Das Immerwiederkehrende:

1. Advent 2019: Ein Feuer im Hof und zu jeder vollen Stunde eine Geschichte.

Alltag 12, Oktober 2019:

Die „Dinge des Alltags – das Immerwiederkehrende“ – ist das Jahresprojekt der Bloggerin Ulli Gau, an dem ich mich beteilige und 12 Monate lang immer am  1. Monatswochenende etwas aus meinem Alltag vorstelle …

Diesmal: “Klappern gehört zum Geschäft” , aber “Alles hat seine Zeit”

Ich bin ein bisschen spät dran im letzten Monat von Ullis Jahresaktion rund um den Alltag. Wer hier mitliest weiß, wir haben zurzeit Familiäres im Vordergrund, da kann ich einfach mal nicht auf den Punkt liefern. Aber jetzt:

Wenn EINE in die Selbständigkeit geht, noch dazu ohne Vitamin B als Starthilfe (wir hatten die Wende und danach den Austausch aller Entscheidungsträger), muss sie genau überlegen, wie sie ihre Kräfte vermehrt. Zum einen ließ ich mir immer wieder neue Veranstaltungen einfallen, beispielsweise meinen „Salon vier Jahreszeiten“ im Berliner Prenzlauer Berg in den 90er Jahren. Er vereinte zehn Bildschaffende, die jeweils das Allerneueste aus dem Atelier ausstellten. Jede/jeder drei bis sechs Arbeiten. Man konnte bei dieser Gemeinschaftsschau sehr genau testen, ob man mit seinem Schaffen auf dem richtigen Weg war, bevor man selbst eine große Ausstellung beieinander hatte. Zweiter und nicht unwichtiger Vorteil war die größere Wahrnehmung durch die Medien, denn in dieser Weltstadt leben Künstler in Scharen, da kann man leicht übersehen werden. Der Salon war eine lose Verbindung, keine feste Gruppe.  Und auch bei meinen eigenen Tagen der offenen Tür hatte ich sehr bald mitausstellende Gäste, die einen eigenen Raum bekamen. TEILEN heißt meistens auch GEWINNEN und sei es nur, dass man seine eigenen Atelierbesucher immer wieder überraschen kann.
Erfahrungen über die ersten Schritte in die Selbstständigkeit teilen, sie für andere nachvollziehbar aufzuschreiben und/oder gar zu lehren, das hab ich auch für journalistische Frischlings-Kollegen unternommen. Ehrlich, dass Verblasen meines Goldstaubes hat mir hier weniger gebracht, zumal ich nach meinem Umzug aufs Land vor 12 Jahren feststellen musste, dass hier die Uhren noch sehr patriarchalisch ticken und Frau im Wald einigermaßen unterschätzt wird, ganz gleich was sie leistet. Männliche Kollegen flaggen gerne mal die Fahne der Arroganz und übersehen einfach dieses oder jenes neue Buch aus meiner Feder, auch wenn Rezensionsexemplare versandt wurden. Nun denn. Jetzt aber werden die Feste wieder kleiner. Die Kraft schwächelt im Älterwerden und deshalb  steige ich bei den Brandenburger Tagen der offenen Ateliers aus und veranstalte fortan Feste mit eingeladenen Gästen: Im August (nicht mehr im Mai) das klassische OFFENE ATELIER (intimer) und zur Winterhofschau:
Am 1. Advent 2019 öffne ich erstmalig von 14 bis 16 Uhr für geladene Gäste und ihre Freunde mein Winteratelier (der Bilderspeicher ist in der kalten Zeit geschlossen). Hier kann man sich nach schönen Geschenken umsehen. Wir bieten: Honig aus der eigenen Imkerei, Bücher, einen Schräge-Vögel-Kalender für 2020, Drucke und Originale auf Karton und Leinwand. Im Hof wird ein Feuer lodern und zu jeder vollen Stunde lese ich dort eine meiner Weihnachtsgeschichten vor. Es gibt Kaffee im Stehen, Glühwein und von mir gebackene Böhmische Plätzchen.
An diesem 1. Adventssonntag hat das Schorfheidedorf Kurtschlag darüber hinaus viel zu bieten: Um 16 Uhr findet das traditionelle Kirchturmblasen statt. Anschließend lädt die Kirche zu einem Konzert. Gegen 18 Uhr kann man auf der Bleiche am Döllnfließ einen klitzekleinen Adventsmarkt erleben. So reiht sich unser Künstlerhof in das vorweihnachtliche Treiben im Dorf ein und erweitert das Programm an diesem Tag. Darum geht und es wird zukünftig IMMERWIEDERKEHREN.

