Petersilien-Räuber

Maus, von Petra Elsner
Maus,
von Petra Elsner

Der Sonntagmorgen begann mit einem Mord. Auf dampfender, frischer Muttererde lag sie da, die vierbeinige Leiche. Das Fell triefte vor Regenässe, so sah die kleine erlegte Gestalt noch herzergreifender aus. Was war geschehen? Vor zwei Tagen randalierte irgendwer in meinem mühselig herangezogenen Petersilienbusch. Einfach abgezwackt, lagen etliche Stiele wild verstreut auf dem Boden. Wer macht denn so etwas? Ich dachte: Vielleicht Vögel? Da Petersilie auf Heideboden wirklich schwer gedeiht, aber für die Selbstversorgung unerlässlich ist, baute mir mein Liebster einen dichten Drahtschutz um die Pflanzen. Doch anderentags war dennoch weiter an dem Grün herumgezupft worden. Wer plünderte hier? Eine Maus? Fressen Mäuse Petersilie? Keine Ahnung. Aber ich würde es herausfinden. Mir kam die Mausefalle in den Sinn, die schon ewig angespannt auf ungebetene Gäste in der Küche lauerte. Mitsamt dem superharten Vorjahreskäse platzierten wir jene neben dem Drahtgeflecht. Kaum später wurde offenkundig: Maus mag Petersilie. Ich hoffe, nur diese eine. Denn so richtig Freude kam mit dem Jagderfolg nicht auf. Eher nagte ein schlechtes Gewissen an dem Morgen ­- ob des Sonntagsmords.

Übrigens galt Petersilie im Mittelalter vornehmlich als Heilpflanze, Aphrodisiakum und Mordkraut. Wurzeln, Samen und Blätter wurden sowohl als harntreibendes, entkrampfendes und entzündungshemmendes Mittel verabreicht,  aber auch für Abtreibungen, die jedoch oft tödlich für die Frau endeten. Deshalb empfiehlt es sich für Schwangere, auf den Genuss von Petersilie als Heilkraut möglichst ganz verzichten. Als fein dosiertes Würzkraut in der Küche ist es aber nicht bedenklich.
© Petra Elsner

 

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