fiel plötzlich Eisregen ins Land der Baumriesen. Er umzog jeden Ast und jeden Halm mit einem glasklaren Mantel, der vom Wind angefacht den ganzen Wald zum Singen brachte. Es war ein klirrendes, bedrohliches Lied. Kaum später kam der Schnee.<br />
Tage und Nächte fielen Flocken aus dem Wolkengrau und legten sich schwer auf die alten Baumgestalten. Die ächzten und knarrten unter der Last. Es war die zarte Loriell, die als Erste in sich zusammenbrach. Der Kugelschatz erreichte im Fallen nicht einmal den Boden, denn der Wind fing sie auf und nahm sie mit sich fort. So sehr auch die Wächterbäume versuchten, dem stürmischen Gesellen den Weg zu verstellen, sie waren einfach zu steif gefroren, als dass sie wendig genug gewesen wären. Seither war es dunkel und kalt im Land der Baumriesen.<br />
<span id="more-3475"></span></p>
<p><figure id="attachment_3477" aria-describedby="caption-attachment-3477" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><a href="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/01/rabe.jpg" rel="attachment wp-att-3477"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="3477" data-permalink="https://www.schorfheidewald.de/marchen-geschichten/der-schatz-der-baumriesen-2/attachment/rabe/" data-orig-file="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/01/rabe.jpg?fit=2244%2C1701&amp;ssl=1" data-orig-size="2244,1701" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Rabe" data-image-description="" data-image-caption="&lt;p&gt;Zeichung: Petra Elsner&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/01/rabe.jpg?fit=840%2C637&amp;ssl=1" class="size-medium wp-image-3477" src="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/01/rabe.jpg?resize=300%2C227" alt="Zeichung: Petra Elsner" width="300" height="227" srcset="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/01/rabe.jpg?w=2244&amp;ssl=1 2244w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/01/rabe.jpg?resize=300%2C227&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/01/rabe.jpg?resize=768%2C582&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/01/rabe.jpg?resize=1024%2C776&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/01/rabe.jpg?resize=1200%2C910&amp;ssl=1 1200w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/01/rabe.jpg?w=1680&amp;ssl=1 1680w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a><figcaption id="caption-attachment-3477" class="wp-caption-text">Zeichung: Petra Elsner</figcaption></figure></p>
<p>Eines Tages gelangte der Wanderarbeiter Melchor in diesen großen Wald. Ein Rabe kreiste weithin sichtbar über den schneebedeckten Wipfeln. Der Vogel hatte den<br />
Menschen schon lange im Visier. Doch als er näher kam, krächzte der Schwarze warnend vom Himmel: „Geh nicht weiter! Hinter der Waldkante wohnt ein kalter<br />
Atem, der jedes Leben gefrieren lässt!“<br />
Aber der Wanderer schaute mit scharfem Blick in die Höhe und winkte gelassen ab. Er war unerschrocken und wollte sich nicht von einem Vogelgezeter aufhalten lassen.<br />
„Ich habe schon die halbe Welt gesehen, da wird mich ein bisschen Kälte nicht schrecken.“<br />
Seit Kindesbeinen war Melchor allein unterwegs und wusste, dass Angst ist kein guter Gefährte ist. Man muss sie durchschreiten, um sie hinter sich zu lassen.<br />
Er lief schon ein gutes Stück, als ihn der Frost höchst unangenehm in die Nase biss. Hätte er doch auf die Warnung des Vogels hören sollen? Ach was. Er schlug den Kragen hoch, trug Reisig zusammen und zündete sich ein Lagerfeuer an. Just dort, wo Robur,<br />
Benjo, Solan und Pikar stocksteif standen.<br />
Und weil der Wanderer immer noch unter seinem Lodenmantel unendlich fror, nährte er das Feuer reichlich, so dass die Wächterbäume langsam tauten.<br />