Wer eingeladen werden möchte, lasse es mich bitte hier oder per Mail mit Angabe der Adresse wissen (petraelsner@gmx.de), dann bekommen Sie/bekommt Ihr eine Einladung, vielen Dank.

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Das Immerwiederkehrende

Alltag 11, September 2019:

Die „Dinge des Alltags – das Immerwiederkehrende“ – ist das Jahresprojekt der Bloggerin Ulli Gau, an dem ich mich beteilige und 12 Monate lang immer am  1. Monatswochenende etwas aus meinem Alltag vorstelle …

Diesmal: Der alltägliche Pferdewechsel

Das Wechselspiel zwischen den künstlerischen Genres hat mich begleitet, seit ich schreibe und zeichne. Es blieb immer bei mir und hat mich in Zeiten, als ich anderen Berufungen folgte, nie ganz verlassen. Aber Sprüche wie „Schuster bleib bei deinen Leisten“ oder die Ansicht, dass  Leute mit Mehrfachbegabungen nicht ernst genommen werden (so war das mal), haben mich dahingehend verunsichert, ob ich nicht zu oberflächlich mit den Talenten umging. Diese Mehrfachbegabung sollte mir aber später erst die Haut retten und mich noch später davor bewahren leerzulaufen.
Der erste spürbare Nachteil der Digitalisierung begann schon 2003, als plötzlich das Profi-Foto auf dem (Ost-) Pressemarkt immer schlechter bezahlt wurde. Der Zweite, dass sich mit den Online-Formaten die Situation der Printmedien (für die ich seit 1980 unterwegs war) zuspitzte. Korrektoren wurden abgeschafft, die Gestaltung, Bildbearbeitung, Teile der Buchhaltung, die Verlagskraftfahrer, das Archiv … – alles Arbeiten, die heutzutage die festen und freien Redakteure mitschultern müssen. Dennoch gerieten die großen Zeitungsdampfer immer mehr ins Torkeln. Abgesehen von technischen Veränderungen und Optimierungen der Verlagsarbeit, bekamen sehr bald die Freien Schreiber Einschnitte zu spüren, denn man sparte bei ihren Honoraren und drückte den Druckzeilenpreis auf zuletzt sagenhafte 22 Cent. Um als Freiberuflerin zu überleben, blieb mir also gar nichts anderes übrig, als alle meine Talente zu nutzen. Und um dabei nicht auszubrennen, wechselte ich so oft es ging die Pferde (Genres). Nachts malte oder zeichnete ich, tagsüber arbeitete ich an journalistischen Texten, in den Freiräumen schrieb ich Märchen und Geschichten. Dabei bemerkte ich, jedes Genre verbraucht den Kreativen anders. Für mich gilt beispielsweise: Schreiben zieht Kraft, Bildschaffen schenkt Kraft.
Mit dieser Wechsel-Methode kam ich ganz gut durch, ohne auch nur in die Nähe eines Burnouts zu gelangen, obwohl ich seinerzeit kaum vier Stunden Nachtschlaf hatte… Allerdings blieb dabei für gesellschaftliche Events, sogenannte Kontaktpflege und wirkungsvolle PR nicht genug Zeit. Denn es ging nach 1994 nur noch ums Eingemachte, die Absicherung der freien Existenz (eine Festanstellung war für mich in all den Jahren nicht zu haben). Ich nenne das:  Schaffen im stillen (toten) Winkel. Das war ein Fehler. Inzwischen arbeite ich immer noch viel und jeden Tag natürlich, selbst als mich vor zweieinhalb Jahren ein Krebs erwischte, hab selbst im Krankenhaus gezeichnet (schreiben ging nicht), aber die Kariere-Chance hat längst den Altersdeckel übergestülpt bekommen.

Diese Horoskopzeichen hab ich u.a. für eine kleine Zeitung auf dem Zug von Berlin nach Frankfurt (Oder) gezeichnet. Nach der Station Erkner am Berliner Rand verläuft die Strecke eine halbe Stunde lang schnurgerade, so das mir das Stricheln und Tuschen gut möglich war.

