Rosenblütenblätter 15 – Mein langsames Blog-Notat

Die Erwachende.
Die Erwachende.

… Sie nahm es, riss es auf,  zog eine schlichte Briefkarte heraus und las erwartungsvoll:
„Wenn du nichts mehr erstrebst, gelingt dir alles.“
Nora sah den Mann fragend an: „Ich soll aufgeben? Nicht mehr kämpfen und als Verlierer enden?“ Der Mann schüttelte seinen Kopf und murmelte: „Nur die Jagd loslassen.“
„Und dann, untergehen“, rief die Frau schrill-müde.  Der Frackträger winkte enttäuscht ab und ging. Nora aber stieg missmutig auf den Kutschbock, schnalzte mit der Zunge und die Schimmel liefen langsam  einem weichen Abendlicht entgegen. Sie ließ die Zügel locker, denn ihre Gedanken setzten ihr Stiche zu. Sie fühlte sich abermals zurückgeworfen in die große Ratlosigkeit …

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Rosenblütenblätter 14 – Mein langsames Blognotat

Reise durch den Schmerz der Zeit. Foto: pe
Reise durch den Schmerz der Zeit. Foto: pe

 

 

… Hatte sie die verzerrten Echos der Vergangenheit  verstanden, gezähmt und damit verwunden? Nein, soweit war es noch nicht. Die alte, verbrauchte Zeit griff immer noch nach ihr und fraß die leise keimende Energie.

 

Nora reiste, aber noch trat sie dabei auf der Stelle. Wie würde sie dem Bann entkommen? Und wann würde ihre Reise durch den Schmerz der Zeit enden? Der Kutscher hielt, als sie das dachte und deutete mit seiner Peitsche auf das ungeöffnete Kuvert …

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Rosenblütenblätter (13) Mein langsames Blognotat:

Foto: Petra Elsner
Foto: Petra Elsner

… Die Zeit schwamm. Noras Haut hatte an diesem Morgen plötzlich wieder einen frischen Schmelz. Sie perlte sich unmerklich aus dem Dunkel ihrer wunden Seele …

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Rosenblütenblätter (12) – mein langsames Blognotat

Foto: Petra Elsner
Foto: Petra Elsner

… Als er sie den Hang hinauf zog und ihr der Atem stockte, entschloss sie sich zu kämpfen. Auf dem Sandweg angekommen, löste der Mann im Frack ihren festen Griff und stieg flink auf den Kutschbock. Es sah so aus, als wollte er gleich wieder im Nichts entschwinden. Da rief Nora bestimmend: „Was ist los Kutscher, willst du ohne Passagier reisen?“ Der Dunkelmann sah sie lächelt an, sprang zurück auf den Weg, senkte den Blick, öffnete galant den Kutschenschlag und sie stieg ein.
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Rosenblütenblätter (11) – mein langsames Blognotat

Foto. Petra Elsner
Foto. Petra Elsner

…Als sie von der Baumbrücke ins Moos sprang, schwollen die Töne zu einem Requiem an, trunken vor Schwere, als wollten sie zu Bleitropfen werden. Doch da schwebten im Totentanz der Zeit flirrende Stimmen vom Dunkel ins Licht. „Komm, Nora, tanz‘ mit mir!“ „Schwing dich auf den Wind!“ „Dreh dich geschmeidig und kreise nicht die Gedanken!“ Die Stimmen kicherten und lockten. Aber die Frau war schwer von der unsäglichen Traurigkeit in dieser Welt. Jeder Tag eine Träne. Salzige Zeittropfen, in denen die Gedanken nicht frei sind. Sie laufen Schleife. Aber dennoch war sie ja aufgebrochen, als wüsste etwas tief in ihr den Weg. Leichter waren unterwegs nur die Schritte geworden …

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Rosenblütenblätter – ein langsames Blognotat (10)

Foto: pe
Foto: pe

… Nora erinnerte sich plötzlich. Eines Morgens, als die Sonne gleich wieder im Wolkengrau unterging, stand er vor ihr: Im Frack mit einem Cellokasten in der Hand betrat er das gläserne Café am Berliner Alexanderplatz. Er setzte sich zu ihr und ihrem Morgentee und plauderte oktavenreich wie vom andern Stern in ihr dumpfes Erwachen. Als er ging, fühlte sie sich eingeladen. Aber in dieser frühen Novemberstunde war sie zu einem Abenteuer noch nicht bereit. Die Verpflichtungen zerrten sie artig weiter. Vierzig Jahre lang blieb sie auf dem dünnen Pfad der strengen Regeln. Die Wahrnehmung jenes Morgens aber, blitzte manchmal als schillernder Traumton in ihre kreisende Gedankenwelt. Jetzt, als sie nach seiner Hand fasste, hörte sie den feinen Klang klarer, lauter …
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Rosenblütenblätter 9 – mein langsames Blognotat

