Ein Gespür für Wald

Lehmann

Spätsommer in Lehmanns Garten am Wald. Morgens der Ricke beim Äpfel naschen zusehen. Den schönen Wildblumenkreis bestaunen oder eine Runde im Teich schwimmen gehen. Ganz entspannt, in froher Zweisamkeit. Hier holen sie sich die Kraft für alle ihre Antriebe.
Foto: Lutz Reinhardt

Vor sechs Jahren wurde es den Lehmanns in Wandlitz einfach zu voll. Da suchten und fanden sie dicht am Waldrand von Groß Schönebeck ein winziges Häuschen, das ihnen jetzt gerade richtig schien. Die ehemaligen Berliner wollten die Stadt hinter sich lassen, hinaus in die Natur. Zwei Jahre lang bauten sie den Katen mit regionalen Handwerkern aus, bevor sie fest einzogen. Das Paar ist schnell heimisch geworden, denn es brachte sich gut in die örtliche Jagdgemeinschaft ein. Wenn Florian montags im Immanuelchor singt, genießt sie die Stille, in der sie die Welt verarbeiten kann.
Zum Tag der offenen Höfe waren Lehmanns mit einem geliehenen Naturmobil präsent. Sie erklärten den gut hundert Besuchern des Heusinger-Hofes den heimischen Wildbestand und die Grundsätze der Jagd. Linus, ein Amerikanischer Wüstenbussard zog die Blicke der Menschen auf sich, es gab viele neugierige Fragen zur Falknerei. Ganz klar, das interessiert. Deshalb tüfteln und bauen sie jetzt an ihrem eigenen Naturmobil, mit dem sie nächstes Jahr an den Wochenenden über Land ziehen werden.

Eigentlich ist Florian Lehmann Geigenbauermeister. Gerade hat er für David Garrett ein Instrument repariert. Schon seit den 80er Jahren ist er in diesem edlen Handwerk selbstständig. Sabine studierte gerade Heimerziehung mit der Berechtigung Sport zu lehren. „Aber als wir uns kennen lernten, passten die Arbeitszeiten nicht zueinander. Da habe ich in Markneukirchen noch eine vierjährige Ausbildung zur  Bogenbauerin gemacht. Seit 1987 arbeiten wir gemeinsam. Das war wunderbar als die Kinder kamen. Wir hatten Werkstatt und Wohnung nebeneinander. Waren immer dicht an den Kindern dran und konnten nachts noch arbeiten gehen. Inzwischen für einen Stamm von 5000 Musikern. Aber noch einmal würde ich nicht diesen Weg gehen“, verrät sie. Florian ergänzt erklärend: „Naja, wir sind in unserer Zweimannwerkstatt schon völlig weltfremd geworden. Kur beantragen, Sabbatjahr machen – so etwas kennen wir gar nicht. In den 25 Jahren waren wir nie krankgeschrieben. Aber die herangewachsene Schnäppchen-Mentalität der Leute verändert das Geschäft doch sehr.“

Doch zurück zu ihrer Waldliebe. Florian Lehmann erzählt: „Wir waren schon immer an den Wochenenden im Wald. Und weil wir beide naturbegeistert sind, haben wir unsere Jägerprüfung gemacht und Sabine sogar obendrauf die Falknerprüfung. Sie lehrt inzwischen in Steinhöfel an der Jagdschule Falknerei und Vogelkunde. Ja, sie ist in fünf Berufen unterwegs.“ Leise setzt sie nach: „Das ist manchmal ein bisschen kompliziert. Ab September gehe ich als Grundschullehrerin nach Mildenberg.“ Volles Programm möchte man meinen, doch diese zwei Groß Schönebecker haben den stetigen Wandel des Lebens gut im Blick. Deshalb entwickeln sie ihre Idee für eine kluge, leidenschaftliche Wissensvermittlung. In ihrem Naturmobil möchten sie alle deutschen Wildtiere vorstellen. Dazu suchen sie gerade Präparate. Natur, Jagd und Falknerei möchten sie vor allem Kindern näher bringen. Sinnstiftend und ein Gespür anzündend.

© Petra Elsner

 

Aufrufe: 1105

Dieser Beitrag wurde unter Reportagen und Notizen aus dem Schorfheidewald abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.