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Das Immerwiederkehrende

“Ohne Wasser, merkt euch das, wär uns’re Welt ein leeres Fass.” (Aus: Der Fiedler auf dem Dach)

Alltag 10, August 2019:

Die „Dinge des Alltags – das Immerwiederkehrende“ – ist das Jahresprojekt der Bloggerin Ulli Gau, an dem ich mich beteilige und 12 Monate lang immer am  1. Monatswochenende etwas aus meinem Alltag vorstelle …

Diesmal: Sommerliche Wassemeditation

Regentage sind in den letzten zwei Sommern in der Schorfheide eher handverlesene Ereignisse. 2018 kamen sie kaum vor, 2019 ist es ein wenig besser, dafür ist es noch heißer und die Himmelstropfen verdampfen rasch wieder im Saharawind. Damit das allabendliche Sprengen nicht zu nerven beginnt, nenne ich es seit Jahren meine „Wassermeditation“. Das Wort assoziiert irgendwie die Silbe OM und flößt mir Ruhe ein. Jedenfalls am Anfang des Sommerhalbjahres. Schließlich ist der Garten groß … Aber nein, es geht hier nicht um Achtsamkeit und so Fragen wie: Wie fühlt sich Wasser überhaupt an? Welche Farbe kann es annehmen? Wie schmeckt es? Es geht bei meiner Wassermeditation ausschließlich darum, das wichtige Lebenselixier meinen pflanzlichen Mitbewohnern zu reichen, aus dem Schlauch oder dem Regensprenger. Beinahe täglich anderthalb Stunden wässern – dass ist lang und die Bremsen sind derzeit leider mächtig aggressiv. Seit Tagen renne ich mit einem roten, dicken Augenlid herum, gestochen von einer Mücke oder wem auch immer – ich bin genervt, wenn der Wetterbericht Regen verspricht und die Wolke dann anderswo inkontinent wird. OM. Nein, ich dehne nicht meinen Geist von der Quelle bis zur Mündung, ich sehe zu Beginn auf 140 Meter Gartengrün vor mir und denke mantramäßig: Das wird schon. Ich lausche still vor mich hin: Das Zebragras namens Herr Richter knistert, wenn ihn ein Schwall erwischt. Die mächtige Bauernhortensie Heike-Antje hebt sich schon mit den ersten Litern tänzerisch, die Bärbel-Otti-Kirsche schlürft ungerührt satte zwei Eimer weg … all die Gartengeschenke, die auch beständig den Namen des Spenders tragen und mich so an ihn oder sie erinnern, wollen trinken und es sind eben viele: OM…

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Das Immerwiederkehrende

Alltag 9, Juli 2019:

Die „Dinge des Alltags – das Immerwiederkehrende“ – ist das Jahresprojekt der Bloggerin Ulli Gau, an dem ich mich beteilige und 12 Monate lang immer am  1. Monatswochenende etwas aus meinem Alltag vorstelle …