Melchor war den ganzen Tag unterwegs gewesen. Diese lausige Kälte zehrte wirklich an seiner Kraft und die Augenlieder wurden ihm schwer, als Robur hustete.<br />
„Äähi, äahihi. Ähüühühü.“<br />
Der schlummernde Mann im flackernden Licht schreckte auf. „Wer ist da?“ Er sah nur Baum an Baum. Doch dann riss er seine Augen weit auf, denn er blickte hoch über sich in ein schrumpeliges Borkengesicht. Knautschig und uralt. Es bewegte sich und atmete. Schnee rieselte dabei von dem rissigen Antlitz. „Hui, wo bin ich denn hingeraten?“, fragte der Jüngling unbeschwert und sogleich wieder hellwach.<br />
Er sprang auf seine Füße, klopfte sich den Schnee vom Mantel und nährte das inzwischen leise züngelnde Feuer. Dann schaute er wieder aufwärts in das knarrende Holz der Waldkronen.<br />
„Ins Land der gemütlichen Baumriesen“, fiel eine Antwort hinab.<br />
„Gemütlich?“, spöttelte Melchor, während er seine klammenFinger nach der Wärme des Feuers ausstreckte.<br />
„Zumindest war es so, bevor uns der kalte Atem von Gora, der Winterhexe, traf. Davor lebten wir heiter den Zauber der schönen Jahreszeiten, wiegten uns biegsam im Wind und schenkten der Welt unsere Heilkraft und einen gesunden Atem.“<br />
Inzwischen tauten auch die anderen Wächterbäume an. Pikar blinzelte, Solan schniefte, Benjo runzelte seine Borkenstirn und sprach noch etwas brüchig:<br />
„Wenn der Frost nicht bald unsere Körper verlässt, werden all die Baumriesen sterben, die noch hier stehen.“ Dazu seufzte er schwer.<br />
„Was redest du so mutlos?“ Melchor schüttelte unwirsch seinen Kopf und fütterte das Feuer wieder mit Holz. Jetzt schien es ihm, als würde der ganze Wald weinen oder taute es nur? Nein, wirklich, die alten Baumgiganten weinten voller Trauer. Manche Borkenkleider platzten, andere verloren weiter schwere Äste, fast allen aber liefen dicke Säfte aus den dunklen Gesichtern.<br />
„Was ist mit euch?“, rief Melchor erschrocken. Sein ganzer Körper war gestrafft wie eine Sehne, und das verwegene Dunkel seiner Augen spähte von Baum zu Baum.<br />
„Wir trauern um Loriell“, wehte es wie aus einer Stimme durch den Wald.<br />
Die Tropfentöne klangen unheilvoll und der Wanderer fragte besorgt: „Was ist mit ihr geschehen?“<br />
„Gora hat sie gebrochen und den Schatz des Gleichgewichts der Welt geraubt. Nun kämpfen die Elemente um die Macht und gefährden damit alles Leben. Sei vorsichtig mit deinem Feuer, es könnte sich zu viel von der Luft nehmen und dich verletzen.“<br />
Melchor stocherte in seiner Glut und sah verwundert, wie groß die Funken waren, wie von Luft aufgeplustert. „Kann ich etwas tun, irgendwie helfen?“<br />
Robur knarrte abwehrend: „Du, kleiner Mensch? Was kannst du schon ausrichten?“<br />
Melchor richtete sich auf und sprach aus stolzer Brust: „Ich bin schon in manchen Kampf geraten. Ich kann Eisen schmieden und Wunden heilen. Seit Jahren bin ich als Wanderer unterwegs, um die Geschicke der Menschen zu erlernen und mein Glück zu finden. Bestimmt kann ich euch nützlich sein.“<br />
Die Wächterbäume steckten die Kronen zusammen und tuschelten leise miteinander:<br />
„Ob wir ihm trauen können?“ „Er ist doch viel zu schwach!“ „Kein Mensch kann es mit den Urgewalten aufnehmen!“ „Und wie soll der gegen den Zauber der Winterhexe ankommen? Sie ist mächtig wie nie.“ „Wir haben keine andere Wahl. Wir brauchen einen Läufer, einen, den der Mut trägt. Es wird so rasch nicht wieder ein tapferes Wesen<br />
vorbeikommen…“</p>
<p>Das leise Raunen der Kronen dauerte noch lange. Der junge Mann am Boden spitzte die Ohren. Er lauschte neugierig, verstand aber nichts und stach deshalb ein wenig trotzig ins Feuer, so dass die Funken stiebten, groß wie Vogeleier. Die vier Baumgestalten kamen ihm mehr als schrullig und sonderbar vor. Schon lange hatte er nur noch auf sich selbst und die Stimme seines Herzens gehört. Es gab keinen, der ihn beriet oder dessen Meinung er abwarten musste. Hier und da nahm er eine kleine Arbeit an, um dann sogleich weiterzuziehen. Immer nur den nächsten Schritt, denn er hatte keine Vorstellung davon, wie sein Glück aussehen sollte, und wo er es finden konnte.<br />
