Milchmond (38)

… Bisher führten die Ermittlungen der Kripo im Mordfall Laura Acker ausnahmslos ins Leere. Jetzt schien sich eine neue Spur aufzutun, der man umgehend folgte. Unter Mithilfe der örtlichen Jägerschaft und der Ranger von der Naturwacht durchkämmten sie am nächsten Morgen den Schneeglöckchenwald. Der Winter war zurück. Nachts hatte es geschneit und den milden Frühlingssonntag als Episode verweht. Zwei Dutzend Männer und Frauen mit geschärften Sinnen durchsuchten das Revier. Sehr leise, man hörte nur ab und an das Knacken der Zweige unter ihren achtsamen Schritten.  Plötzlich brüllte einer: „Hierher!“ Bernd Uhlig hatte ein weiteres Lager entdeckt, in einer Senke unter einer gestürzten Kiefer. Dieser Unterschlupf war größer, als das Erdloch im Dachsbau und mit einer alten LKW-Plane regensicher gemacht. Ermittler Stark sperrte den Ort mit weiß-rotem Band für die Spurensicherung ab, denn hier waren deutliche Fußabdrücke zu entdecken. Kaum schneeverweht. Stark murmelte Franziska Korn zu: „Den haben wir bestimmt aufgescheucht, aber gut, dort liegt eine Fährte.“ Er winkte zackig dem Hundeführer zu: „Geht langsam voran!“
Hinter dem Schneeglöckchenwald lag das Moor, ein unheimliches Gebiet, das kaum von Menschen betreten wurde. Geheimnisvoll hockte das Binsengras auf der stahlgrauen Wasserfläche. Wie listige Trolle. Der Wind über der weiten, offenen Fläche fuhr in das trockene Schilf und ließ die Blätter knistern. Flüsterlaub, dachte Bernd Uhlig bei sich und es schien ihm, als würden die Moorgeister den Suchenden zuschauen und miteinander wispern. Ein mystischer Schauer wehte Uhlig Fantasie an. Er schlug den Jackenkragen hoch, als wollte er seinen Nacken vor weiteren düsteren Anflügen schützen. Nur ein fester Damm durchquerte das schwankende Sumpfland. An einer kleinen Brücke, die über einen der vielen Wassergräben führte, verlor der Fährtenhund die Spur. Sie schien ins Wasser gesprungen.
Franziska Korn trat an die Stelle und dachte laut: „Es ist kalt. Der Mann wird nicht das Wasser durchwaten, nur in allerhöchster Not. Also ist er vielleicht mit einem Kahn von hieraus weiter.“ Stark nickte: „Wir brechen hier ab. Es dämmert schon. Ich ordere uns zu morgen früh ein paar Kähne.“…

© Petra Elsner
3. Januar 2019

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