Diesmal: Im Garten

Jeden Morgen, gleich welches Wetter, gehe ich diese Schritte durch den Garten. Seit 11 Jahren beackere ich dieses einst blanke Wiesenland zu einem Landschaftsgarten mit mehreren Gartenzimmern. Der Weg bis zum Waldrand ist 140 Meter lang, dass schaffe ich auch, wenn ich mal einen schlechten Atem-Tag habe. Er beginnt vor der Haustür, die noch aus dem Jahre 1889 stammt, auf dem gepflasterten Hof, der ist in diesen Tagen wie ein Backofen. Die Steine langen schon, als wir hier einzogen, aber das werde ich irgendwann, so nach und nach, noch ändern und Wiesenstreifen anlegen, um das Klima hier zu verbessern. Weiter geht es durch das Rosenportal, vorbei am Nebengelass und der schönen Kopfweide zum Blumenmond, in dem ich gelegentlich für Gäste lese. Die mütterliche Linde beschirmt ihn halbseitig und den dahinterliegenden Tiefsitz und Staudenbeete. Rechts gegenüber befindet sich ein kleiner Teich mit Seerosen. Hier und da gibt es hölzerne Skulpturen und Wurzelgnome. Dieses Arial bildet meinen sogenannten Lesegarten, in den ich zu Festen Märchenstelen herrichte, die danach wieder abgehängt werden. Nur die Lattenrahmen bleiben dann zurück und ein leeres Lesepult. Immer da sind ein paar wetterfeste Alu-Verbundplatten, die im grünen Zaun ein paar Märchen tragen. Ebenso wie auf den Lyrikbooten Gedichte als Segel flattern. Weiter führt der Weg in den Mittelgarten mit drei Kopfweiden, Buchsbüschen und naturbelassener Wiese, auf der sich an den Rändern „Vogellaube“ mit Bank und 3 Schwebekörbchen auf Wilddrahtzaun, Gemüsehochbeet, Beeren- und Ziersträuchern befinden. Hinter dem Haselnussbusch öffnet sich das nächste Gartenzimmer: mein Kräutergärtchen, mit Spirale, Kleinteich und Tomatenhäuschen und einem l-förmigen Beet für Bohnen und Heilkräuter, wie Beinwell, Wasserdost, Winter- und Etagen-Zwiebeln, Rucola usw. und natürlich wieder einer Bank. Beschirmt wird dieses Arial von zwei Vogelbeerbäumen und einer weiteren Kopfweide. Dahinter folgt die Streuobst-Wiese mit Kompostecke und einer Randbepflanzung aus Büschen, Blaubeer- und Monatserdbeeren. Leider erntet man hier nie besonders viel, weil uns Spätfröste meistens die Blüte schädigen. Dahinter liegt ein kleiner spiritueller Garten mit „Schwarmbeobachtungsplatz“ im Schatten eines Weidenzauns. Von hier schaut man auf einen prächtigen Hortensienbusch, Bienentränke, Weidenbögen mit Apothekerrose und Wunschbaumbirke, unter der ein Familiengrabstein zur Erinnerung steht, ohne Urnen versteht sich. In den Zweigen hängen kleinen Glocken, die bei Wind leise läuten. Die Birke teilt gewissermaßen diesen Ort in den wilden Bienengarten, dreiseitig gesäumt von Hecken und einen schmale Wiesenauffahrt mit Himbeeren am Zaun. Hier endet das Grundstück und beginnt der Wald.  Auf dem Rückweg nehme ich mir meist Kräuter zum Kochen mit ins Häuschen. Aber davor liegt meine Schreib- oder Zeichenzeit. Draußen arbeite ich, täglich etwa eine Stunde, man wird eh nie fertig, denn der Garten ist Weg und Wandel.

Die Bilder stammen aus allen möglichen Jahreszeiten
 
      
 
     
 
  
 
 
  
  
 
 

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Das Immerwiederkehrende

Alltag 8, Juni 2019:

Die „Dinge des Alltags – das Immerwiederkehrende“ – ist das Jahresprojekt der Bloggerin Ulli Gau, an dem ich mich beteilige und 12 Monate lang immer am  1. Monatswochenende etwas aus meinem Alltag vorstelle …

Diesmal: Das Lampenfieber

Privatlesung im Lesegarten. Foto: Lutz Reinhardt

Immer wenn ich meine Haut zu Markte trage, ist es da: vorher, auf dem Weg und währenddessen. Ich habe auf meinem Blog schon oft über mein Lampenfieber gesprochen (zum Beispiel hier). Einfacher ist es in einem sportlichen Wettkampf zu starten. Man läuft, schwimmt, radelt so gut man kann und erwirbt sich indem einen Platz. Klar und eindeutig. In den künstlerischen Genres ist das anders. Hier schlägt der subjektive Faktor zu – man wird individuell bewertet und dann irgendwo hingeschoben – auf ein Treppchen oder ins Aus und später in eine von den vielen Schubladen. Dieses subjektive Werten ist des Pudels Kern, der mein Lampenfieber anschiebt. Inzwischen legt es sich meist nach den ersten Sätzen, aber davor geht es mir einfach nicht gut. Ich tigere rastlos im Haus herum, gehe meinem Liebsten mit diesem Geflatter auf die Nerven, ich bin fast krank. Die Stresshormone fahren Achterbahn.  Gott sei Dank bin ich damit nicht allein und es ist nicht mehr die Redeangst von einst, die ich mühselig in den letzten zehn Jahren überwunden habe. Bewertungsstress ist immer noch, aber ich habe mir Rituale geschaffen: Tage zuvor sind die Seiten ausgewählt und das Lesen trainiert. In der letzten Stunde vor dem Auftritt mache ich Reiki- und Atemübungen. Ich versuche die Momente vor der Lesung mit dem Publikum zu genießen, was immer öfter gelingt. Aber man kann nicht alles trainieren. Die Preisverleihung in Schwedt beispielsweise war so aufregend für mich, dass meine Lesekonzentration nicht die inzwischen Gewohnte war. Menschlich vielleicht.