Es verging die halbe Nacht, bis Robur sich verlegen räusperte: „Wir sind uns nicht gewiss, aber du scheinst uns mutig genug zu sein. Als Bote. Hier, nimm diese Rute. Sie stammt von Loriell. Verwahre sie gut und bringe sie ihrem Vater. Geh zu dem Hügel im Mittelpunkt unserer Baumwelt. Dort findest du Hanjor, unseren König. Er wird entscheiden, ob er dich gegen Gora sendet oder davonschickt. Aber hüte dich, unser König wird von Eisa, einer mächtigen Dienerin der Winterhexe, bewacht. Der Weg ist weit, wir können dir nur unseren schnellen Wunderhirsch Aron zur Seite stellen.<br />
Er wird dich tragen und geleiten.“<br />
Indem trat ein weißer Hirsch aus dem kalten Dickicht. Sein Geweih blitzte blank wie Stahl, aber seine Augen schauten den Jüngling milde und warm an. Melchior staunte, doch er zögerte keinen Augenblick. Kraftvoll lief er auf das edle Tier zu und sprach: „Habt Dank für das Vertrauen, ich werde euch nicht enttäuschen!“<br />
Er sprang auf den Rücken des Tieres und preschte mit ihm davon &#8230;</p>
<p><figure id="attachment_3478" aria-describedby="caption-attachment-3478" style="width: 300px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/01/aron-und-melchor.jpg" rel="attachment wp-att-3478"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="3478" data-permalink="https://www.schorfheidewald.de/marchen-geschichten/der-schatz-der-baumriesen-2/attachment/aron-und-melchor/" data-orig-file="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2016/01/aron-und-melchor.jpg?fit=3288%2C2872&amp;ssl=1" data-orig-size="3288,2872" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="Aron und Melchor" data-image-description="" data-image-caption="&lt;p&gt;Zeichnung: Petra Elsner&lt;/p&gt;
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		<title>Gerdas Hofgesellschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Elsner]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Sep 2015 07:26:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märchen & Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Gerdas Hofgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Leseprobe aus meinem neuesten Buch &#8222;Vom Duft der waren Zeit&#8220;, erschienen bei der Verlagsbuchhandlung Ehm Welk: Wer fliegen will, muss auch landen können. Gerdas Hofgesellschaft Der Schattenriss schwankte mit einem Humpen Bier in der Hand auf dem Kieshaufen unter der Laterne und rief in die Nacht. „Ich bin so leer, so schwer, schenk mir &#8230; <a href="https://www.schorfheidewald.de/marchen-geschichten/gerdas-hofgesellschaft/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Gerdas Hofgesellschaft“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Leseprobe aus meinem neuesten Buch <a href="http://www.buchschmook.com/product_info.php?info=p17_vom-duft-der-warmen-zeit.html">&#8222;Vom Duft der waren Zeit&#8220;</a>, erschienen bei der Verlagsbuchhandlung Ehm Welk:</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Wer fliegen will, </strong><br />
<strong> muss auch landen können.</strong></p>
