Milchmond (13)

Öffentliche Winterschreibarbeit zu der Kriminalgeschichte “Milchmond” von Petra Elsner.

… Der Herbst verwehte und der Dezember zündete die Adventslichter an. Julie fuhr an diesem Samstag mit dem alten Rover nach Berlin, um endlich den Ärger auszuräumen und die Funkstille zwischen den Schwestern zu beenden. Unterwegs bummelte sie noch etwas entlang der Landstraßen. Stoppte für frische Schrippen beim Bäcker am Bahnhof Wandlitzsee und kaufte einen schönen Strauß bei „Sonnenblume“ in Klosterfelde. Als Julie die Florastraße 23 in Pankow erreichte, schob gerade eine Frau ihren Kinderwagen durch den Hauseingang. Die Besucherin schlüpfte in das Innere und brauchte nun keine Reaktion über die Wechselsprechanlage abzuwarten. Sie hatte schon ein, zwei Stufen genommen, da fiel ihr Blick auf die Briefkästen. Einer quoll über und darunter stand ein rappelvoller Pappkarton. Sie ging noch einmal zurück, zog einen Briefumschlag aus der Menge und sah, der Empfänger war Laura Acker. Julie beschlich ein ungutes Gefühl. Das sah nicht nach ihrer Schwester aus. Sie war eine, die anderer Leute Leben sortierte und pflegte, nie würde sie sich selbst vernachlässigen. Es musste etwas geschehen sein. In der Wohnung im zweiten Stock öffnete niemand. Julie lief zurück ins Erdgeschoss und fand dort am Mitteilungsbrett der Verwaltung die Nummer des Hausmeisters. Die wählte sie und erklärte: „Herr Fischer, Sie müssen kommen und die Wohnung meiner Schwester Laura Acker öffnen. Es muss etwas geschehen sein.“
Der hagere Mann unter Lederschiebermütze zögerte. Ja, er hatte den Ausweis der Frau gesehen, offenbar war sie die Schwester der Mieterin. Aber, da könnte ja jeder kommen und einem unerwünscht in die wohl behütete Privatszene trampeln. Vielleicht wollte die Ackern einfach die leidige Familie nicht sehen. Doch der überfüllte Briefkasten, gab auch ihm zu denken. „Und Sie sind sich sicher, dass Frau Acker nicht länger verreist ist?“ „Ganz sicher!“
Hinter der Wohnungstür wartete staubige Stille. Kai Fischer kräuselte eine Sorgenstirn: „Das lässt nichts Gutes vermuten. Wie lange hatten Sie keinen Kontakt zu ihr gehabt?“ „Etwa drei Wochen.“ „Sie sollten eine Vermisstenanzeige aufgeben.“ Julie starrte blass vor sich hin. „Vielleicht ist sie ja bei einem Typen abgetaucht oder liegt in irgendeinem Krankenhaus. Man muss ja nicht gleich Schwarzmalen.“ Er schob die Frau aus der verwaisten Wohnung. Draußen sah er in ihr erschrockenes Gesicht. Sie schien wie angewachsen auf den Gehwegplatten. „Soll ich Sie zur Polizei fahren?“ Julie nickte…

© Petra Elsner
Februar 2018

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Alle in dieser Kriminalgeschichte vorkommenden Namen, Personen, Organisationen, Orte sind erfunden oder werden rein fiktiv benutzt. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Geschehnissen, Orten oder Personen, lebend oder tot, sind nicht beabsichtigt und rein zufällig.

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