Morgenstunde (157. Blog-Notat)

Eine Ecke des Bilderspeichers im Aufbau für das OFFENE ATELIER 2019. Foto: P. Elsner

Die leere Empore unterm Dach füllt sich langsam wieder und wächst zum Bilderspeicher. Die Fahnenbilder, die hier auf dem Boden liegen, brauchen noch einen Hängeplatz, dafür werden wir morgen Dübel setzen… Jetzt bin ich dabei im Atelier die Kleinformate verdichtet an die Wand zu bringen – eine Art Russische Hängung. Zwischendurch kam ein Pflanzenpaket von „Gartenrot“ mit Etagenzwiebeln, Winterheckenzwiebeln und Muskatkraut. Die frischen Pflanzen mussten natürlich sofort auf die Kräuterspirale. Also Strohhut auf, Sonnenbrille auf die Nase, den Jackenkragen aufgestellt und ab in den Garten – sonnengetarnt. Bin immer noch ziemlich Rot im Gesicht, aber die Schwellungen sind abgeklungen. Man erkennt sie doch fast wieder….

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Morgenstunde (156. Blog-Notat)

Pfauenauge in der Schlehe

Strohhut tief in die Stirn gezogen, darunter die tiefschwarze Sonnenbrille und den Jackenkargen hochgeschlagen – so sah ich heute im Garten nach dem Gesumme und Getummel in der Schlehe und wer mich so über die Zäune beobachtete, dachte vielleicht, hey, der Mörder ist immer der Gärtner, hat die Elsnern nur einen echten Krimi-Spleen? Nee, hat sie nicht, sondern eine Sonnenallergie. Das Kortison bereitet mir die letzten Wochen wahrhaft „Freude“: Das Neueste ist ein knallrotes und geschwollenes Gesicht, ein erbärmlicher Anblick – wirklich schon etliche Tage. Abends wird aus dem feuernden Rot ein Dunkelrot, man könnte sich fürchten. Die Mittelchen aus der Apotheke wirken endlich langsam und zeigen hier und da schon mal wieder normale Hauttönungen als Flecken. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen… Also bin ich die Tage viel im Haus, schleppe Bilder vom Heizhäuschen (Winterquartier für die Mittelformate) auf den Bilderspeicher und staune, wie gut ich doch wieder bei Kräften bin. Dass hatte ich nicht sobald erwartet. Beim Tragen ordnet der Kopf – wohin mit den Schätzchen? Morgen sind die Großformate dran, die brauche ich nur aus dem Winterversteck im Kaltdach zu fädeln. Der Liebste hat viel Imkerzeug davor geparkt, wegen der Bauarbeiten in der Bienenküche. Mal sehen, wie ich die Keilrahmen da ringsherum bugsieren werde…

…. Mariechenkäfer auch.

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Das Immerwiederkehrende

Alltag 6, April 2019:

Die „Dinge des Alltags – das Immerwiederkehrende“ – ist das Jahresprojekt der Bloggerin Ulli Gau, an dem ich mich beteilige und 12 Monate lang immer am  1. Monatswochenende etwas aus meinem Alltag vorstelle …

Diesmal: Das Kochen.