<p><a href="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2015/09/gerdas-hofgesellschaft-kl.jpg"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="3197" data-permalink="https://www.schorfheidewald.de/marchen-geschichten/gerdas-hofgesellschaft/attachment/gerdas-hofgesellschaft-kl/" data-orig-file="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2015/09/gerdas-hofgesellschaft-kl.jpg?fit=982%2C348&amp;ssl=1" data-orig-size="982,348" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Gerdas Hofgesellschaft-kl" data-image-description="" data-image-caption="&lt;p&gt;Zeichnung: Petra Elsner&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2015/09/gerdas-hofgesellschaft-kl.jpg?fit=840%2C298&amp;ssl=1" class="size-medium wp-image-3197" src="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2015/09/gerdas-hofgesellschaft-kl.jpg?resize=300%2C106" alt="Zeichnung: Petra Elsner" width="300" height="106" srcset="https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2015/09/gerdas-hofgesellschaft-kl.jpg?w=982&amp;ssl=1 982w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2015/09/gerdas-hofgesellschaft-kl.jpg?resize=300%2C106&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.schorfheidewald.de/wp-content/uploads/2015/09/gerdas-hofgesellschaft-kl.jpg?resize=768%2C272&amp;ssl=1 768w" sizes="auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px" /></a></p>
<p><strong>Gerdas Hofgesellschaft</strong></p>
<p>Der Schattenriss schwankte mit einem Humpen Bier in der Hand auf dem Kieshaufen unter der Laterne und rief in die Nacht. „Ich bin so leer, so schwer, schenk mir einen Grund zu leben oder zünd&#8216; ein Licht für mich an.“ Der Mann schlug mit der flachen Hand verächtlich in die Luft und jaulte dann rhythmisch weiter: „Nichts hält für die Ewigkeit, deine Briefe sind geschreddert, ausgelöscht sind sie für alle Zeit, doch der Schmerz quält mein Fleisch und ich hab keinen Halt.“<br />
„Ruhe“ brüllte es von der finsteren Fassade im zweiten Stock. „Lass deinen Katzenjammer anderswo los!“<br />
Der Mann auf dem Kies blickte verschwommen auf und rief in das Dunkel: „Was heißt hier Katzenjammer – ich übe. Für den Dichterwettstreit. Er nahm einen großen Schluck und lallte weiter: „Ja, deine Briefe sind jetzt Datenmüll, zum Streifenkonfetti mutiert.“ Er spuckte die Worte, die ihm sein Herz diktierte, wie Kirschkerne aus. Julian mit der schwarzen Mütze war verlassen worden und schrie seinen Schmerz als Seelenlichter in die Nacht, doch das Rauschen seines aufgewühlten Blutes war lauter: „Wir waren doch eins – jetzt haust nur noch die Erinnerung in mir …“<br />
„Früher hätten wir Nachtpötte über dich gegossen, hau‘ ab“, schnauzte es vom Balkon.<br />
„Oho, das traust du dich nicht“, grölte Julian zurück.<br />
Plötzlich plätscherte es neben der Mützengestalt und von oben sagte jemand anderes: „Es geht auch ohne.“ Getroffen hatte er nicht, aber Julian preschte vom Hügel und wankte in Richtung Nirgendwo davon.</p>
<p>Die Hühner badeten im Sand, scharrten und pickten auf dem Hof. Julian schlich leichenblass von Gelege zu Gelege und sammelte die braunen Eier ein. Sein Kopf brummte. Gerda Fiebelkorn fegte energisch das Hoflädchen, als er ziemlich zerknittert ihr seine Tagessammlung brachte. „Du hast auch schon mal frischer ausgesehen“, kommentierte sie kurz und spitz seine schlappe Erscheinung. „Trägst du mir noch das Gemüse vor die Tür?“<br />
Julian nickte der Großmutter zu und hievte die Kartoffelkörbe und Salatstiegen unter den großen Sonnenschirm. Gerda kam mit einer Karaffe Brunnenwasser hinaus, warf zwei Sitzkissen auf die Bank neben der Tür, goss die zwei Großvatergläser voll und sah zu Julian: „Komm, hock dich her, was ist los, mein Jung?“<br />
Mit Gerda auf der Bank, das ist immer gut. Ihre aufgeräumte Art. Ganz gleich was das Leben spielte, Großmutter war für ihn da, immer und ohne Umstände. Er setzte sich zu ihr, und sie tranken das Brunnenwasser aus den schönen Abrissgläsern. Die waren noch von Gerdas Großvater und sie servierte darin Wasser als wäre es Wein. Kostbar eben. Er fingerte versonnen über das geschliffene Monogramm in dem Glas. Hundert Jahre alt und immer noch schön. Er fühlte wie das Wasser langsam seinen inneren Brand löschte. Er schenkte sich nach und schwieg immer noch. Gerda beobachtete eine Bachstelze, die über die Katzenköpfe stolzierte. Sie sah aus, als würde sie dabei einen unsichtbaren Schlapphut durch die Luft tragen.<br />
