Am Wegesrand

Dohle, Zeichnung: pe

Dohle, Zeichnung: pe

An einem frischen Montagmorgen steige ich in Wandlitz aus der Heidekrautbahn und laufe die paar Schritte zur Bushaltestelle der Linie 984, als sich vor mir eine fette fast-food Spur entfaltet. Erst ein dünnes Rinnsal aus Bonbonpapier, Servietten und Kippen, dann eine breite Ansammlung von Pizzakartons und Kaffeebechern. Nicht gerade appetitlich auf nüchternen Magen. Wer sich hier wohl ausgemistet hat? Völlig politisch-unkorrekt denke ich an das nahe Flüchtlingsheim. Auf der Bank um die sich der Müll ausbreitet, warten nachmittags meist Geflüchtete auf ihre Freunde oder Verwandten, die mit der Bahn ankommen. Aber natürlich könnten es auch outdoor-feiernde Jugendliche gewesen sein. Wie auch immer, es gefällt mir nicht was ich sehe. Plötzlich schwebt eine Dohle über dem Bahnhofsvorplatz und landet zielgenau auf dem Papierkorbdach. Kaum später hüpft ein zweiter dieser klugen Rabenvögel über das Pflaster. Die erste Dohle zupft aus dem Behälter  geschickt heraus, was sie zu fassen bekommt, der Vogel am Boden plündert die Reste aus den Kartons. Ich schaue verdutzt aus das Bild und schäme mich still, denn nun gefällt mir nicht, was ich dachte. (pe)

Dieser Beitrag wurde unter Reportagen und Notizen aus dem Barnim abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.