Zwölf Monate: Blick auf die Bleiche am Döllnfließ (5)

Zwölfmal im Jahr schießt meine Kamera von der „Bleiche am Döllnfließ in Kurtschlag“ einen Schnappschuss und friert das Motiv so für die Ewigkeit ein. Herr Zeilenende hat das Projekt „12 Monate“ als Blogger-Aktion im  Februar 2017 angeregt … Mein sonntäglicher Fotoblick für den Monat Juni :

Es wird Sommer auf der Bleiche am Döllnfließ.

Der Sommer ist eingezogen und die erste Gras-Maat ist indes hinter der Bleiche geschehen. Auf dem Wasser des Döllnfließes tanzen Sonnenflecken. Auf der Bleiche wachsen Wildblumen. Ich stehe auf der blauen Brücke und suche vor meinem geistigen Auge nach Bildern, wie es hier einmal zugegangen sein muss – vorzeiten.

 

 

Die Geschichte des klaren Flachlandbaches

Sonnenflecken auf dem Fließ.

Wie es gewesen ist, erzählt das Heftchen „Das Döllnfließ eine wichtige Lebensader der Schorfheide“ des Autors Siegfried Haase. Es ist in der Schriftenreihe des Schorfheidemuseums von Groß Schönebeck erschienen. Darin erfahren wir: Das Einfließgebiet des Döllnfließes mit seinen großen Sanderflächen gehört zu den seltenen Regionen, in denen sich noch reines Trinkwasser bilden kann. Gut 200 Jahre nutzte man hier die Kraft des Wassers zum Flößen. Das Fließ verließ den Großen Döllnsee als stark mäandrierender Fachlandbach. Vermutlich wurde in der 2. Hälfte des 17. Jhd. mit dem Flößen begonnen, denn als Folge des 30jährigen Krieges brauchte man für den Wiederaufbau Unmengen von Bau- und Brennholz. Von 1713 stammt die erste urkundliche Erwähnung der Flößerei auf dem Döllnfließ.

Historische Aufnahme aus Kurtschlag: Beim Bau von Karpfenteichen am Döllnfließ in den 30er Jahren des vergangenen Jdh.. Foto: Archiv Kulturverein

 

 

Um das Flößen zu ermöglichen, wurde das Fließ auf einer Länge von 6444 Ruthen (1 Ruthe = 3,76 Meter) durch wildes Sumpfland auf eine Breite von mindestens 4 Metern und einer Tiefe von 0,60 Metern ausgegraben. Enge Mäander wurden durchstochen und eine Uferseite begehbar gemacht. Dort, wo das Schwemmholz auf der Flutwelle den Wasserlauf verlassen konnte, wurden Dämme errichtet. Und wegen des Gefälles von 18 Metern bis zur Havel wurden etliche Schleusen gebaut.

Das blaue Heftchen vom Groß Döllner Autor Siegfried Haase.

Der Autor stellt darüber hinaus die Werkzeuge zur Wasserregulierung vor. Sein Exkurs führt weiter in die Modalitäten der einstigen Flößerordnung ein. Erzählt von Verstopfungen an den „Krummen Orten“. Wir erfahren, dass auf dem stillen Flachlandfließ 17 Meter langes Stammholz geflößt wurde, von alten Berufsständen wie dem Regimenter, dem Schleusenwärter und seinem Meister und einem strengen Fließaufseher. Bei Klein Dölln gab es Mühlentechnik (Döllnmühle 1756) am Fließ und in den großen Kolken hinter den Schleusen wurde gefischt. Vornehmlich nach Krebsen. Die Fänge wurden nicht selten von Krebsdieben vorgenommen, die ihre Beute in Weidenkörben im leichten Wasserstrom versteckten.

Das blaue Heftchen von Siegfried Haase aus Groß Dölln beschließt seine gelehrigen Ausführungen mit Faktenwissen über die Wasserregulierung und die Zusammensetzung der Tier- und Pflanzenwelt im und am Fließ einst und  heute.

Vor einigen Jahren habe ich über Siegfried Haase eine Zeitungsgeschichte geschrieben. Wer mag, findet sie hier,

 

Weitere Blogger, die am Projekt teilnehmen:

Amerdale zeigt das Wohnzimmer

Arno von Rosen zeigt die Eiche in Nachbars Garten

Chris zeigt den Baum vor seinem Fenster

frauholle52 blickt auf ihre Terrasse

Frau Rebis begleitet ihren Baum

Gerda Kazakou nimmt uns mit in ihr Atelier

Impressions of Life blickt auf Balkon und Garten

Lovely Rita Flowermaid zeigt die Discotasche

lunarterminiert beobachtet ihren Schreibtisch

Meermond zeigt ihre Füße her

Mein Name sei MAMA nimmt uns mit unter den alten Kirschbaum

Mitzi Irsaj erinnert sich an den Ort, an dem 24 Olivenkerne im Münchner Rosengarten ruhen

Multicolorina rastet an einer Feldweg-Bank

Neues vom Schreibtisch zeigt den Park rund um die Reste des Garnisons-/Katharinenfriedhofs in Braunschweig

Petra Elsner zeigt die Bleiche am Döllnfließ

Random Randomsen hat einen geheimnisvollen Baum gewählt

rina.p macht einen Hofgang

Rubinkatze blickt über die Dächer Münchens

solera1847 nimmt uns mit auf die Gartenbaustelle

tallyshome zeigt ihr Wohnzimmer-Sofa

trienchen2607 richtet ihre Wohnung neu ein

Ulli blickt in die Weite

Wili lässt uns auf und in ihren schmucken neuen Topf gucken

wortgeflumselkritzelkram ist im Vorgarten

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6 Antworten zu Zwölf Monate: Blick auf die Bleiche am Döllnfließ (5)

  1. Seit dem ersten kalten und etwas traurigem Foto, hat sich jetzt die Farbe und der Sommer breitgemacht, wie schön 🙂

  2. Zeilenende sagt:

    Das Gras hat eine wirklich schöne Farbe bekommen. Und ist das ein Rettungsring da vorne links im Bild, am Ufer? Danke jedenfalls für den kleinen historischen Flöß-Exkurs. 🙂

  3. Pingback: 12 Monate Fensterblick 5 – Sonnenaufgang – Zeilenendes Sammelsurium

  4. Petra Elsner sagt:

    Hallo, lieber Herr Zeilenende, danke fürs vorbeischauen. Ja, der Ring ist einer zur Rettung, bei dem Wasserstand eher Deko. Der Anwohner arbeitet bei der Wasserwirtschaft, daher wohl die Affninität :).

  5. Pingback: 12 Monate (5) | colours & darkness

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