Alle Tage kochen, dass wäre mir vor schlapp 30 Jahren niemals in den Sinn gekommen. Ich bin Tochter einer Nichtköchin, bin sozusagen ungelernt ins Leben gegangen und ohne Kochbuch. Kurz vor dem Tode meiner Mutter, damals war sie 53 Jahre alt, meinte mein Vater zu ihr: „Du kannst kochen was Du willst, es schmeckt immer nach Gulasch.“ Autsch, das saß. Als ich 1993 meinen Liebsten kennenlernte, hatte der einen ähnlich guten Spruch drauf: „Es ernährt uns.“ 1994 machten wir uns selbstständig. Eine 70-Stundenwoche war normal. Arbeiten von Zuhause aus, beide, da fauchten uns aus jeder Ecke unerledigte Verrichtungen an und das besorgte einen Dauerstress. Damals entschloss ich mich: wenigstens anständig Essen. Ein guter Kochfreund aus dem Berliner Prenzlauer Berg gab mir die ersten Schnippeltipps und meinem Liebsten den Hinweis, er solle mir doch einmal das Buch „Der junge Koch“ schenken. Das ist ein Lehrbuch, darin findet man wirklich alles über Garzeiten und Grundrezepte. Das half. Nö, ich bin keine Edelköchin geworden, dazu habe ich wirklich zu viel anderes zu tun, aber bodenständig Kochen erdet, dämpft den Termin-Stress am Computer… Bodenständig heißt für mich: Im Winter deftig (Rouladen, Gulasch, Wintersuppen, den Schmorkohl von Arabella…), im Sommer leicht (Pellkartoffeln und Quark, Salate, Kurzgebratenes…).
Gedöns mit der Deko gibt es nur zu Feiertagen, aber dafür schau‘ ich mir jedes Mal in den Fischrestaurants der Kaiserbäder an der Ostsee etwas ab. Zum Beispiel: Zander auf Beluga-Linsen-Bett oder Dorsch auf feinem Schmorgurkengemüse… Einfach lecker!

 

 

 

Kochkünstler (15)

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Morgenstunde (155. Blog-Notat)

Die Einladungskarten zu Tag des OFENEN ATELIER 2019

Die Einladungskarten sind eingetroffen und sie leuchten ganz wundervoll. Fortan kann ich allen jenen die nichts Elektronisches wünschen, die Karten eintüten und versenden. All die anderen bekommen eine Einladungsmail (200 Briefmarken sind einfach auch teuer). Jene können sich eine solche Karte als Erinnerung aus dem Atelier mitnehmen.
Ach, bin ich froh, mit meinem Sonnengelb (es ist gelbe Holzbeize) haben die Druckereien gewöhnlich ein Problem. Aber 4C-Druck heißt eben mit nur vier Farben und nicht Kunstdruck mit x weiteren, deshalb sind die Mischtöne immer ein Wagnis. Auch diese Karte ist ein Tick im Gelb zu fett, aber ist O.K. und eh gelaufen.
Wenn ich mich so umsehe, dann graust mir vor den vielen Baustellen, die noch zu einem guten Ende kommen sollten, bevor die Gäste kommen. Gestern hab ich erst mal den Baumschnitt verbrannt. Heute versuchen wir alte Bauplatten zu verstecken, die beim Ausbau der Bienenküche des Imkergatten am Montag gegen echtes Mauerwerk abgelöst wurden, und jetzt bei meinen Blumenmond herumlümmeln. Der Liebste ist kein Aufräumer, seufz, es muss mir was einfallen. So zerbröselt sich die Zeit, innerlich spreche ich mir Mut zu – wir schaffen das…

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Morgenfrost im April

Eisiger Morgen im Weidenbogen.

Am Morgen war die Birke steif gefroren.
Wie eine Wetterfahne im Wind
zeigt das Geäst von Ost nach West.
Das erste Grün trägt schwarze Spitzen,
wie eine Witwe ohne Kind.

© Petra Elsner, 1. April 2019

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Morgenstunde (154. Blog-Notat)

Morgenstunde hat Gold im Munde und eine fehlende Winterstunde wie Blei im Hintern.

Hier im Norden ist das Grün noch sehr zögerlich, da hab ich mir einfach mal die Schachbrettblüten aus 2018 geborgt.

