Milchmond (33)

Öffentliche Winterschreibarbeit zu “Milchmond”, der Kriminalgeschichte von Petra Elsner.

… Ein Leuchten lag über dem offenen Schneefeld und Dörte spürte ganz deutlich die Anwesenheit von einem Etwas unter den Zweigen. Es schlich ihr entgegen, leise und irgendwie bedrohlich. Sie späte über das Weiß, konnte aber nichts entdecken. Ihr Instinkt schob sie wieder in den Laufmodus, weg von der Waldbrache. Dörte joggte ihre Runde weiter. Nicht mehr entspannt. Diesen Bogen noch, dann den Quer-Pfad links bis zum Fließweg, der sie zurück ins Dorf schicken würde. Unterwegs entdeckte sie nichts, witterte aber eine merkwürdige Begleitung. Am Kiefernbogen verschnaufte sie einen Moment. Hinter dem Rauschen des Blutes in ihren Ohren war ein leises Hecheln vernehmbar, das schlagartig inne hielt, als sie nach ihm lauschte. Ein Mensch war das nicht. Die Frau war verwachsen mit dem Wald, der sie an diesem Morgen seltsam beunruhigte, was sie zugleich ärgerte, denn schließlich war sie kein Hasenfuß. Beim Rodelberg stoppte sie kurz ihren Lauf, um die Beine auszuschütteln, die Arme zu kreisen, ihren Körper zu dehnen und vielleicht währenddessen die mulmige Stimmung abzustreifen. Doch abermals war das Schleichen in der Deckung des Buschwerks vernehmbar. Ein Knacken und ein Rascheln kaum 30 Meter entfernt. Das nervte und trieb ein dumpfes Gefühl an. Die Frau dachte an Laura, die Gewalt, die ihr angetan wurde. War sie in Gefahr? Aber nein, was sie da aus dem Unterholz fixierte, bewegte sich nicht auf zwei Beinen. Entschlossen, den Spuk zu vertreiben, klatschte sie ein paarmal laut in die Hände. Etwas lief davon. Dörte blickte dem Geräusch nach, atmete erleichtert auf und trabte schließlich zurück ins Dorf…

 

© Petra Elsner
März 2018

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Alle in dieser Kriminalgeschichte vorkommenden Namen, Personen, Organisationen, Orte sind erfunden oder werden rein fiktiv benutzt. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Geschehnissen, Orten oder Personen, lebend oder tot, sind nicht beabsichtigt und rein zufällig.

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