Auslöser einstige Redeangst, so vermute ich, sind Erinnerungen, die mir in Mark und Bein saßen: Hat doch einst mein strenger Vater mir an einem kühlen Strandtag in Kölpinsee die Tageszeitung des ZK der SED „Neues Deutschland“ auf die Beine gelegt und meinte: „Komm, Brille auf und  laut Vorlesen üben!“ Er zeigte auf einen Artikel auf der Seite 1. Ich stammelte mich ganz fürchterlich mit dem Protokoll-Deutsch ab. Ich war Zweitklässler! Der Silbensalat muss sich katastrophal angehört haben und mein Vater ließ mich spüren, wie sauer er war. Mit einem schönen Buch wäre das nicht so gewesen… Diese Begebenheit saß mir jahrelang im Nacken. Erst als ich es familientherapeutisch Aufstellen ließ, verschwand schlagartig die panische Vortragsangst und wandelte sich in ein landläufiges Lampenfieber, was mir wohl bis ans Ende meiner Tage erhalten bleiben wird.

Im Blauregenversteck

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Das Immerwiederkehrende

Alltag 7, Mai 2019:

Die „Dinge des Alltags – das Immerwiederkehrende“ – ist das Jahresprojekt der Bloggerin Ulli Gau, an dem ich mich beteilige und 12 Monate lang immer am  1. Monatswochenende etwas aus meinem Alltag vorstelle …

Selbstbildnis aus 2005

Diesmal: Die Fingerübung Zeichnen

Das Zeichnen gehört zu meinen ganz alltäglichen Fingerübungen. Handwerkliches Geschick üben und dabei ein Formenspiel hinterlassen. Nicht immer muss es nützlich sein, einen Sinn haben. So wie wir Computertipper langsam die Eleganz unserer Handschrift verlieren (in Ermanglung von Schreibschriftpraxis), muss das Zeichnen trainiert werden, soll es bei mir bleiben.

Karte zum “Fest an der Panke” 2011

Mein Schräger Vogel, eine Art Rabe, sorgt dabei für Momente der guten Laune. Auf sonnengelben Grund kommt er in farbenfroher Robe daher, die eher an Paradiesvögel erinnert, vielleicht auch an eine Clownerie.
Wenn er sich nicht ereignisbezogen äußert (z.B. als Einladung zum OFFENEN ATELIER), erzählt er vielleicht eine kleine Bildgeschichte, ohne Worte, denn die Autorin erholt sich ja gerade beim Stricheln seines frechen Kostüms.
Mit den Jahren ist dieser „Schräge Vogel“ gewissermaßen zu meiner Marke geworden und bei dieser Stadtfestkarte (Foto) aus 2011 hockte er plötzlich auf dem Blatt – der Malerrabe mit dem Katzenschwanz, der seither so etwas wie mein Logo ist…

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Das Immerwiederkehrende

Alltag 6, April 2019:

Die „Dinge des Alltags – das Immerwiederkehrende“ – ist das Jahresprojekt der Bloggerin Ulli Gau, an dem ich mich beteilige und 12 Monate lang immer am  1. Monatswochenende etwas aus meinem Alltag vorstelle …

Diesmal: Das Kochen.