„Hanna hat Schluss gemacht.“<br />
„Ach, das ist schade, mein Jung.“<br />
„Alle müssen hier weggehen, um was zu werden. Und Hanna meint, wenn sie das Herbstsemester in New York beginnt, dann schläft unsere Beziehung sowieso ein, da könne man sich ja schon die letzten großen Ferien anderweitig umsehen. Das ist doch blöd“, schimpfte Julian.<br />
„Saublöd“, setzte Gerda trocken nach.<br />
„Vielleicht hat sie ja auch Recht: sie in Übersee und ich an der Eberswalder Wald-Uni.“<br />
Gerda seufzte: „Der eine hat halt große Flügel und der andere tiefe Wurzeln. Da kann man nichts machen.“<br />
„Vielleicht sollte ich lieber Slam-Poet werden und das mit dem ökologischen Landbau lassen. Als Slamer kommt man gut rum“, sinnierte der junge, traurige Mann.<br />
„Nö, wenn dann beides, das passt auch zusammen – Natur und Literatur“, fand die Großmutter.<br />
„Oma, das ist mehr als nur Gedichte schreiben. Das ist Bühnenliteratur. Es geht nicht nur um die Worte, sondern die Art des Vortrags als eine stimmige Inszenierung mit knackiger Performance, verstehst du?<br />
„Verstehe, Kunst und Comedy.“<br />
„Na, das kann es auch sein… auf jeden Fall geht es darum, den eigenen Texten Leben einhauchen bis sie eine gute Bühnenreife haben. Soweit bin ich aber noch nicht.“<br />
„Na, der Karl aus Angermünde hat heute früh beim Käse liefern gemeint, deine nächtliche Performance in der Rosenstraße, wäre bühnenreif gewesen.“<br />
„War ich in der Rosenstraße?“<br />
Gerda zog eine Braue vielsagend hoch und nickte.<br />
Der junge Mann sah seine Großmutter von der Seite aus an, ihre hohe, kluge Stirn und die schönen Lachfalten. Er war allein, aber wollte er frei sein? Nicht wirklich. Sie war allein und frei – aber war sie es gern? Er zweifelte daran, schon lange und war etwas besorgt, was werden würde, wenn auch er einmal fort wollte oder müsste.<br />
Gerda spürte Julians fragenden Blick, sie griff nach seiner Hand, drückte sie leicht und sagte ihm sanft: „Geh‘ unter Leute und versuche sie loszulassen. Es wird ein Weilchen dauern, bis es nicht mehr wehtut.“</p>
<p>Abends saß Gerda wieder auf dieser Bank – tief in Gedanken versunken. Die Vögel schilpten und zwitscherten eine Woge ins Abendrot, bevor sie mit dem Untergang des Feuerballs verstummten. Bilder flackerten vor dem geistigen Auge der Frau auf. Die von Rudi, ihrem galanten Ex, und die von ihren Kindern, alle waren sie weit weg von hier, sie aber konnte nicht weggehen, auch als es keine guten Jobs mehr gab. Sie hatte diese tiefe Wurzel in dieser anmutigen Landschaft, die sie so sehr liebte, aber um sie wurde das stille Land noch stiller.<br />
Gerda atmete tief und seufzte in das milde Abendlicht. Die Katze strich ihr um die müden Beine und schurrte, als sie nach ihr griff. Diese tiefe Wurzel konnte schmerzen, weil sie dem Phantomschmerz all der entrissenen Teile nachspürte. Gerda klagte nicht. Ihre Liebe war und ist bedingungslos. Die Tage vergingen, die Monate, die Jahre, in denen sie Julian allein aufzog. Er hatte diese tiefe Wurzel auch. Ihre Gedanken kreisten um das Was-würde-sein, wenn auch er ginge – der Arbeit oder der Liebe wegen? Sie dachte an Rudi, seine schönen, gepflegten Hände, die hätten es ihr verraten müssen, dass sie nie schwer arbeiten würden. Rudi war ein Schlawiner, der sich schnell wieder verdrückte, als ihr die Kinder die Jugend und die schlanke Taille nahmen. Sie hatte keine Zeit, ihm nachzuweinen, sie musste arbeiten, die Kinder versorgen, den Hof erhalten. Jeden Tag aufs Neue. Nur in manchen Nächten war es ihr hundeelend so allein. Dann zog sie los, mit dem Fahrrad in die Stadt, auf irgendeinen Tanzboden oder in die Bahnhofskneipe und holte sich einen Mann aus der Nacht, und wenn es hell wurde, verschwand sie, wie sie gekommen war. Sie nahm sich nur, was sie gerade brauchte. Einen Mann für den Tag suchte sie nie wieder. Kein Vertrauen.<br />