Hui, was ist das wieder kalt im Flur. Der Imkergatte hat diese Woche die Winterabdeckung von der Treppe zum Bilderspeicher abgenommen, da huscht das bisschen Wärme sofort in den Himmel und der haucht zurück und bläst einem die Gänsehaut unter die Garderobe. Das Ritual heißt alle Jahre Ende März/Anfang April: Frühlingserwachen, Frühjahrsputz, Schäden ausbessern, Bilderkinder wieder auspacken und zum Anschauen aufhängen oder stellen. Zugegeben, jedes Jahr wird das alles ein bisschen schwerer und so hab‘ ich den Text für meine Einladungskarte zu Tag des OFFENEN ATELIERS auch dementsprechend begonnen:

Wie viele Ateliertage wir noch feiern werden, weiß niemand, aber 2019 öffnen wir am Sonntag, dem 5. Mai wieder weit unsere Türen. Von 11 bis 18 Uhr seid Ihr/sind Sie eingeladen in Haus, Hof und Garten nach Bildern und Büchern zu schauen. Dabei kann man sich auf gute Begegnungen freuen, fachsimpeln, plaudern, entspannen. Bei trockenem Wetter lese ich für Euch/Ihnen ab 14 Uhr im Lesegarten eine neue Kurzgeschichte. Gegen 14.30 Uhr gibt die Kurtschlager Samba-Percussion-Band „os velhos sambeiros” eine Klangprobe ihres Könnens.
2019 ist mein 25. Berufsjahr als freischaffende Künstlerin, lasst es uns feiern!

Die Karte dazu ging diese Woche in Produktion. Der Freund Jörg Metze von Pinguin-Druck hat mir die Druckvorlage erstellt (das hab ich leider nie gelernt…). In der zweiten Aprilwoche werde ich sie wohl versenden können. In all das Gewusel geriet wieder einmal eine Spontan-Idee meines Hausverlages. Die vorhandenen Schräge-Vögel-Motive für einen Kalender 2020 zusammenzustellen und mit Sprüchen zu versehen. Alles wunderbar, nur die Sprüche sollen möglichst Schenkelklopfer sein. Herrje – das ist so gar nicht meins. Meine Frau Mutter hat einst eine für eine Satire-Sendung im Radio Witze gedrechselt. Ich war ihre Testperson und wusste oft nicht, wo ist hier die Stelle zum Lachen. So bin ich also einschlägig vorbelastet. Bei mir werden es wohl eher Schmunzel-Sprüche sein… Mal sehen.

Habt einen schönen Sonntag alle miteinander!

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Die Finalisten sind nominiert

Ihr wisst ja, in den letzten zwei Wintern habe ich eine Kriminalgeschichte namens „Milchmond“ geschrieben. Was ihr nicht wisst, ich hab mich bei einem Wettbewerb beworben. Seit gestern wissen wir es: Die Finalisten des “1. Uckermärkischen Regionalkrimi-Wettbewerbs 2018/2019” stehen fest und ich bin dabei. Wer das Rennen zu guter Letzt machen wir, obliegt der Jury. Diese 15 Autoren sind erst einmal nominiert:

Ansaldo, Teodora
Elsner, Anke
Elsner, Petra
Herrmann, Norbert
Hindenburg, Rudolf
Hüsers, Kena
Knepper, Susanne
Krug, Constanze
Libert, Regina
Mahlow, Wolfgang
Moritz, Silvio
Neumann, Thomas
Paul, Sybille
Schwatinski, Manuela
Stahl, Hans-Joachim.

Der Sieger-Wettbewerbsbeitrag wird am 23. Mai 2019 bekannt gegeben.

Hier könnt IHR mitmachen:
Zusätzlich zu diesem Jury-Preis 2019 vergibt die Verlagsbuchhandlung Ehm Welk einen Publikumspreis, dessen Gewinner ausschließlich vom Leserpublikum, also von EUCH bestimmt wird.

Ab sofort können alle interessierten Leserinnen und Leser die Finalistenbroschüre auf der Verlags-Homepage als PDF anfordern: http://www.buchschmook.com/shop_content.php?coID=205

Unter der “Leser-Jury” verlost die Verlagsbuchhandlung Ehm Welk 3 Anthologien zum 1. Uckermärkischen Regionalkrimi-Wettbewerb 2018/2019. Immerhin. Es wäre wirklich toll, wenn Ihr mit abstimmt.

