Milchmond (1)

So, dann beginne ich mal mit der Schreibarbeit am  Krimi „Milchmond“. Ohne Eile, jeden Tag eine Seite vielleicht. Ich hab den ganzen Winter Zeit dafür. Ab und zu stelle ich Passagen hier ein – nicht den ganzen Text, versteht sich…

Der Milchmond sah unscharf auf einen Mord in der Heide. Atemschwere Stille schwamm durch diesen tödlichen Moment. Äste knackten unter der Flucht einer dunklen Gestalt. Das diffuse Mondlicht würde kaum ein guter Zeuge sein, aber zwei Augen blickten starr vor Schreck durch dicke Brillengläser und späten apathisch der Bedrohung nach. Es begann zu regnen und der stumpfe Blick des Beobachters zerrann im Dunkel.

Es klingelte energisch. Mehrfach. Dörte Sandig schlief noch, aber irgendjemand hatte etwas dagegen. Sie rollte sich von ihrem Boxspringbett und lief im Schlafanzug zur Hoftür. Es war herbstlich frisch und sie ärgerte sich ohne Jacke losgelaufen zu sein: „Wer da? Und was ist?“ Durch den geöffneten Spalt schob sich erst Rosas energischer Krückstock und dann sie selbst. Die 80jährige Nachbarin kümmerte es nicht, dass sie unpassend kam, sie hatte ein dringliches Anliegen. Schwer gebeugt  stocherte sie mit dem Krückstock nach einem Küchenstuhl, ließ sich vorsichtig nieder und sprach dann mit rostiger Stimme: „Hast du heute Nacht den Krach im Wald gehört? Irgendwas rumorte eine Stunde nach Mitternacht. Ich weiß nicht, ob es wieder diese verrückten Schatzsucher waren oder freche Holzdiebe. Du weißt ja, ich bin schlecht zu Fuß, kannst du nicht mal nachsehen, ob mein Wald noch steht?“
Dörte verspürte keine Lust, aber die Söhne der alten Nachbarin waren seit Wochen auf Montage, also ließ sie sich erweichen: „Ja, Rosa, ich dreh‘ nachher eine Runde und schaue nach dem Rechten.“
Die Alte nickte stumm,  holte tief Luft und sprach forsch weiter: „Und noch was. Du musst meine Katze nehmen! Die ist süß, aber unsere zwei Hunde jagen sie. Der Manne Winter hat mir die Handvoll Fell mir angedreht und jetzt habe ich ein Problem. Ich kann die Kleine wegen der Hunde nicht raus lassen und im Haus stinkt es jetzt nach ihr. Du hast doch keine Katze, also nimm sie!“ Ein „Bitte!“ bröselte noch nach, aber der Imperativ davor übertönte es. Dörte war kalt und sie fühlte sich schutzlos nur so in der Nachtwäsche. Sie wollte weder Hund noch Katze. Nie. Rosas Frage empfand sie als dreistes Verlangen, schließlich wehrte sie ab: „Kommt gar nicht in die Tüte! Noch dazu ein schwaches Herbstkätzchen! Frag‘ mal Nathalie, die füttert eh‘ alle Katzen, die bei ihr vorbeikommen, vielleicht nimmt sie sie.“ Man sah, dass sich Dörte mit der klaren Absage schwer tat. Deshalb wartete Rosa noch einen Moment und nörgelte bestimmend: „Ich will aber, dass du sie nimmst!“ Die Frau nahm sich aus dem scharfen Blick der Alten und setzte wortlos ihren Morgenkaffee an. Nach einer gefühlten Ewigkeit quälte sich die Nachbarin vom Küchenstuhl und verzog sich mürrisch in die graue Morgenstunde. Hier war das letzte Wort noch nicht gesprochen…

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