Gerda spürte, das Leben zog inzwischen wie ein Luftzug an ihr vorbei. Das öffentliche Tempo raste, während ihres die Stille umströmte, wenn Julian nicht bei ihr war. Aber sie durfte sich nicht seiner Energie bemächtigen. Auf keinen Fall. Sie hatte eine andere Idee und für die wurde es nun Zeit..<br />
Am nächsten Morgen gab sie im Büro der Regionalzeitung eine Annonce auf: „60-Jährige gründet eine Hofgesellschaft. Gesucht werden für diese Wohngemeinschaft fitte Alte mit dem Drang zur Aufgabe (Koch, Hausmeister, Maurer, Buchhalterin, Hauswirtschafterin, Gärtner, Tierpfleger – was ihr könnt), die miteinander gleichberechtigt und selbstbestimmt leben. Die Gründung ist für September vorgesehen, Vorstellungen bitte umgehend.“</p>
<p>Am Montag kam Harry. Hektisch und hochrot stand er vor Gerda. „Tach, ich komme wegen der Anzeige. Interessiert mich, kann ich mir erst einmal den Garten ansehen, bevor wir was bereden?“ Sagte es und war schon an Gerda vorbei, mit großen Schritten über das Kopfsteinpflaster des Dreiseitenhofes, dem Grünland entgegen mit den Gemüse- und Kräuterbeeten. Er pfiff leise durch seine Zahnlücke und verlor plötzlich goldene Sätze: „In den Teich muss ein Stück Kupferrohr rein, dann wird das Wasser glasklar. Und das hier soll eine Kopfweide werden? Die zerreißt der Wind, wenn man sie nicht lichtet.“ Er sah Gerda streng und gewichtig an: „Sieh, dort unten klafft schon ein Riss am Stamm. Solche Baumwunden musst du desinfizieren. Ist ganz einfach. Eine Knoblauchknolle zerstampfen, in ein Marmeladenglas geben, Wasser drauf, drei Wochen stehen lassen, dann die Tinktur auf die Wunde streichen und alles wird gut.“ Er stampfte weiter und sah „ Ah, du machst Brennnesseljauche, das ist gut, aber Rainfarnjauche bewirkt das Gleiche und stinkt nicht ganz so. Die Brombeerruten musst du zu Bögen binden, dann werden sie schön dicht und tragen mehr. Das kannst du auch mit deinen Kletterrosen machen. Übrigens wenn mal wieder die Mücken nerven, so einen Wedel vom Essigbaum vor dem Partyabend einfach in eine Badewanne mit kaltem Wasser hauen und abends beim Sitzplatz aufhängen, den Duft mögen die fiesen Stecher gar nicht. Die Eibe da sieht aber dürr aus! Du musst beim Pflanzen nicht nur das Pflanzloch wässern, sondern den Wurzelballen richtig mit Erdschlamm einschwämmen. Der Schlamm umschießt sofort die feinen Wurzeln, es bilden sich keine Luftkammern, die oftmals zum Vertrocknen der Pflanze führen …“  Der Mann mit dem schrägen Schlapphütchen lächelte verschmitzt in Gerdas verwundertes Gesicht und dann sagt er noch: „Ich könnte ja hier den Gärtner geben, die Bäume beschneiden und das Holz machen, wenn gewünscht.“<br />
Die Frau zeigte ihm noch die vielen freien Zimmer und Harry nickte wohlwollend, dann schob ihn Gerda wieder vor die Hoftür: „Wir überlegen uns das mal, Sie hören von mir.“<br />
Harry zückte noch eine zerknitterte Visitenkarte aus der Brusttasche seiner grünen Latzhose, stieg ächzend in seinen weißen Transporter. Blitzschnell war er wieder fort. Gerda holte tief Luft und dachte, das kann ja heiter werden.</p>
<p>Gegen 11 Uhr erwachte Julian aus einen Ferientraum und schaute aufgeräumt kurz in den Hofladen: „Hattest du heute schon Besuch?“<br />
„Ja, komm, ich will dir was erzählen.“<br />
