Der Striezel

Im Bermuda-Dreieck zwischen Barnim, Oberhavel und Uckermark liegt Kurtschlag, ein 300-Seelen-Dorf an der Waldkante zur Schorfheide. Machen Sie sich nichts daraus, ich kannte den Ort auch nicht, obgleich ich gebürtige Märkerin bin. Er hielt sich vor mir gewissermaßen verborgen, bis mein Liebster und ich ein kleines, bezahlbares Landhaus in einer satt-schönen Landschaft suchten. Aufgestöbert habe ich es dort, wo man/frau inzwischen beinahe fast alles findet: Bei Google und da sind wir nun, in dem Ort mit dem merkwürdigen Namen.

Kurtschlager Dorfkirche und die Gaststätte "Mittelpunkt der Erde", Zeichnung von Petra Elsner

Kurtschlager Dorfkirche und die Gaststätte “Mittelpunkt der Erde”, Zeichnung von Petra Elsner

Der Striezel

An einem Nebel verhangen Januarmorgen steckten wir mitten in den Renovierungsarbeiten, als ich entdeckte: Weißbrot fehlt. In Kurtschlag gibt es wie in vielen Dörfern Ostbrandenburgs keinen Bäcker, Fleischer, auch kein Lebensmittelgeschäft… mehr. Nicht mal einen sogenannten “Hinten-Rum-Laden“ kennt man hier. Das Nötigste rollt in Kleintransportern an. Auch an diesem Morgen stand ein Bäckerauto fast zum Greifen nah entfernt. Aber just in dem Moment, als der Mangel auffiel, gab es Blitz-Eis, und wir hatten weder Streusalz noch Sand neben der Eingangstür. Keine Chance also an die nahrhaften Quellen zu gelangen. Was soll’s, das Problem ließ sich dank Großmutters Rezept-Sammlung lösen, denn dort fand sich ein Notat zum Striezel. Ich hatte längst vergessen, wie wunderbar dieses Kuchenbrot schmeckt, denn in der Mark ist dieses Anlassgebäck nicht wirklich bekannt. Großmutter brachte das Rezept aus dem Österreichischen mit, wo es als Zopf zu hohen Festen (Ostern, Weihnachten, Allerheiligen) gebacken wird. Seit wir diesen Striezel ausprobiert haben, ist bei uns fast zu jedem Frühstück ein Weilchen Feiertag. Der Hefezopf hält sich auch ohne Konservierungsstoffe in einer Blechdose wunderbar frisch und bleibt eine Gaumenwonne für etwa 14 Tage, wenn er sich nicht schon vorher vollkommen in Luft auflöst und in Hüftgold verwandelt hat.
© Petra Elsner

Striezel, Zeichnung von Petra Elsner

Striezel, Zeichnung von Petra Elsner

Zutaten & Zubereitung
500 g Mehl, 20 g Hefe (1 Tütchen Trockenhefe), ¼ l Mich, 80 g Zucker, 1 Päckchen Vanillezucker, 80 g Butter 1 Ei und den Eiweißrest vom Eigelb zum Bestreichen, je eine Handvoll Rosinen, Mandeln oder Walnüsse, den Saft einer Zitrone. Milch und Butter erwärmen, außer Rosinen und Mandeln alle Zutaten vermengen. Den Teil nicht kneten sondern schlagen, dann eine reichliche Stunde zugedeckt warm stellen und gehen lassen. Anschließend mit Mandeln/Nüssen, Rosinen und Zitronensaft noch einmal durchkneten. Auf einem bemehlten Brett drei oder sechs Rollen formen, Zopf flechten, den Laib mit Eigelb bepinseln, Flechteinschnitte mit Öl bestreichen, damit das Flechtwerk nicht zusammenläuft. Nun kommt der Zopf auf Blech und Backpapier und wird im Herd bei 220 Grad 30 bis 35 Minuten gebacken.

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