Alle Tage kochen, dass wäre mir vor schlapp 30 Jahren niemals in den Sinn gekommen. Ich bin Tochter einer Nichtköchin, bin sozusagen ungelernt ins Leben gegangen und ohne Kochbuch. Kurz vor dem Tode meiner Mutter, damals war sie 53 Jahre alt, meinte mein Vater zu ihr: „Du kannst kochen was Du willst, es schmeckt immer nach Gulasch.“ Autsch, das saß. Als ich 1993 meinen Liebsten kennenlernte, hatte der einen ähnlich guten Spruch drauf: „Es ernährt uns.“ 1994 machten wir uns selbstständig. Eine 70-Stundenwoche war normal. Arbeiten von Zuhause aus, beide, da fauchten uns aus jeder Ecke unerledigte Verrichtungen an und das besorgte einen Dauerstress. Damals entschloss ich mich: wenigstens anständig Essen. Ein guter Kochfreund aus dem Berliner Prenzlauer Berg gab mir die ersten Schnippeltipps und meinem Liebsten den Hinweis, er solle mir doch einmal das Buch „Der junge Koch“ schenken. Das ist ein Lehrbuch, darin findet man wirklich alles über Garzeiten und Grundrezepte. Das half. Nö, ich bin keine Edelköchin geworden, dazu habe ich wirklich zu viel anderes zu tun, aber bodenständig Kochen erdet, dämpft den Termin-Stress am Computer… Bodenständig heißt für mich: Im Winter deftig (Rouladen, Gulasch, Wintersuppen, den Schmorkohl von Arabella…), im Sommer leicht (Pellkartoffeln und Quark, Salate, Kurzgebratenes…).
Gedöns mit der Deko gibt es nur zu Feiertagen, aber dafür schau‘ ich mir jedes Mal in den Fischrestaurants der Kaiserbäder an der Ostsee etwas ab. Zum Beispiel: Zander auf Beluga-Linsen-Bett oder Dorsch auf feinem Schmorgurkengemüse… Einfach lecker!

 

 

 

Kochkünstler (15)

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Das Immerwiederkehrende

Alltag 5, März 2019:  Die „Dinge des Alltags – das Immerwiederkehrende“ – ist das Jahresprojekt der Bloggerin Ulli Gau, an dem ich mich beteilige und 12 Monate lang immer am  1. Monatswochenende etwas aus meinem Alltag vorstelle.

Diesmal: Der Selbstzweifel.
An dem reibe ich mich jeden Tag. Alle Jahre schon muss ich immerzu über dieses schwankende Land. Keine Etappe führte je in eine Gewissheit, die den Selbstzweifel vertrieb. Fraglos rührt vieles davon aus meiner Weiblichkeit, eben jener Tatsache, dass die Emanzipation der Frauen erst gut 100 Jahre her ist. Dass Frauen wählen durften und studieren. Bündnisse schmieden sie immer noch selten. Das Beziehungsgeflecht, dass Frauen stärkt und flankiert ist besonders im Osten kaum vorhanden. Und frau spürt es allenthalben überall, auch in der Kunst. Ich versuche pragmatisch all diese gesellschaftsimmanenten Hürden zu nehmen. Nicht mit Descartes philosophischer Methode – den Zweifel durch rationalistische Überlegungen zu entkräften. Nein, der Zweifel hält für mich die Dinge in Bewegung, gibt Anstoß, aber er blockiert auch. Meistens schaffe ich es, mich über das Selbstzweifeln hinwegzusetzten, indem ich es für einen Moment ausschalte und einfach losmache, ein paar Atemzüge verliert es sich, wie ein flüchtiges Gas, bis ich das Tagwerk beende. Und da ist er schon wieder, dieser Selbstzweifel, wenn ich kritisch Draufschau halte auf das Tagesschaffen.
Vielleicht ist es ja der klassische Weg des Einzelwesens, der aus der Art des kreativen Schaffens rührt: Zum Schreiben ist man/frau meist allein, in sich versunken, gräbt in sich und birgt Gedanken für das da Draußen. Aber werden sie wirklich gebraucht – die Märchen, die Geschichten, meine Reflektionen über die Zeit? Wer weiß.

Zeichnung: Petra Elsner

Kommentare auf FB:

Am 1. März 2019 auf FB: Barbara Liebrenz antwortet auf diesen Beitrag: Deine Geschichten werden sowas von gebraucht, liebe Petra! gerade wenn frau in Selbstzweifel verfällt, für die m.E. meistens kein rationaler Grund besteht. Dann hilft eine phantasievolle Geschichte, mir jedenfalls.


Heide Schenk am 8. März auf FB: „…manchmal erstaunt mich, dass auch andere Menschen das gleiche fühlen wie ich. Dein großer Vorteil ist es, dass du die richtigen Worte findest es auch auszudrücken. Die Selbstzweifel kenne ich. Und wahrscheinlich hat du recht – sie sind und in die Wiege gelegt. Mal sind sie Antrieb und mal Bremse.
War erstaunt das es dir auch so geht. Deshalb noch mal an dieser Stelle – du bist eine tolle Frau mitzauberschönen Bildern und wundervollen Geschichten und Gedichten. Sie werden sehr gebraucht.
Gundi hat mal gesagt er wünsche sich das seine Lieder wie Lebensmittel gebraucht werden. Genau so geht es mir mit seinen Liedern und mit deinen Texten. Sie sind ein Kraftquell! Erholung und Freude für die Seele und noch vieles mehr. Bitte schenke uns noch ganz viele davon…“

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Das Immerwiederkehrende

Alltag 4, Februar 2019:
Die „Dinge des Alltags – das Immerwiederkehrende“ – ist das Jahresprojekt der Bloggerin Ulli Gau, an dem ich mich beteilige und 12 Monate lang immer am  1. Monatswochenende etwas aus meinem Alltag vorstelle.

