Grundeis

Keine Ahnung, ob die etwas derbe Redewendung “mir geht der Arsch auf  Grundeis” einst der Oderegion entsprang. Aber sie könnte. Denn die Oder ist  der einzige europäische Strom, der das Phänomen “Grundeis” kennt. Selten  zwar nur, doch in manchen klirre-kalten Tagen unken die Wetterfrösche stirnrunzelnd davon. Denn Eis am Grunde lässt das Flussbett zuwachsen und droht mit Überschwemmungsgefahr. Während sich bei stehenden Gewässern zuerst die Oberfläche abgekühlt und vereist, mischt sich bei Flüssen kaltes und warmes Wasser. Eis bildet sich zuerst dort, wo es am ruhigsten ist, also am Grund und an den Ufern. Aber für Grundeis braucht es noch ganz bestimmte Strömungs- und Witterungsverhältnisse, und so ist sein Entstehen immer noch die Ausnahme. Da kann man hoffen, dass dieser unheilvolle Kelch im schlaffen Winter diesen Jahres an den Menschen am Fluß vorbeigeht.

Grundeis Zeichnung: Petra Elsner
Grundeis
Zeichnung: Petra Elsner


Apropos Kelch: Grundeis gab es vorzeiten entlang der Oder auch als speziellen Stimmungsheber. Dem Getränk mit dem eisigen Namen sagte man nach, es trübe selbst nach 30 Gläsern nicht das Bewusstsein, sondern löse einem lediglich die Zunge. Kennt noch jemand einen Wirt in der Region, der dieses wundersame Quasselwasser – ein Glas Arrak, Würfelzucker (als Grundeis) und eine Kaffeebohne – noch ausschenkt? Das wäre es doch glatt ein passende Osterwässerchen.

© Petra Elsner

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