Memory 9: Klinken putzen

Wenn Weihnachten vor der Tür stand und endlich die Ferien mich aus dem Sportschulinternat nach Hause schickten, bekam ich sehr bald diese häusliche Arbeit: Klinken putzen, mit Sidol aus der Tube und einem lumpigen Stofflappen. 20 Messingklinken mit Türbeschlägen, die in der Küche war immer fast schwarz, da hieß es Reiben bis der Putzfinger durchgebogen war und streikte.  Aber es gab kein Pardon, Oma kommt, da musste alles blitzen. Es interessierte keinen, dass ich gerade bei den Deutschen Kindermeisterschaften  Bestzeiten schwamm. Jetzt war ich Türklinkenputze, schließlich wollte meine supermoderne Mama nicht als nachlässig gelten, auch wenn sie eben genau das war. Geputzt wurde, wenn Oma kam… immer, also Ostern und Weihnachten. Später gab es Gott sei Dank elektrische Schleifscheiben, aber eines ist immer noch so: Die Weihnachtsvorbereitungen schreien nach Hausarbeit. Vorgestern hab‘ die Wohnküchenstühle neu mit groben Leinen bezogen, wie jedes Jahr, gestern Stollen, heute Kartoffelkuchen gebacken … alles geschieht irgendwie nebenher. Denn die eigentliche Arbeit im Atelier geht natürlich weiter. Klinkenputzen bekam für mich vor 28 Jahren eine ganz andere Bedeutung, und ehrlich, es lag mir  nie. Mit der Mappe unterm Arm quer durch die Berliner Szeneplätzen in der Großen Hamburger oder Auguststraße von Galerie zu Galerie. Galeristen können das gar nicht leiden, sie suchen und wählen selber aus, aber das wusste ich damals noch nicht…

Stollen ungebacken

Erzgebigischer Kartoffel-oder Stollenkuchen

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4 Kommentare zu Memory 9: Klinken putzen

  1. hanneweb sagt:

    War eine harte Zeit damals und vieles davon versteht man erst im Laufe der hoffentlich sehr langen Lebenszeit.😉
    Liebe Grüße von Hanne und hab noch einen schönen Nikolaustag 🕯️🎅

  2. Arabella sagt:

    In diesem Jahr habe ich nicht gebacken.
    Ich kann und ich will nicht.

    Meine Schaukelinhaberin hat dein Sommerbüchlein wie immer zum Nikolaus bekommen.

    Gerade überleg ich, ob ich dir heimlich unser gehütetes Stollenrezept privat zu kommen lasse…damit es nicht untergeht…

  3. Petra Elsner sagt:

    Ja, meine Gute, tu’ das, ich halte mit so einer Rezeptgabe meiner Mam, die 1984 gestorben war, sie jedes Jahr im Advent für mich wach…

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