Rosenblütenblätter 9 – mein langsames Blognotat

Weidenbrücke. Foto: pe
Weidenbrücke.
Foto: pe

… Unter ihren Schritten raschelte das Laub. Mit jedem kleinen Luftzug wirbelte es golden zu Boden. Heitere Vergänglichkeit. Der Tag glänzte eben noch, als ein kalter Wind auffrischte. Der schluckte die Rufe des Raben weit oben im Blätterdom. Nora lief und lief. Das war längst kein Waldspaziergang mehr. Unmerklich war sie aufgebrochen, einfach weiter gegangen ohne Ziel und Absicht. Unterwegs schien es ihr, als würde sie von Stunde zu Stunde leichter. Nicht wie ein flüchtiges Gas. Die Gedankenschwere bröckelte und verwandelte sich in ein leichtes, stilles Lauschen, und der Wald lauschte nach ihr. Nora lief ohne zu suchen. Im Abendrot gelangte sie an eine Lichtung. Ein Bachwasser plätscherte und zog die Frau zu einer Baumbrücke. Sie sprang auf den mächtigen Stamm und balancierte hinüber zum anderen Ufer, wo ihr ein dunkler Mann im Frack die Hand reichte: „Ich habe lange auf Sie gewartet.“ …

(pe)

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