Die Hitze unterm Sonnenhut – Sommerlochgeschichte (4. Passage)

… Niemand würde ihn noch einmal aufhalten oder doch? Wovon würde er zukünftig  leben (?), hämmerte es unter seinem Sonnenhut. Ja, er hatte einen Notgroschen gespart, aber der würde nicht lange reichen. Was dann? Während er Kilometer strampelte, sorgte er sich uferlos.
In der Dämmerung kam Wahlberg bei seinem alten Katen an. Der Ausbau vor Stegelitz lag gleich neben dem Radweg und bei einer Bushaltestelle. Doch als er die quietschende Gartenpforte geöffnet hatte, sah der müde Mann: Das Gemäuer erstickte förmlich im Grün. Aus dem Dach wuchsen kleine Birken und wilder Wein hatte das Häuschen vollkommen umschlungen. Unheimlich wild mutete es an, wer statt seiner wohl darin inzwischen lebte? Die Nacht verbrachte er lieber in seiner Hängematte unter dem Blätterdach der beiden Walnussbäume, die er vor gut zwanzig Jahren nach seinem Hauskauf gepflanzt hatte. Der Vogel tapste in dieser milden Mondnacht vom Hemdkragen in den Sonnenhut, der sich ruhig mit jedem Atemzug auf Wahlbergs Bauch auf- und niedersenkte.

Zeichnug: Petra Elsner

Das Haus lebte mit allerlei Getier. Blindschleichen, Mäuse, Ameisen, Spatzen, selbst ein Fuchs schien hier ab und zu Quartier zu nehmen. Tagelang hatte Wahlberg damit zu tun, es auszufegen und zu putzen, das Dach zu dichten und die Wände weiß zu kalken. Die Hauswasserversorgung lief wieder, und auf sein Pappschild an der Gartenpforte: „Ich pflege für Sie Ihren Computer!“, hatte bereits der erste Kunde reagiert. Wahlberg war mit seinem Start zufrieden. Der Vogel schlief weiter nachts in seinem Sonnenhut, tagsüber brauchte ihn sein Kahkopf, um darunter die Gedanken zu sortieren…

© Petra Elsner
Juli 2018

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