Diesmal: Das Wortefinden.
Bei meinen Lesungen werde ich recht oft gefragt, woher ich die klangvolle Sprache nehme. Ob ich sie mühsam zusammenstelle und meine Sätze gewissermaßen drechsele. Nein, so ist es nicht, wenn es läuft, kommen die Worte von allein zum Vorschein und fließen in Sätze. Das Grundgeheimnis heißt einfach: Lesen, Lesen, Lesen und unterwegs neue Worte entdecken. Jeden Tag. Gleich einer Wanderdüne nehme ich stets und ständig neue Worte in mir auf und wenn sie zu mir passen, notiere ich sie mir, darüber werden sie zu meinen, wenn ich sie nicht gleich wieder vergesse. Überall um mich herum liegen kleine Zettel. Die haben kein System und könnten im Grunde sofort wieder verschwinden, aber ich merke mir die wertvollen Fundsachen, indem ich sie aufschreibe. Das ist der Weg in mein Gedächtnis, einem wachsenden Fundus, von dem ich mich als Autorin ernähre. Und manchmal wird aus dieser imaginären Wanderdüne sogar eine echte Figur. Mit ihr geht es auf zu einer neuen Geschichte, wie zum Beispiel mit meinem Sandteufel, der zugleich auch Wanderdüne ist….

Nax auf seiner Wanderdüne im Meer. Zeichnung: Petra Elsner

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Das Immerwiederkehrende:

Alltag 3, Januar 2019:

Die „Dinge des Alltags – das Immerwiederkehrende“ – ist das Jahresprojekt der Bloggerin Ulli Gau, an dem ich mich beteilige und 12 Monate lang immer am  1. Monatswochenende etwas aus meinem Alltag vorstelle.

Diesmal:

as Postmachen.

Jeden Morgen nach einem winzigen Frühstück ziehe ich mich mit meiner Tasse Filterkaffee an den Computer zurück und checke zuerst die Mailpost. Das geht gemeinhin flott, denn sogenannte Mailbriefe werden auch immer seltener. Meist fliegen einem nur ein paar Wortfetzen um die Ohren und ich antworte dann ebenso Staccato. Briefe muss man sich verdienen, denn sie kosten Lebenszeit. Briefe sind Jedermannsliteratur und Stimmungskinder, zugleich bilden sie den größten Speicher von Lebenstatsachen.

Ehrlich mal, was war das vorzeiten schön Post zu bekommen. Vor reichlich zehn Jahren bekam ich immer diese wundervolle Künstlerpost von meinem Malerfreund Ecki. Er ist leider vor ein paar Jahren gestorben, sonst würde ich bestimmt heute noch sieben handschriftliche Seiten zum Jahreswechsel von ihm bekommen. Schon die Umschläge waren eine Schau und die Briefe selbst hatte zu seinen nachdenklichen Texten auch immer kleine farbige Skizzen dabei. Alles kleine Originale. Ich habe sie geheftet und bewahre sie auf wie einen Schatz.
Klar schreibe ich heute auch kaum noch handschriftlich. Ich tippe, wie die meisten heutzutage. Zum Jahresausklang 2018 habe ich reichlich 50 Weihnachtsbriefe versandt – einmal im Jahr und per Post für alle jene die mit der Technik auf Kriegsfuß stehen. Inzwischen freue ich mich über gehaltvolle Mailbriefe ebenso, wie die aus dem altmodischen Briefkasten. Die Guten kommen wie einst als Papierausdruck in meine Jahressammelbox und ab und zu binde ich im Copyshop daraus ein Briefe-Buch zur Erinnerung.

  

Meine damaligen Briefe und Künstlerpostumschläge an ihn und andere habe ich natürlich nicht ….
Initialzeichnung (oben) von Petra Elsner.

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