Tausendsassa

Ein Freizeit-Clubcafé für die dörfliche Gemeinschaft:

Am Ende des Dörfchens Kraatz hängt immer ab Pfingsten an den Wochenenden ein verführerischer Kuchenduft über dem weitläufigen Anwesen der Familie Hillebrand. Draußen vor der Tür lädt das Schild „Kraatzer Kulturgarten“ ein in den Hof zu kommen, worin ein interessanter formalistischer Kräutergarten auf Betrachter wartet. Hinter den Gemäuern öffnet sich ein uriger Bauerngarten und fließt unter dem weiten Himmel hinaus in die offene Landschaft. Und drinnen, im ursprünglichen Pferdestall, lässt sich gut einkehren, um im Privatclub Kaffee und Kuchen zu naschen – so man Mitglied des Clubs ist.
Schon lange gibt es in den meisten Dörfern Brandenburgs keinen Laden und auch keine Gastwirtschaft mehr. Kein Ort nirgends, um sich zum geselligen Beieinander und Austausch zu treffen. Da braucht es andere Ideen, und die vom Privatklub kam mit den Hillebrands.
Marina und Harald Hillebrand stammen aus Frankfurt an der Oder. Nach Studium wurden die Polizistin und der Kriminalist nach Berlin versetzt. Doch nach der politischen Wende ergab sich plötzlich für das Paar die Möglichkeit, einen Traum zu leben: Ein Häuschen im Grünen. Unterwegs wuchsen die Ambitionen, aber das erste Anwesen in Glambeck (OHV) war sehr bald zu klein für die vielfältigen kreativen Ideen.
Man glaubt es kaum, aber die Hillebrands siedeln erst fünf Jahre in Kraatz. Der Hof war sanierungsbedürftig und das Gartenland war Acker und Wiese. Die Verwandlung zu einer interessanten Kulturstätte mit Publikumsverkehr vollzieht sich in einem derartigen Affentempo, als ginge es um Hochleistungssport. Das Geheimnis dahinter: Marina war 2007 Weltmeisterin im Quadrathlon (Altersklasse). Kein Wunder, wenn die Frau mit Kondition und eisernem Willen auch private Ambitionen vorantreibt. Es könnte einem schwindlig werden, wenn man sieht, wie schnell der große Kräutergarten, das Privatcafé mit angrenzendem Galerieraum entstanden. Daneben schreibt Harald Hillebrand schubweise Geschichten (die jüngste ist ein Krimi namens „Ochsenblut“) und an seinem virtuellen Blog. Beide sind Freizeitmaler und wagen sich auch schon mal an die Bildhauerei. Jetzt hat Marina das Cello vom Sohn am Wickel und macht eben mal schnell noch einen Boxenstopp an der Musikschule in Oranienburg-Eden- gewissermaßen auf dem Heimweg – zwischen der Berliner Ausländerbehörde und dem Heimatdorf. Harald musste der Gesundheit wegen seinen Beruf aufgeben, jetzt arbeitet er in der Bußgeldstelle von Gransee. Wenn es sich ergibt, makelt er Häuser. Gelingt da etwas, kann die Sanierung des alten Hofes weiter voran schreiten.
Im Clubcafé hängen derweil ihre ersten künstlerischen Werke, im Galerieraum daneben sind wechselnde Ausstellung zu sehen. Das gemütliche Quartier wird überdies zu Solokonzerten für Gitarristen und Lesungen genutzt. Die Hillebrands sind zwei märkische Tausendsassa, zwei, die einfach gerne arbeiten und immer wieder Neues ausprobieren, rastlos. Man darf gespannt sein, was sie noch alles in ihrem „Kraatzer Kulturgarten“ zum Leben erwecken.

© Petra Elsner

Kontakt: „Kraatzer Kulturgarten“, Häsener Weg 44, 16775 Gransee OT Kraatz,
Telefon: 03306 211949

Veranstaltungsinfos unter: www.landleben-in-oberhavel.blog.de

Einblick in das gemütliche Freizeit-Club-Café. Foto: Lutz Reinhardt
Einblick in das gemütliche Freizeit-Club-Café.
Fotos: Lutz Reinhardt
Harald Hillebrand in der Galerie
Harald Hillebrand in der Galerie
Der formalistische Kräutergarten im Frühling ...
Der formalistische Kräutergarten im Frühling …
... und im Herbst
… und im Herbst

Hillebrands Clubordnung:

1. Sinn des Clubs soll sein, das Leben auf dem Lande attraktiver zu gestalten. Er soll
Kunst, Kultur und Garteninteressierte zusammenführen und Platz für Entspannung, Bildung und Spaß bieten.
2. Das Clubcafé ist kein öffentliches Café, sondern ein privater Club nur für
Clubmitglieder. Clubmitglied wird man automatisch mit dem Betreten des Cafés. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 50 Cent. Dieser wird mit dem Verzehr des ersten Getränks
verrechnet.
3. Das Clubcafé unterliegt keiner staatlichen Lebensmittel oder sonstigen Kontrolle.
Die Clubbetreiber versichern (und jedes Clubmitglied soll sich davon überzeugen), dass beim Herstellen und Anbieten von Speisen (Kuchen, Imbiss) und Getränken (Kaffee) höchste hygienische Maßstäbe angelegt werden.
4. Im Clubcafé werden nur alkoholfreie Getränke (verschiedene Kaffeespezialitäten,
Tees und Flaschenware) angeboten sowie selbst gebackene Kuchen und andere
Backwaren. Preise werden im Clubcafé ausgehängt. Eine Mehrwertsteuer wird nicht
erhoben.
5. Im Clubcafé herrscht Rauchverbot.
6. Für alle Veranstaltungen des Kraatzer Kulturgartens ist der Eintritt frei; diese
Veranstaltungen sind öffentlich. Ausnahme: Zu Musikveranstalungen und solchen, die den Verzehr von Speisen und Getränken beinhalten, haben nur Clubmitglieder Zutritt,die sich im vorab angemeldet haben oder eingeladen wurden.

Kraatz, den 26. Mai 2012
Marina und Harald Hillebrand
Clubbetreiber

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