Danke, Eure Petra

 

PS: Weil ich auf FB gerade Nachfragen hatte: Nein, man kann nicht einfach in einem Kästchen voten. Bitte den 2. Link auf der Verlagsseite (Jetzt Ihre Stimme für den Publikumspreis abgeben.) anklicken, da kommt ein Mailformular, darauf muss, wer mitmacht, antworten und seine Adresse angeben. Warscheinlich, damit wirklich jeder nur einmal voten kann. Irgendwie klar …

 

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Falsche Federn – eine Kurzgeschichte (Abschnitt 3 – das Ende)

… Herr Weiß lächelte mysteriös und reichte Hanna die Hand zum Aufstieg. Kaum später hockten sie rücklinks auf der Mauer und lugten in den Nebenhof. Es war herbstklamm und der Müll in den Tonnen roch scharf. Die Frau rümpfte die Nase und zischte: „Jetzt spring schon!“ Während sie auf ihren Füßen landeten, fiel die Feder echauffiert zu Boden, aber Herr Weiß bemerkte den Abgang, bückte sich und flüsterte ihr zu: „Du wirst noch gebraucht!“ Danach steckte sie abermals hinter sein Ohr. Vom Souterrain des Seitenflügels warf ein Fenster einen fahlen Lichtstreifen in das Geviert. Dem folgten sie und der Mann klopfte an das beschlagene Fenster. Knarrend, aber wortlos wurde es geöffnet. Ein hagerer Bäcker lehnte missmutig eine Leiter an das innere Fensterbrett und ging dann leicht gebeugt seinen Verrichtungen nach. Hanna sah verdutzt zu, wie gelassen Herr Weiß in diese Backstube stieg. Ihr war es irgendwie unheimlich, doch sie wollte keine Spielverderberin sein, so kletterte sie ihm hinterher. Ein warmes, mehliges, wundervoll duftendes Reich öffnete sich den Nachtgestalten. Der Meister gab steif den Buttler, legte sich dazu eine Stoffserviette über den rechten Arm, verbeugte sich kantig und wies stumm auf einen Tisch mit zwei Stühlen. Dann verschwand er schlurfend im Nebenraum. Hanna glaubte ihren Augen kaum, als der Mann kaum später Schrippen, Butter, Honig und Kaffee servierte. Ohne ein Wort und mit sauerteigartiger Mimik. Als alles platziert war, klatschte er kräftig in die Hände und eine Wolke Mehlstaub ging über dem Paar nieder. Der Meister drehte sich auf dem Absatz, entfernte sich und hinterließ dabei eine feine, frische Mehlspur. Herr Weiß war jetzt weiß und Hanna auch, die Zwei kicherten.

Hanna biss in diese knackig-würzige, feste Schrippe und nickte wohlwollend: „Lecker, was macht das Teil zur Ostschrippe?“
Herr Weiß, bröselte gelehrig vor sich hin: „Na, so ganz echt sind die auch nicht mehr, doch kommen sie dem Original sehr nahe. Nur so miserables Mehl wie damals verwandt wurde, gibt es hierzulande gar nicht mehr. Jenes Mehl war unbehandelt, wurde von Hand geknetet, blieb ohne Backmittel und der Teig ruhte stundenlang – das ergab dieses wunderbare Naturprodukt, das zum Mythos wurde.“
Der Bäcker stimmte nickend zu, als er wieder an den Tisch trat und Kaffee nachschenkte. Plötzlich brummte er: „Na, wo ist es?“
„Wo ist was?“, wollte Herr Weiß wissen.
„Na, das versprochene Etwas aus deinem Stück, mein Lohn für dieses nächtliche Frühstück?“
Herr Weiß griff nach der Feder, pustete das Mehl von ihr ab und gab sie dem fordernden Mann. Der steckte sie sich lächelnd an die Bäckermütze und zog sich zurück. Währenddessen spürte Konstantin Weiß, dass sich der Narr in ihm just in diesem Augenblick davon gemacht hatte. Er wurde unsagbar müde und sein Glanz erlosch. Hanna sah jetzt einen abgetakelten Alten vor sich, der eingeschlafen war. Sie fand, es wurde Zeit dem Schrippen-Abenteuer zu entfliehen. Leise stieg sie aus dem Fenster und kletterte zurück in den Nebenhof. Als sie draußen vor der Tür stand, blickte sie nach der Fassade des verschlossenen Hauses. In großen Lettern war da „Bäckerei Weiß“ zu lesen und der jungen Frau dämmerte es.