Dann saßen sie wieder auf der Bank bei der Karaffe Brunnenwasser, in der Hand die schönen Großvatergläser und Gerda begann: „Du weißt, der Hof ist viel zu groß für uns beide allein, und ich will nicht, das du dich krumm schuftest und dich angebunden fühlst, weil meine Kraft nachlässt. Ich habe mir schon lange etwas überlegt und finde, jetzt ist es soweit, es anzupacken.“ Julians Augen hafteten fest auf seiner Großmutter, er spürte, es wird einen Wandel geben und was hatte sie vor?<br />
Gerda atmete tief durch und sprach nun ganz klar: „Ich möchte eine kleine Hofgesellschaft gründen. Eine Art Alters-WG, in der jeder eine feste Aufgabe hat. Für eine gewisse Tageszeit und in den verbleibenden Stunden selbst entscheidet über Nähe und Distanz.“ Sie blätterte in ihrem Notizblock, suchte nach den Skizzen: „Sieh mal, ich habe mir gedacht, die Wand zum Wohnzimmer rauszunehmen. So entsteht die große Gesellschaftswohnküche, und die anderen fünf Zimmer bekommen alle ein kleines Bad, damit es keinen Stress gibt. Du ziehst ins Gartenhaus und hast dort deine Selbständigkeit. Die Ferienwohnung darin hat alles, was du brauchst, sie gehört jetzt dir. Zum Essen kannst du natürlich kommen, wenn du willst.“ Julian staunte mit offenem Mund und freute sich zugleich: „Man, Oma, das ist eine tolle Idee!“<br />
Sie sah ihn erleichtert an und murmelte noch: „Vielleicht kann ich ja auf diese Weise den Hof noch gut zehn Jahre bewirtschaften. Mit der Kraft aller Bewohner, die zwar alt und allein sind, aber nicht reif fürs Altersheim. Und wenn das Modell mal so oder so ausläuft, bleibt eine Art Pension übrig, aber das ist dann deine Baustelle.“</p>
<p>Harry ließ sich nicht wieder blicken, er hatte seinen Auftritt. Aber auf dem Hof war ein reges Kommen und Gehen von Handwerkern und interessierten Kandidaten. Laute und leise, viele, die wieder gingen.<br />
Heinz kam auf einem weißen Pferd, in den Satteltaschen ein geistiges Tröpfchen. Zwei genauer gesagt. Er sah aus wie jener Wildtöter aus einem alten Indianerfilm und schwadronierte amüsant, aber er roch scharf. Heinz wollte gar kein Quartier, er lebte schon seit Jahren im Wald, vielleicht aber bekäme er im Winter hier mal ein warmes Süppchen. Gerda sah hinüber zu Ilse, die nickte.<br />
Die verschlossene, wortkarge Ilse war als Erste eingezogen. Tüchtig und höflich hantierte sie in der Küche, die sie zu ihrem Arbeitsbereich erklärte. Abends lag die kleine, zähe Frau in einem alten Liegestuhl beim Haus und verschlang schmachtend Liebesromane bis ihr die Augen zufielen. Gerda deckte sie dann führsorglich mit einer Decke zu. Sie war froh über die Hilfe im Haus, ihr blieben das Gemüse und der Hofladen.<br />
Klaus-Dieter machte nicht viel Worte, er guckte und wohnte erst einmal eine Woche zur Probe. Er hackte Holz und räumte den alten Stall auf. Währenddessen kam die Elfriede hinzu, mit roten Lippen und gut gekleidet. Klaus-Dieter half beim Einzug und entschied sich prompt zu bleiben. Elfriede war geschickt mit der Wäsche, dem Haarschneiden und sonstigen Dekorationen. Alles unentgeltlich, dafür mietfrei, die Unkosten teilten sie alle miteinander. So verstrich die sonnenhelle Sommerzeit.<br />
Gerdas Hofgesellschaft war beinahe komplett, da läutete an einem nebelverhangenen Tag die Hofglocke. Es war Gerda, als hätte sie den Ton schon einen Augenblick vor dem Klang gehört. Sie war irritiert, stiefelte hastig über den Hof, zog ruckartig am Türriegel, öffnete die Tür und sah wie vom Blitz getroffen in zwei Augen, blau wie ein Sommerhimmel.<br />
„Sie suchen einen fitten Alten mit handwerklichem Geschick“, fragte der kantige Mann vorsichtig in ihren Blick. Der zurückhaltende Bernhard hatte lange gezögert, ob sich der Weg hierher überhaupt lohne, doch als er in die Hofgesellschaft eintrat, blieb er sofort, sturmfest und erdverbunden. Und die Stille schwieg, denn das Leben strömte großzügig hinein in Gerdas feine Hofgesellschaft.</p>
<p>*** (pe)</p>
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