Weidenbrücke. Foto: pe
Weidenbrücke.
Foto: pe

… Unter ihren Schritten raschelte das Laub. Mit jedem kleinen Luftzug wirbelte es golden zu Boden. Heitere Vergänglichkeit. Der Tag glänzte eben noch, als ein kalter Wind auffrischte. Der schluckte die Rufe des Raben weit oben im Blätterdom. Nora lief und lief. Das war längst kein Waldspaziergang mehr. Unmerklich war sie aufgebrochen, einfach weiter gegangen ohne Ziel und Absicht. Unterwegs schien es ihr, als würde sie von Stunde zu Stunde leichter. Nicht wie ein flüchtiges Gas. Die Gedankenschwere bröckelte und verwandelte sich in ein leichtes, stilles Lauschen, und der Wald lauschte nach ihr. Nora lief ohne zu suchen. Im Abendrot gelangte sie an eine Lichtung. Ein Bachwasser plätscherte und zog die Frau zu einer Baumbrücke. Sie sprang auf den mächtigen Stamm und balancierte hinüber zum anderen Ufer, wo ihr ein dunkler Mann im Frack die Hand reichte: „Ich habe lange auf Sie gewartet.“ …

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Rosenblütenblätter (8) – langsames Blognotat

Foto: pe
Foto: pe

… Das ist schwer, dachte Nora und sprach die Worte des erloschenen Zettels nochmals leise vor sich hin „Besinn dich auf das, was du bist, und lass dich nicht entmutigen.“ Der Fluss der Zeit reißt schon lange an ihren stützenden Flanken. Kratzt am Stolz und spült die Gewissheiten davon. Aus den Schrammen perlt Angst. Die bekämpfte die Frau immer schon zuerst. Denn die Angst spukt und treibt die Gespenster im Kopf an. Bis zur Schockstarre. Gegen diese Angst setzt Nora alle Tage eine schöne Empfindung: Eine Zeichnung, eine kluge Zeile, einen Liebesbeweis. In diesen Momenten stärkt sie sich selbst und gewinnt ein Lächeln im Tag. Aber reicht das für den inneren Aufbruch? Der Wandel all ihres Sein ist unübersichtlich. Sie muss sich dafür rüsten. Wandel ist Risiko. Eine Stimme aus dem Off ruft ihr belehrend zu: „Wandel ist Chance!” Herrje, dass weiß Nora natürlich auch. „Es kommt auf die Perspektive an!”, murmelt die Frau der virtuellen Stimme auf der sicheren Ebene zu. Die schweigt daraufhin und Noras Gedanken fließen weiter:  Wohin sollte sie aufbrechen? …

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Rosenblütenblätter (7) – mein langsames Blognotat

Froto: pe

… Sie trug kein dickes Fell, nur eine dünne Haut in diesen frischen Morgen. Kühle Feuchte hing noch im Birkengeäst, aus dem der Rabe knarrte: „Nebliger Morgen verhüllt alle Sorgen.“ Nora sah auf, ihr Blick suchte nach Schemen in der Dunstwolke. Erst als der Rabe die Flügel hob, entdeckte sie ihn in den milchigen Schleiern und konterte: „Ein vernebelte Blick bricht schnell das Genick.“
Ihr neuer Freund aus der Landschaft segelte zu ihr und spazierte stumm mit Nora durch das tropfnasse Gras. Sie fröstelte und fingerte nach dem Briefkuvert in ihrer Jackentasche. Seit Tagen trug sie es ratlos mit sich. Nun zog sie es aus hervor und entfaltete das eingesteckte Blatt. Wohin sollte sie diese leere Seite führen? Auf dem weißen Grund erschienen plötzlich Worte. Nora staunte erschrocken: „Rabe, sieh, plötzlich steht hier etwas.” Der Schwarze hüpfte auf die Frau zu, drehte neugierig seinen Kopf zur Seite und sie las ihm die Zeile vor: „Besinn dich auf das, was du bist, und lass dich nicht entmutigen.“ Kaum gelesen, verlöschten die Worte…

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Rosenblütenblätter (6)

Foto: pe
Foto: pe

… Über das Kopfsteinpflaster holperte in der Mittagsstunde ein Pferdegespann. Die schwarzen Rösser schnauften in den gezogenen Zügeln. Ein Mann im Frack stieg vom Wagen und läutete die Glocke am Tor. Nora schreckte aus ihren Gedanken. Sie fing mit beiden Händen ihre windzerzausten langen Haare ein und fingerte noch mit dem Gummi, während sie die Hoftür öffnete. Die dunkle Erscheinung zog den Hut, verbeugte sich und hielt ihr auf einem schwarz gelackten Tablett ein Briefkuvert entgegen. Nora griff verstört nach dem Schreiben, auf dem in einer geschwungenen Handschrift „Einladung“ stand. Sie öffnete behutsam den Umschlag und das eingesteckte Blatt. Es war leer. Der Mann sah sie fragend an: „Und, was soll ich ausrichten, werden Sie kommen?“
Nora antwortete entgeistert: „Wenn ich wüsste wohin, könnte ich Ihnen vielleicht antworten, aber so?“ Sie wedelte das leere Blatt. Der mysteriöse Bote wusste, er würde jetzt keine Antwort bekommen. Er bestieg seinen Wagen und orakelte noch: „Sie wenden es wissen, wenn Sie aufbrechen.“ Dann löste er die Zügel der Rösser und verschwand mit dem nächsten Luftzug…

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