Milchmond (2)

Öffentliche Winterschreibarbeit zur Kriminalgeschichte “Milchmond” von Petra Elsner.

… Kurz bevor sie bei dem großen Kiefernwald ankam, schien es ihr, als blitzte das Licht sehr viel heller durch die schwarz-grünen Kronen. Doch als die Läuferin Rosas Wald erreichte, lang dort nur ein großes Nichts. Nadelgrün bedeckte wüst den Boden. Die Rangerin griff augenblicklich zum Smartphone. Nahe des Nachbardorfes hatte sie, Gott sei Dank, sogar ein Netz, also rief sie umgehend bei der Polizeiinspektion Prenzlau an. „Ich möchte einen Holzdiebstahl melden. Beim Jagen 28 in der Schorfheide. Der Privatwald gehört Rosa Nagel. Ich schätze rund einen Hektar wurden hier über Nacht geklaut, ganz offenbar mit großem Gerät….“
Eine Stunde später standen zwei Revierpolizisten von dem kleinen Fachwerkhaus der alten Frau Nagel und stellten distanziert ihre routinemäßigen Fragen. Im Stehen, denn Rosas Krückstock zeigte ganz deutlich an: Bis zur Tür und nicht weiter!
Die Männer machten der bestohlenen Waldbesitzerin wenig Hoffnung, dass man die Diebe irgendwann wirklich schnappen würde. Schließlich sei die offene Grenze nach Polen nicht weit, aber auch einheimische Experten seien unter den Holzdieben zu vermuten. Dass gefällte Baumstämme, die bereits am Wegrand aufgestapelt liegen, gestohlen werden, sei leider nicht so selten und hänge damit zusammen, dass der Holzpreis in den letzten Jahren arg gestiegen sei. Dagegen können man mit einem sogenannten GPS-Tracker einiges in der Verfolgung ausrichten – aber einen ganzen Wald nachts zu fällen und abzutransportieren, dass sei eine völlig neue Dimension! Ja, man würde noch mit den Jägern sprechen, vielleicht haben deren Nachtkameras etwas eingefangen. Vielleicht. Mit den Worten: „Wenn, dann hören Sie von uns! Schönen Tag noch, Frau Nagel“, waren die Männer keine fünf Minuten später wieder auf und davon.
Rosa schnaufte und schlürfte gebeugt mit der geschulterten Last der gehörten Fakten zurück in die häusliche Stille. Zur Feierabendzeit warf sie ihren Computer an und skypte mit den Söhnen Konrad und Hans, die rund 800 Kilometer entfernt in einem Bauwagen beim Abendbrot hockten…

 

© Petra Elsner
Januar 2018

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Alle in dieser Kriminalgeschichte vorkommenden Namen, Personen, Organisationen, Orte sind erfunden oder werden rein fiktiv benutzt. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Geschehnissen, Orten oder Personen, lebend oder tot, sind nicht beabsichtigt und rein zufällig.

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