Milchmond (35)

Öffentliche Winterschreibarbeit zu “Milchmond”, der Kriminalgeschichte von Petra Elsner.

… Kurz vor 13 Uhr füllte sich der Gastraum. Dörte Sandig trat zu den Nagel-Söhnen und fragte dringlich: „Könntet Ihr vielleicht mal eine Wildkamera auf Euren Kahlschlag richten? Ich hab da heute beim Joggen etwas sehr merkwürdiges gehört, nicht gesehen, aber mir war, als habe mich von dort aus etwas verfolgt. Ich wüsste einfach gerne, was das war.“
Konrad Nagel lästerte: „Ich würd‘ es ja mal mit einer Brille versuchen. Aber O.K., wir hängen Dir einen Spion auf. Neujahr reisen wir wieder ab, bis dahin werden wir schon ein paar Treffer von Deinem Geräusch ergattern. Wieso warst Du eigentlich allein im Wald, gelten für Dich die Aufforderungen der Polizei nicht?“ Dörte grinste, aber Konrad schüttelte besorgt seinen Kopf: „Mädchen, das ist kein Spaß! Das nächste Mal nimmst Du zum Joggen jemanden mit. Klar?“
„Versprochen“, salutierte Dörte und knallte dazu die Hacken zusammen. Jetzt grinste auch ihr alter Skatkumpel.
Die Tür schrammte auf und ließ eine Wolke Sandberger Familien in den Raum, darunter auch Julie mit ihrer Mutter Helene, die sie zum Weihnachtsessen aus dem Altenheim geholt hatte. Jan warf die Weihnachtslieder-CD an. Während Helene aus dem Mantel schlüpfte, summte sie sofort guter Dinge mit. Mag auch der gestrige Tag im Vergessen versinken, die alten Lieder taten es nicht.
An der Tafel erzählten Rosa und ihre Söhne inzwischen, dass die Polizei bis jetzt nichts Greifbares zu dem Holzdiebstahl herausgefunden habe. Konrad winkte gelassen ab:  „Die Stämme können wir wohl abschreiben. Schlimmer finde ich, dass sie auch bei dem Mord nicht weiter gekommen sind. Ja, da haben sie tagelang Hubschrauber über der Heide kreisen lassen, aber wer sagt denn, dass der Irre überhaupt in diesem Wald steckt. Und ob er wirklich der Täter ist, die Blutgruppe AB positiv gibt es zwar nicht oft, aber doch mehr als nur einmal.“ Rosa zupfte ihren Sohn am Ärmel und deutete hinüber zu Julie und Helene am Garderobenständer: „Hör‘ auf, Junge, heute wird nicht über den Mord spekuliert!“
Julie staunte, als Kai Fischer in die Wirtsstube trat. Jan huschte an ihr vorbei und fragte beherzt: „Em, ist es Dir recht, wenn ich den Typen da neben Dir platziere?“ Sein Blick wies zu dem Berliner Gast.
Sie zögerte einen Moment lang, dann nickte sie. Neben ihr trällerte Helene laut und brüchig „Weihnachten, Weihnachten, steht vor der Tür…“ und Julie spöttelte: „Ist schon da, Mama.“ Ihr wurde heiß, als sich Kai neben ihr auf dem Stuhl niederließ…

© Petra Elsner
März 2018

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Alle in dieser Kriminalgeschichte vorkommenden Namen, Personen, Organisationen, Orte sind erfunden oder werden rein fiktiv benutzt. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Geschehnissen, Orten oder Personen, lebend oder tot, sind nicht beabsichtigt und rein zufällig.

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