Das Nebeltor (12)

Öffentliches Schreiben einer Geschichte:

… Flora musste zurück und die Unzerbrechliche zeigte ihr den schnellsten Weg durch die blauen Landschaften. Uldis stellte ihr nach. Das Mädchen fühlte sich schaudernd von seinen Augen berührt. Flora beschlich Angst, die ihr jeden klaren Gedanken raubte und so fragte sie aufgeregt die Unzerbrechliche: „Was soll ich nur tun? Der Sumpfgeist wird mich einholen, bevor ich ihn mit dem Horn der Nebelfee fangen kann.“ Die Unzerbrechliche seufzte: „Und ich dachte schon, du fragst mich nie. Nur ruhig, mein Kind, du wirst ihm entkommen. Schüttle mich, ich schenke dir einen Tropfen aus meinem Herzen, der gibt dir die Stärke der Unbesiegbarkeit für die Zeit dieses Weges.“ Flora schüttelte die Unzerbrechliche und sah, wie sich aus ihrem Innern ein Tropfen löste und nun auf der Oberfläche perlte. Sie nahm ihn auf die Zunge und fühlte sofort eine mächtige Energie.
Der Sumpfgeist spürte sie auch und stoppte. Etwas war stärker als er. Uldis hockte im schlammigen Grund eines Waldgrabens und war irritiert. 
Flora gelangte unbeschadet ins Reich der Nebelfee, die ihr natürlich dieses besondere Horn gab und ihr erklärte: „Du musst es ausgießen, wenn du den Sumpfgeist siehst und ihn mit dem Ton des Horns heranlocken. Betritt er den dichten Nebel, bleibt er in ihm stecken, bis man ihn freilässt. Dann kannst du von ihm alles verlangen, was in seiner Macht liegt. Willst du ihn wieder freigeben, musst du den Nebel mit dem Horn absaugen. Verstanden?“
Das Mädchen nickte und dankte.
Auf dem Rückweg war die Kraft der Unzerbrechlichen aus Flora wieder entwichen, aber sie fürchtete sich nicht mehr, sie hatte ja dieses wundersame, fein ziselierte Nebelhorn, nichts würde ihr geschehen, oder doch? Wie würde der Sumpfgeist reagieren, wenn sie ihn wieder freiließe? Sie wusste es nicht, musste es aber riskieren, sonst käme sie nie ins Quellgebiet des Regenlandes.
Während sie lief, erinnerte sie sich an die Aufzählung der zwei Himmelslichter, die vielen Kraftquellen, von denen sie sprachen. Würde sie die richtige Quelle finden?
Etwas raschelte links und rechts des Weges. Die kleinen Moorgeister waren herbeigeeilt, denn es hatte sich herumgesprochen, dass der große Sumpfgeist wieder einmal einen Grenzgänger vertreiben würde. Dieses Spektakel wollte sie sich nicht entgehen lassen. Noch war er nicht eingetroffen, also kreisten sie als Schatten um Flora und versuchten sie vom Pfad abzubringen.
Die blau leuchtenden Moorgeister waren in der blauen Landschaft kaum auszumachen. Ungesehen hielten sie dem Mädchen Stolperstöcke vor die Füße, die sich in Schlangen verwandelten, wenn es mit den Fußspitzen an ihnen hängen blieb. Flora schrie. Schlangen waren für sie das Gruseligste überhaupt. „Bitte, liebe Unzerbrechliche, bitte hilf mir“, flehte sie. Und die Unzerbrechliche begann magisch zu leuchten und beschien nun mondhell den Stolperpfad. So konnte das Kind über die Stöcke steigen und deren schlangenhafte Verwandlung bliebt aus. Flora fasste sich, sie musste nur gut darauf achten, wohin sie trat. Aber sie war nicht wirklich in Gefahr, denn die kleinen Moorgeister wollten sie nur necken…



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