© Petra Elsner (Text & Zeichnung)
27. März 2018

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Falsche Federn – eine Kurzgeschichte in Arbeit (Abschnitt 2)

… Das seltsame Pärchen schwankte durch die Nacht. Beide hatten reichlich Wein getankt, deshalb stolperten sie zu Fuß auf ihren langen schlaksigen Beinen über das bucklige Gehwegpflaster. Hanna war ein großes schlankes Mädchen, aber Herr Weiß war sozusagen richtig dürr und noch einen Kopf höher gewachsen. Eine echte Latte eben. Die Zwei muteten an, als würde sie der nächste Windstoß mit sich reißen können, aber das täuschte. Doch wegen der Stolperei hatte sich Hanna sicherheitshalber bei Herrn Weiß eingehakt und fragte diesen nun: „Wie schmecken eigentlich Ostschrippen?“
Weiß schnalzte mit der Zunge nach seinen Geschmackserinnerungen: „Na, knusprig, würzig und fest, also nicht so fluffig wie die heutige Industrieware.“
„Aha.“
Die Kleinstadt schlief still. Nur die Häuserwelt starrte mit tiefschwarzen Glasaugen und sah wie Konstantin Weiß eine düstere Toreinfahrt ansteuerte. Die junge Frau ergriff zaghaft seine Hand. Mondlicht fiel in den muffigen Hinterhof. Plötzlich nahm der Theatermann Anlauf und sprang höchst athletisch auf eine der Mülltonne, die dicht bei der Ziegelmauer stand. Von dort oben murmelte er: „Wir müssen ins Nachbarhaus, aber das ist immer verschlossen.“ …

© Petra Elsner (Text & Zeichnung)
26. März 2018

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Falsche Federn – eine Kurzgeschichte in Arbeit (Abschnitt 1)

Er trug den Glanz einer Sonne. Und alle, die bei ihm standen, schienen mit ihm zu leuchten, obwohl die Premiere zu „Leonce und Lena“ im Stadttheater schon dem gestrigen Tag gehörte. Es war weit nach Mitternacht, aber im Theaterkeller wurde der schrägste aller schrägen Vögel gefeiert: Konstantin Weiß, der Alt-Mime, hatte einen berauschenden Auftritt hingelegt: Bizarr, verstörend und mit traumversunkenem Klang. Längst hatte der Held des Abends seine Vogelfedern abgelegt und gegen Jeans, Lederjacke und Schiebermütze getauscht, aber irgendwie spielte er immer noch und sie sah ihm dabei zu.
Hanna schmachtete ihn unverhohlen an und Herr Weiß genoss es. Er hätte ihr Großvater sein können, aber die Blicke der Studentin schmeichelten und weckten den Narren in ihm. Als sich das Fest auflöste, fingerte der Mann in seiner Jackentasche nach der welken Feder, die beim Umkleiden aus seinem Kostüm gefallen war. Jetzt steckte er sie hinter sein Ohr und schlenderte ein wenig zu dicht an Hanna vorbei. Dabei spürte er, wie sie die Luft anhielt. Als Hanna wieder ausatmete, drehte er sich noch einmal um und fragte ganz trocken: „Lust, auf frische Schrippen? Echte Ostschrippen?“ Es war drei Uhr morgens und die Blonde nickte staunend.

© Petra Elsner (Text & Zeichnung)
25. März 2018

 

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